Schmuddelbau am Theater wird wachgeküsst

Von: Robert Esser
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Großes Kino am Theaterplatz: Von links neben dem alten Bankgebäude bis rechts neben das ehemalige Kino reicht der Bereich am Kapuzinergraben, in dem nun reihenweise aufwendig umgebaut wird. Foto: Robert Esser

Aachen. Zu den „hässlichen Ecken“ der Stadt, die AZ-Leserinnen und Leser nach dem Aufruf unserer Zeitung reihenweise benennen, zählt immer wieder die größtenteils verlassene Häuserreihe vor dem Stadttheater mit dem ehemaligen Sitz der „Dresdener Bank“.

Zum Kapuzinergraben schreibt unser Leser Günter Radermacher: „Es ist unmöglich, dass eine Bank – wie die Nachfolgegesellschaft ‚Commerzbank‘ – nicht diese Immobilie in exponierter Lage restauriert und modernisiert, um sie dann erfolgreich zu vermieten.“ Noch schlimmer findet unser Leser Hardy Schuhmann die Rückseite an der Elisabethstraße: „Mittlerweile kann man nicht mehr den angrenzenden Bürgersteig nutzen, da der Uringestank in Augen und Nase beißt.“

Die AZ-Recherche: Die Schmuddelbauten werden jetzt wachgeküsst. Die komplette Häuserzeile wird in den kommenden Jahren vom neuen Eigentümer, der Aachener Landmarken AG, mit Leben gefüllt. Dies hat Landmarken-Vorstand Norbert Hermanns auf AZ-Anfrage bestätigt. Das denkmalgeschützte Bankhaus soll in enger Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro „kadawittfeldarchitektur“ saniert, erweitert und mit modernster Gebäudetechnik für die digitale Wirtschaft ausgestattet werden. Vorgesehen sind hochwertige Flächen für Dienstleistung, Gastronomie, Büros und eine erweiterte Tiefgarage, die in erstklassiger Geschäftslage vis á vis zum Theater Aachen liegen. Im hinteren Bereich sollen 85 Appartements für Studenten entstehen.

Den Aachenern ist das alte Bankhaus Kapuzinergraben vor allem wegen der reich geschmückten Fassade und dem monumentalen Portal an der linken Frontseite bekannt. Überlebensgroße Atlanten, Ziergiebel, Löwenköpfe und Wappen sowie eine mit Fruchtgehängen dekorierte Uhr zieren die historistische Visitenkarte des Gebäudes. Architekt Georg Frentzen, der hier in einem Mischstil Elemente des Neobarock mit Formen des Jugendstils vereinte, hatte sich dafür das Palais Suermondt an der Theaterstraße sowie die ehemalige Villa Cassalette an der Wilhelmstraße zum Vorbild genommen, in der sich heute das Suermondt-Ludwig-Museum befindet.

Das Gebäude war 1910 als Sitz der Rheinisch-Westfälischen Dis-conto-Gesellschaft AG erbaut worden und beherbergte nach deren Ende für lange Zeit die Dresdner Bank und ab 2010 eine Filiale der Commerzbank. Seit Ende 2011 steht es leer. Ein Zustand, den Hermanns nun nach dem Erwerb der Immobilien ändern will. „Wir können dieses einst prächtige Gebäude an einem der schönsten Plätze deutlich aufwerten“, sagt der Landmarken-Vorstand. „In Zusammenarbeit mit ‚kadawittfeldarchitektur‘ werden wir das unter Denkmalschutz stehende Gebäude sanieren und in seiner alten Pracht wiederherstellen.“

Nebenan werden das ehemalige Elysee-Kino und das Nachbargebäude in der zweiten Jahreshälfte 2016 abgerissen. Ab dem dritten Quartal 2018 will man den Neubau für die Hotelgruppe Motel One – 270 Zimmer mit über 500 Betten auf acht Stockwerken – dem neuen Nutzer übergeben.

Damit dürfte sich das Gesicht des Theaterplatzes nach langem Stillstand extrem wandeln – womöglich zählt er in Kürze zu einer der schönsten Ecken der Stadt.

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