Aachen - Schmucker Dienstwagen und ein gigantischer Kran

Schmucker Dienstwagen und ein gigantischer Kran

Von: Robert Esser
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Schlagkräftige Truppe: Mit dem neuen Kran auf der Feuerwache Nord ist das technische Rüstzeug komplett. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Quälende anderthalb Stunden war die 49-jährige Autofahrerin in ihrem Fahrzeug eingeklemmt. Sturmtief „Norina” hatte im Juli 2010 einen tonnenschweren Baum am Soerser Weg entwurzelt. Und der riesige Stamm hatte das Auto voll getroffen. Bis die Feuerwehrleute sich durch Äste und Gestrüpp zu der Verletzten durchkämpfen konnten, verloren sie wertvolle Zeit.

„Das kann uns so jetzt nicht mehr passieren”, erklärt Feuerwehrchef Jürgen Wolff. Für gut 300.000 Euro hat die Berufsfeuerwehr einen neuen Kran in Dienst gestellt: 36 Tonnen schwer, 400 PS stark - und mit einem 38 Meter langen Kranarm, der Gewichte bis zu 45 Tonnen heben kann. Damit ist das Rüstzeug für technische Einsätze komplett.

Zu diesen technischen Hilfeleistungen - nur in Extremfällen mit Kran - wird die Aachener Feuerwehr mittlerweile mehr als doppelt so oft gerufen wie zu Bränden. Zu 2941 technischen Einsätzen rückte man 2010 aus - 764 mehr als 2009. Auch bei den Brandeinsätzen gab es ein leichtes Plus. 1305 Mal raste die rote Fahrzeugarmada zum Kampf gegen Flammen - im Schnitt also 3,5 Mal pro Tag. Die Gesamtzahl der Einsätze stieg auf 38.189 - das sind täglich fast neun Einsätze mehr als vor zehn Jahren.

Den Löwenanteil machen Krankentransporte (11.584) und Rettungsdienst (22.359) aus. Seit 2006 ist dieser Einsatzbereich rasant gewachsen. „Hauptgrund dafür ist der demographische Wandel mit mehr älteren Bürgern und auch ein größeres Anspruchsdenken. Man ruft den Notarzt heute früher als damals”, sagt Wolff. Allein die Notarztfahrten sind seit 2000 von 5880 auf 7265 gewachsen - 24 Prozent mehr.

Auch deswegen wird das bundesweite Pilotprojekt „Med-on-@ix” jetzt von Aachen aus fortgeführt. Alles dreht sich um Telematik. Dahinter steckt die Kombination aus Telekommunikation und Informatik. Von der Einsatzstelle und aus dem Notarztwagen werden Daten, Messwerte und Live-Bilder direkt an eine Telenotarzt-Zentrale übertragen. Ein erfahrener Notarzt in der Zentrale, die gerade in der Wache Nord an der Mathieustraße ausgebaut wird, beurteilt Lage und Werte. „Dieses System wird vor allem im ländlichen Raum helfen, die Personalnot bei Notärzten aufzufangen”, sagt Wolff. Das Nachfolgeprojekt heißt „Temras”. Zu dem Aachener Telematik-Rettungswagen stoßen drei weitere. Sie werden in Köln, Heinsberg und Euskirchen in der Praxis erprobt. Zwei Millionen Euro sind für drei Jahre veranschlagt.

Deutlich preiswerter sind die jüngsten Anschaffungen der Aachener Feuerwehr. Der neue Kran ist ein alter. Das Fahrzeug wurde sechs Jahre von einer Werksfeuerwehr genutzt, kam aber kaum zum Einsatz. „Wir haben den Kran komplett überholen lassen. Er ist jetzt neuwertig”, sagt der Sachgebietsleiter Beschaffung, Uwe Weiß. „Der Neukauf hätte mehr als eine Million Euro gekostet”, fügt der Abteilungsleiter Technik, Michael Huppertz, hinzu.

Nicht nur bei entwurzelten Bäumen, auch bei Lkw-Unfällen oder havarierten Zügen der Deutschen Bahn kommt das riesige Fahrzeug mit der 18-Tonnen-Winde zum Einsatz. Es ersetzt den kleineren Kranwagen, der im vergangenen Sommer bei einer Dienstfahrt umgekippt war. Für den Totalschaden springt die Versicherung ein, für neue Fahrzeuge die Stadt.

90 Einsatzfahrzeuge stehen in Diensten der 319 Berufsfeuerwehrleute, die von rund 360 Kräften der Freiwilligen Feuerwehren unterstützt werden. Weitere 90 Spezialfahrzeuge von Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Freiwilliger Feuerwehr werden ebenfalls auf der Wache gewartet. Darunter ist neuerdings auch ein knallroter Audi Q5. Das schmucke Allradfahrzeug ist der Einsatzleitung und der Führungsspitze vorbehalten. In der Regel kostet die Feuerwehr-Version deutlich mehr als 40.000 Euro - nicht nur wegen moderner LED-Blaulichter auf dem Dach. Die Stadt betont, dass man ein günstiges Angebot erhalten habe - und der neue Q5 damit nicht teurer als die alte BMW-Limousine sei.

Denn auch die Feuerwehr muss angesichts der klammen Haushaltslage sparen. So wurde die für 2012 geplante Anschaffung von weiteren fünf Feuerwehrautos auf kommende Jahre verschoben. „Aber wir sind jetzt gut aufgestellt”, resümiert Wolff.

Das will man den Aachener Bürgern nicht nur im Notfall zeigen. Am 2. Juli präsentiert sich die komplette Truppe zu ihrem 175-jährigen Jubiläum beim „Tag der Feuerwehr” mit einem großen Volksfest in der Innenstadt.
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