Aachen - Schmierereien und Pöbeleien gegen Theaterleiterin

Schmierereien und Pöbeleien gegen Theaterleiterin

Von: Matthias Hinrichs
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Drei Männer, drei Geschichten – und eine äußerst unappetitliche „Rahmenhandlung“: Wegen ihrer Inszenierung „In aller Herrlichkeit“ sind das Theater 99 und dessen Autorin Jutta Kröhnert mit Schmierereien und Beleidigungen verunglimpft worden. Der finanzielle Schaden ist beträchtlich. Die Kripo ermittelt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Jutta Kröhnert lässt sich nicht unterkriegen. Jetzt erst recht nicht, sagt die engagierte Künstlerin und Vorsitzende der renommierten, aber finanziell seit Jahr und Tag heftig angeschlagenen Aachener Kultur- und Theaterinitiative Akut.

Ausgerechnet die jüngste, mit enormem Aufwand realisierte Eigenproduktion „In aller Herrlichkeit“, die am 6. September auf der hauseigenen Bühne, dem Theater 99 am Gasborn Premiere feierte, hat nun nämlich einen „Kritiker“ aus der Abteilung allerunterste Schublade auf den Plan gerufen. Kröhnert hat inzwischen Anzeige gegen Unbekannt wegen übelster Beleidigung und Sachbeschädigung erstattet.

Offenbar sei sie mit ihrem selbst verfassten Stück einem „maskulinistischen“ Moralapostel derart heftig „auf die Füße getreten“, dass der sie – anonym, versteht sich – unter anderem per Internet und über die Mailbox des Theaters mit heftigsten Verunglimpfungen weit unter der Gürtellinie traktiert habe, berichtet die Theaterleiterin. „Bereits in der Nacht auf den Premierentag ist das komplette Schaufenster des Theaters mit Lackfarbe und extremen Verbalattacken auf meine Person verunstaltet worden“, erzählt sie. „Jetzt hat der Mensch nahezu alle Plakate, die wir dank eines Sponsors haben aufhängen können, mit widerlichen Parolen beschmiert.“ Dass es sich um einen Vertreter des vermeintlich starken Geschlechts und einen Einzeltäter handelt, davon ist sie überzeugt.

Die Kripo ermittelt auf Hochtouren, erklärte Polizeisprecher Paul Kemen am Montag. Eine heiße Spur gebe es allerdings noch nicht. Der Schaden freilich ist in jeder Hinsicht fatal: „Wir müssen nun überlegen, ob und wie wir weitere Werbung für die Inszenierung überhaupt finanzieren können“, ärgert sich Kröhnert. Dabei komme ihr Stück – ganz im Gegensatz zu den massiven Attacken gegen sie selbst – „absolut familientauglich“ und mit einem Augenzwinkern daher. Die „holde Männlichkeit“ werde in Gestalt der jovial monologisierenden Helden Odysseus, Orpheus und Münchhausen, quasi als theatralische Antwort auf Christine Brückners „Wenn du geredet hättest, Desdemona“, zuweilen allenfalls trefflich durch den Kakao gezogen. „Da der erste Anschlag noch vor der Premiere erfolgt ist, kann der Täter das Stück nicht einmal gekannt haben“, zürnt die Künstlerin.

Vortrag im Kulturausschuss

Und hofft nun auf mehr als verbale Solidaritätsbekundungen nicht zuletzt seitens der Politik. Gelegenheit dazu gäbe es bereits kommenden Donnerstag im Kulturausschuss (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße). Das Ratsgremium hat Jutta Kröhnert eingeladen, über die aktuelle Situation der Kultur- und Theaterinitiative zu berichten.

Bereits im Frühjahr nämlich hatte sie sich mit einer Art Brandbrief an die städtischen Kulturhüter gewandt. Tenor: Finan-ziell stehe der Initiative, die derzeit 15.000 Euro aus städtischen Fördermitteln erhält, das Wasser längst bis zum Hals. Die Politiker hatten weitergehende Unterstützung für die „freien“ Kultureinrichtungen im Allgemeinen und Akut im Besonderen bereits seinerzeit in Aussicht gestellt. Jutta Kröhnert wird viel zu erzählen haben – anders als einst Desdemona.

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