Aachen - Schmaler Schlitz bringt Sief und Co. schnelleres Internet

Schmaler Schlitz bringt Sief und Co. schnelleres Internet

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
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Ein Pressegespräch wird kurzerhand zur Bürgerinfo: Der Breitbandausbau im Aachener Süden bewegt die Bürger. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Von lahmen Internetverbindungen können die Menschen in Sief, Schmithof, Friesenrath und Hahn seit Jahren ein Liedchen singen. Und das haben sie auch. Immer wieder. Im Sommer 2016 wurde das Klagelied Politik und Verwaltung sogar schwarz auf weiß mit 300 Unterschriften vorgelegt. Die Forderung lautete: ein zeitgemäßer Breitbandanschluss auch für die entlegenen Ortschaften im Aachener Süden.

Nun mag das Internet Anfang 2017 in Sief, Schmithof, Friesenrath und Hahn (noch immer) lahmen, die klassischen Kommunikationswege tun es nicht. Schnell hatte nämlich die Runde gemacht, dass die Stadt und der regionale Telekommunikationsanbieter Net-Aachen zu einem Pressegespräch ins Pfarrheim nach Schmithof eingeladen hatten.

Kurzerhand strömten dann am Montah auch gut 70 neugierige Bürgerinnen und Bürger dorthin, um aus erster Hand zu erfahren, wann der Anschluss an die Datenautobahn endlich hergestellt wird. Über den Ansturm staunte Oberbürgermeister Marcel Philipp nicht schlecht, der aber ebenso wie NetAachen-Geschäftsführer Andreas Schneider die Gunst der Stunde kurzerhand nutzte, um die Bürger so gut wie möglich zu informieren.

Denn das neue Jahr bringt gute Nachrichten für die mehr als 1300 Haushalte und 50 Gewerbebetriebe der vier Ortschaften. Sie sollen bis zum Jahresende ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Das Besondere: Bisher schauten vor allem die abgelegenen Gebiete in Sachen flottes Internet häufig in die Röhre. Für Anbieter wie Net-Aachen war eine Erschließung bisher schlichtweg „wirtschaftlich nicht abbildbar“.

Nun können sich die Menschen aber doch auf Surfgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit pro Sekunde freuen. Dafür kommt ein neues Verfahren zum Einsatz, das sich im Pilotprojekt „Grüne Eiche“ im Frühjahr 2016 bewährt hat. Es handelt sich um das sogenannte Mini-Trenching. Dabei wird ein gerade einmal zehn Zentimeter breiter und circa 40 Zentimeter tiefer Schlitz in den Asphalt gefräst.

Darin wird letztlich das Glasfaserkabel verlegt und der Schlitz wieder mit Flüssigboden gefüllt. Kostet ein „klassischer“ Meter Tiefbau etwa 120 Euro, sind die Kosten beim Mini-Trenching nur halb so hoch – und der Ausbau geht deutlich schneller vonstatten. Die Fräsmaschine schafft täglich eine Strecke von bis zu 800 Metern. „Für ein vergleichbares Pensum würden wir in konventioneller Bauweise bis zu sechs Wochen benötigen“, erklärte Michael Gayer, Technischer Leiter von NetAachen.

Damit einer der letzten größeren weißen Flecken in Sachen Highspeed-Internet in Aachen verschwindet, werden 18 Kilometer Glasfaserkabel verlegt. Dafür nimmt NetAachen etwa eine halbe Million Euro in die Hand.

Soweit die guten Nachrichten. Viele Bewohner hatten trotzdem viele Nachfragen, vor allem zur sogenannten „letzten Meile“. Denn NetAachen bringt die Infrastruktur „nur“ bis zu den Verteilerkästen an den Ortsstraßen auf den neuesten Stand. Die Hausanschlusskabel dahinter liegen in Verantwortung der Telekom – und sind aus Kupfer. „Sie bauen also eine vierspurige Autobahn und müssen die letzten Meter auf einem Feldweg zurücklegen?“, fragte ein Bürger.

Gewissermaßen schon, bestätigten die Experten. Trotzdem werde die „letzte Meile“ durch den Ausbau mit Glasfaserkabel erheblich kürzer und die Surfgeschwindigkeit spürbar besser, auch durch den Einsatz der sogenannten Vectoring-Technik – einer Art Turbo für die Kupferleitung. Zudem habe man keinen direkten Einfluss auf das Großunternehmen Telekom.

Gerade deswegen betonte OB Philipp: „Wir als Stadt sind froh, dass wir einen regionalen Telekommunikationspartner haben, mit dem wir vor Ort und nah an den Bedürfnissen der Menschen den Breitbandausbau vorantreiben können.“ Dem schloss sich sogleich ein Bürger an, der die NetAachen-Ausbauinitiative ausdrücklich lobte, bis der ganze Saal applaudierte. Es war eben ein ungewöhnlicher Tag mit einem ungewöhnlichen „Pressegespräch“ für die Orte Sief, Schmithof, Friesenrath und Hahn. Einer, über den sie in Zukunft eventuell noch ein Liedchen singen werden.

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