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„Schlüsselloch“ ist Startplattform für Nachwuchsmusiker

Von: Julia Gröbbels
Letzte Aktualisierung:
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Bietet jungen Bands genauso eine Plattform wie den etablierten Formationen: Gastronom Herbert Senden in seinem „Schlüsselloch“.

Aachen. Jedem, der das „Schlüsselloch“ am Boxgraben betritt, springt beim ersten Blick in die Rockkneipe ein Stück Aachener Musikgeschichte ins Auge. Zahlreiche mit Unterschriften von Musikern versehene Becken hängen von den Decken, die unterschiedlichsten Gitarren stehen in den Fenstern, und Poster von vergangenen „Gigs“ aus den letzten drei Jahrzehnten schmücken Raum und Decke.

„Bei mir haben Öcher Musiklegenden wie Jupp Ebert und der diesjährige Thouet- Mundart-Preisträger Dieter Kaspari zum ersten Mal Bühnenluft geschnuppert“, sagt Herbert Senden, Inhaber des Schlüssellochs und Organisator der Aachener Rocknacht im Saalbau Rothe-Erde, stolz.

„Das Schlüsselloch gibt es seit 33 Jahren und ebenso lange wird hier auch schon Musik gemacht“, so Senden. Schallgedämmte Wände ermöglichen sogar Bands mit Schlagzeug ein standesgemäßes „Abrocken“ ohne eine Lärmbelästigung der Nachbarn. Allein das Rauchverbot wirke eher „kulturhemmend“, gibt Senden zu bedenken.

Obwohl das Schlüsselloch am Boxgraben 51 als „Rockkneipe“ bekannt ist, möchte Senden sich keineswegs auf eine Musikrichtung festlegen. Auch in Bezug auf die Auswahl der Bands ist er im positivsten Sinn des Wortes eigen. „Ich buche die Bands nur auf Empfehlung von Freunden und Bekannten. Demos höre ich mir prinzipiell nicht an, weil ich das für unlauteren Wettbewerb halte“, sagt er. Senden möchte auch Bands, die sich keine qualitativ hervorragenden Aufnahmen in einem Tonstudio leisten können – wie es bei zahlreichen Schülerbands der Fall ist − eine Chance geben ihr Talent unter Beweis zu stellen. „Bei diesem Vorgehen bin ich seit 33 Jahren nicht ein Mal reingefallen. Musikalisch hatten die Künstler die zu mir kamen immer einiges auf dem Kasten“, so Senden.

Eine Band oder einen Musiker live zu hören sei ohnehin nicht mit einer Studioaufnahme zu vergleichen. Senden selbst ist vor 50 Jahren im „Carlton Live Musik Club“ in der Elisabethstraße auf den Geschmack gekommen. Als er dann das Schlüsselloch eröffnete, sei das keine leichte Zeit für Live-Musiker gewesen, weil die künstlichen Klänge der „Konserven-Musik“ auf dem Vormarsch waren. „Die Konkurrenz unter den Musikern war damals weitaus größer als heute“, sagt er. Doch auch heute sei die Situation für Nachwuchsmusiker, die versuchen einen Plattenvertrag zu bekommen nicht immer leicht. „Irgendwo müssen sie ja anfangen – und das können sie hier bei mir“, so Senden.

Mit dieser Herangehensweise verbindet sich ein seit Jahrzehnten nicht abreißender Erfolg, der darin besteht, dass unterschiedliche Bands, die teilweise aus fernen Ländern wie Chile anreisen, es verstehen, Jung und Alt gleichermaßen zu begeistern. So entsteht ein Austausch zwischen den Generationen und verschiedensten Berufsgruppen der unter anderen Bedingungen wohl kaum stattfinden würde. Und so muss man dem viel gebrauchten Ausdruck „Musik verbindet“ gerade in Bezug auf das Schlüsselloch ein weiteres Mal zustimmen.

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