Aachen - Schlimmer ist nur die Angst: Oskar und die Dame in Rosa im Das Da

Schlimmer ist nur die Angst: Oskar und die Dame in Rosa im Das Da

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Erstmals im Das Da Theater auf der Bühne: Die Berliner Schauspielerin Susann Toni Wagner spielt die „Dame in Rosa“. Foto: Achim Bieler

Aachen. Die Dame in Rosa hat weder einen rosa Kittel an, noch steht sie am Krankenhausbett. Stattdessen trägt sie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Entre toi et moi“ („Zwischen dir und mir“) und singt von Liebe, Freude und guter Laune.

Zwischen Umzugskartons in einer halb leer geräumten Altbauwohnung (Bühnenbild Frank Rommerskirchen) verabschiedet sie die letzten Gäste einer Party, um am nächsten Morgen in eine andere Stadt zu ziehen. Und zwischen den letzten Büchern und Kerzenständern, die noch auszuräumen sind, findet sie die alten Briefe, die Oskar, ein krebskranker zehnjähriger Junge, vor einigen Jahren an Gott geschrieben hat.

Die Frau, die bis zu diesem Moment noch so beschwingt durch ihr Zimmer tanzte, hält inne, die hellblauen Briefumschläge in der einen Hand, das Glas Wein in der anderen. Sie zögert, wägt ab, um dann schließlich die Musik auszuschalten und sich diesen Briefen zu widmen. Vorsichtig zieht sie ein Blatt aus dem Umschlag, setzt sich, beginnt mit leiser Stimme zu lesen. Stück für Stück taucht sie in die Vergangenheit ein, erinnert sich an ihre Zeit mit Oskar, als sie ehrenamtlich im Krankenhaus gearbeitet hat und eine enge Beziehung zu ihm hatte.

Irgendwann legt sie den Brief zur Seite und die Begegnungen zwischen ihr und Oskar werden lebendig. Im Probenausschnitt, der schon vor der Premiere einen Einblick in die Inszenierung gewährt, überzeugt die Berliner Schauspielerin Susann Toni Wagner. Mit großer Leichtigkeit reichen ihr wenige Gesten und Haltungen, um zwischen Oskar und der Dame in Rosa zu wechseln. Dabei vertraut Regisseurin Maren Dupont auf die Bildkraft der Worte und die große Bühnenpräsenz ihrer Darstellerin, die mit wachen Augen die unterschiedlichen Figuren der Geschichte sensibel und präzise voneinander absetzt.

Das Stück „Oskar und die Dame in Rosa“ von Éric-Emmanuel Schmitt, der zu den erfolgreichsten Gegenwartsautoren gehört, erzählt auf eindringliche und einfühlsame Weise die Geschichte eines unheilbar erkrankten Jungen, dem es mit Hilfe der geheimnisvollen Dame in Rosa möglich wird, den Begrenztheiten des Lebens zu trotzen. „Eierkopf“ nennen ihn die anderen Kinder im Krankenhaus.

Doch das ist nur ein Spitzname und tut nicht weiter weh. Schlimmer ist für Oskar, dass der Arzt und seine Eltern Angst haben, mit ihm darüber zu reden, dass weder Chemotherapie noch Knochenmarktransplantation sein Leben retten können. Nur die Dame in Rosa hat den Mut, mit ihm über seine Fragen nachzudenken. Sie bringt Oskar dazu, sich jeden Tag wie zehn Jahre seines Lebens vorzustellen.

Auf diese Weise durchlebt er ein ganzes Menschenleben: Pubertät, erste Liebe, Eifersucht, Midlife-Crisis bis er mit 110 Jahren zu müde ist, um noch älter zu werden. Eine bewegende Geschichte, die ergreifend, traurig, sehr komisch und voller Lebensweisheit und Lebensmut im Angesicht des Todes ist.

Als „Tante Rosa“ ist Susann Toni Wagner im Das DA Theater nun zum ersten Mal in Aachen auf der Bühne zu sehen. Sie war nach ihrer Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin an zahlreichen Theatern engagiert, unter anderem am Maxim Gorki Theater Berlin, am Landestheater Detmold und an der Volksbühne Berlin. Fernsehzuschauern ist sie aus Serien wie SOKO Wismar und Weissensee bekannt.

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