Schlendern, schauen, Schwätzchen halten: Handwerkermarkt in Aachen

Von: Christoph Classen
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Auch ohne Bauchpinsel fühlt er sich auf dem Europamarkt der Kunsthandwerker wohl: Karl Dommel ist Dauergast. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Es gibt nicht viele Menschen auf der Welt, die so viel über Pinsel wissen wie Karl Dommel. In einer kleinen Holzbude auf dem Katschhof ist er anzutreffen. Sein Stand ist einer von den rund 300, die am Wochenende die Innenstadt in den Europamarkt der Kunsthandwerker verwandelten.

Karl Dommel steht also in seiner kleinen Holzbude hinter dem beeindruckenden Sortiment und sagt Sätze wie: „Das Marderhaar ist der Mercedes unter den Pinseln.”

Was sich auch am Preis bemerkbar macht. Ein mit Rotmarderhaar-Borsten bestückter Pinsel kostet 250 Euro. Der einfache Schulmalpinsel ist dagegen mit Schweineborsten bestückt. Generell kann der selbständige Pinselmachermeister Karl Dommel bei der Produktion nahezu die gesamte Artenvielfalt ausschöpfen. „Ziegen-, Hunde-, Pony-, Eichhörnchen- und Rinderohrhaar”, zählt Dommel auf. An seinem Stand gibt es Rasierpinsel genau wie Kosmetikpinsel. Künstler interessieren sich natürlich eher für Schrägstrichzieher und Linienpinsel. Und Christa Thoben möchte von Karl Dommel wissen, wofür den eigentlich ein Bauchpinsel zu gebrauchen ist. Den hat er nämlich auch im Angebot.

Ministerin schaut Hüte

Thoben, nordrheinwestfälische Wirtschaftsministerin, lässt sich von Handwerkskammerpräsident Dieter Philipp, Handwerkskammerhauptgeschäftsführer Ralf W. Barkey und Wolfgang Kohl, der den Markt organisiert hat, über selbigen führen. Die Ministerin im grünen Blazer dreht an handgeschnitzten Salz- und Pfefferstreuern, schaut sich Hüte, Grabsteine und Grillgeräte an. Sie plaudert mit deren Herstellern, schüttelt Hände und wünscht „gute Geschäfte” und „viel Erfolg.” Dem von den anderen Besuchern vorgegeben Tempo hat sich die Delegation schnell angepasst. Schlendern, schauen, Schwätzchen halten: Das macht die Atmosphäre auf dem Handwerkermarkt aus.

Der setzt wieder auf Bewährtes. 90 Prozent der Händler sind Stammgäste, auch weil die Umsätze stimmen. Bei Pinselmachermeister Dommel, der seit zehn Jahren nach Aachen kommt, ist es jedenfalls so. „Das ist einer meiner besten Märkte”, sagt er. Auch die Standorte der Stände verändern sich von Jahr zu Jahr kaum. Vielleicht ist die Kontinuität das Erfolgsrezept der Veranstaltung, bei der - auch wenn es nicht immer so aussieht - regelmäßig rund 200.000 Besucher gezählt werden. Insofern ist verständlich, warum bei der 33. Auflage des Handwerkermarktes keine Überraschungen zu erwarten waren.

Die Bauchpinsel von Karl Dommel bilden da eine Ausnahme. Und als Christa Thoben vor seinem Stand steht, lässt sie sich deren Funktion erklären. „Ein Verwöhnpinsel”, sagt Dommel, „wird auch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt.” Denn wenn der Pinsel über Bauch oder Rücken geführt wird, sei das ziemlich entspannend. Dommel scheint ihn nicht nötig zu haben. Der Mann, dessen mittelfränkische Heimat die Stimme gefärbt hat, ist die Ruhe selbst. Seit über 30 Jahren fertigt er seine Produkte, das Handwerk hat er in seiner Heimatstadt Bechhofen erlernt. Die Berufsschule dort, ist die einzige in Deutschland, an der noch Pinselmachermeister ausgebildet werden. Für den Eigenbedarf produziert er recht Bescheiden. Dommel sagt: „Ich brauche Pinsel nur zum Fenster streichen.”

Trotz Baustelle: Design in der Annastraße

Die Kreativität beschränkte sich am Wochenende nicht allein auf den Handwerkermarkt. In der von einer Großbaustelle in Mitleidenschaft gezogenen Annastraße hielten die ansässigen Geschäftsleute ein umfangreiches Mitmachangebot parat: Vom „Drucke machen” über „Filz machen” bis hin zum „Nudeln machen”.

Die „Designmetropole Aachen”, eine Initiative junger Designer, präsentierte ebenfalls ihr Potenzial. Innovativ gestaltete Taschen, Möbel und Lichtobjekte gab es zu sehen.
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