Schlecker-Überfall: „Der Typ da sticht zu, ohne ein Wort zu sagen”

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Die 39-jährige Verkäuferin schleuderte es dem wegen versuchten Mordes angeklagten Aimen D. (29) ins Gesicht: „Mein Blut musste ich wegen dem hergeben? Literweise ist es an mir heruntergelaufen. Ich hätte ihm das Geld gegeben. Aber er hat sofort zugestochen!”

Durch eine Notoperation überlebte das Opfer den brutalen Überfall auf den Schlecker-Markt in der Burtscheider Kapellenstraße vom 23. September vergangenen Jahres.

„Er hielt das Messer zum Angriff hoch. Ja, ich erkenne ihn wieder. Er hatte damals ein rundes Käppi auf”, erklärte die Frau Richter Gerd Nohl, dem Vorsitzenden der Aachener Schwurgerichtskammer. Seit dem Überfall traue sie sich nur noch in Begleitung auf die Straße, ist in psychologischer Behandlung.

Um so mutiger ihr Auftritt vor Gericht: „Der Typ da sticht zu, ohne ein Wort zu sagen, dass das ein Überfall ist!” Die Verkäuferin schleppte sich ins Ladeninnere, rief per Handy selbst den Notarzt und ihren Ehemann an.

Aimen D. starrte während der Aussage des Opfers vor sich hin. Er war an jenem Morgen mit einem Freund von Brüssel nach Aachen gefahren. Der Freund habe seine Familie besuchen wollen, erklärte der Angeklagte. Danach wollten beide weiter nach Maastricht, um günstig Drogen einzukaufen. Der Angeklagte fuhr mit, weil er die Zeit „für Klauen und Geldbeschaffung” nutzen wollte, wie er dem Gericht erklärte. Er habe bereits Krämpfe wegen Alkohol- und Drogenentzugs gehabt, beteuerte er.

Das hinderte beide nicht daran, in Lüttich einen BMW zu klauen, weil der klapprige Alfa des Angeklagten zu auffällig gewesen sei. Den BMW stellte man in der Alexanderstraße ab, Aimen D. trieb sich dann in der Burtscheider Fußgängerzone herum. Einige Diebstahlversuche misslangen, dann kam er schon vor der Tatzeit zu dem Schlecker-Markt. Zunächst durchsuchte der notorische Dieb, der einschlägig vorbestraft ist, die Personalräume nach Portemonnaies, wurde aber nicht fündig.

Dann entschloss er sich zur Tat. Dazu ging der 29-Jährige zunächst gegenüber in die Filiale eines Kaisers-Marktes. Neben Whisky wollte er dort ein Fleischermesser klauen, den Whisky bezahlte er aber notgedrungen, dazu kam Kaffee und Dattelbrot für insgesamt 26 Euro.

Er landete schließlich im Keller des Schlecker-Marktes. Dort richtete er sich erst einmal ein, rauchte, nahm sich Kekse und Orangensaft. Dann nahm die Tat, die die Angestellte beinahe das Leben kostete, ihren grausamen Lauf. Die Frau hatte sogar den süßlichen Kiffergeruch bemerkt, dachte jedoch, der käme von draußen.

Vor Gericht beteuerte der Angeklagte, er habe der Verkäuferin mit dem Messer „nur Angst machen wollen”. Das Opfer habe aber geschrien, da habe er eben zugestochen. Auf der Flucht wurde er beinahe von einer sportlichen Zeugin zur Strecke gebracht. Sie stellte dem Flüchtenden ein Bein, er strauchelte. Als Ablenkung für die Verfolger schmiss er Münzrollen auf die Straße, und letztlich gelang ihm die Flucht. In Maastricht dann kauften die Brüsseler „Gäste” Kokain.

Der Prozess wird Freitag fortgesetzt.
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