Schlecker-Filialen sind keine Ladenhüter

Von: tka
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Sieben Ladenlokale haben die Vergangenheit hinter sich gelassen: Jenes in der Oppenhoffallee ist noch ohne neuen Mieter. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Erinnerungen an die Drogeriemarkt-Kette Schlecker verblassen – an der Heerlener Straße erzählt ein Schild im Fenster, dass die große Kette hier Montag bis Samstag um 8.30 Uhr die Glastüren öffnete. Damals, bevor der Konzern im Januar 2012 Insolvenz anmeldete.

Das Schlecker-Aus hat überall in Deutschland Spuren hinterlassen. Nicht nur in der Heerlener Straße oder am Steinkaulplatz in Kornelimünster. Und doch sind diese beiden ehemaligen Schleckeradressen die einzigen der neun, die in Aachen zuerst geschlossen wurden, die keine neuen Mieter gefunden haben. So viel ist klar: Einstige Schleckerfilialen sind keine Ladenhüter.

Wie unterschiedlich die Nutzungen doch sind: Während am Adalbertsteinweg ein Matratzenhandel öffnete, wird auf dem Kronenberg Fußbodentechnik geboten. An der Roermonder Straße wird beim „Calory-Coach“ abgespeckt, im „Lux-Center“ an der Trierer Straße werden russische Lebensmittel – nicht nur Salami – serviert. Die Kapellenstraße in Burtscheid – das Ladenlokal liegt mitten in der Fußgängerzone – hat die Modekette „NKD“ angezogen, an der Peterstraße (gegenüber Bushof) hat die niederländische Kette „Albert Heijn to go“ ihre erste Filiale in Deutschland eröffnet – neben einer weiteren in Essen.

Mittlerweile gibt es noch zwei in Düsseldorf. Hier werden portionierte Lebensmittel für den schnellen Hunger verkauft – „Convinience Food“ nennt das „Albert Heijn“. Etwas einfacher formuliert es der Schlecker-Nachfolger an der Jülicher Straße. „Getränke, Süßigkeiten, Lebensmittel, Tabakwaren“ kündigt das Schild des „Getränkemarkt Prost“ an. Die Zukunft hat auch hier längst begonnen.

Rückblick: Das Aus für Schlecker war ein Schock. Bundesweit verloren 23.500 Mitarbeiter ihren Job. Allein in Aachen wurden in 16 Filialen rund 50 gezählt. Die Idee einzelner Beschäftigter, aus den Filialen Tante-Emma-Läden zu machen, und so um die Gunst der alten Stammkunden zu werben, war selten erfolgreich. Auch der Versuch eines österreichischen Investors, ehemalige Schlecker-Filialen mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens wiederzubeleben, scheiterte.

Rudolf Haberleitner musste in seiner Heimat das Aus für seinen Schlecker-Nachfolger „Dayli“ verkünden. Er wollte in ganz Europa Tausende Schlecker-Geschäfte wiederbeleben und neue eröffnen. Allein in Deutschland und Österreich sollten in einem ersten Schritt 1300 Geschäfte entstehen. Der für den Sommer geplante Deutschland-Start wurde immer wieder verschoben, Gewerkschaften wie Konkurrenten blieben sehr skeptisch. Zurecht, wie sich nun herausstellt.

Offen bleibt die Zukunft

Offen bleibt die Zukunft vieler ehemaliger Beschäftigter: Im März, ein Jahr nach der Insolvenz der Drogeriemarktkette hatten viele frühere Angestellte nach Gewerkschaftsangaben noch immer keine Perspektive. Die Lage sei noch bedrückender, als es die offiziellen Zahlen vermuten ließen, stellte die Gewerkschaft Verdi fest. Nach einer Aufstellung der Bundesagentur für Arbeit konnten rund 10.700 der 23.500 gekündigten Schlecker-Beschäftigten wieder vermittelt werden.

Bei der Agentur für Arbeit Aachen-Düren hatten sich 263 frühere Schlecker-Mitarbeiterinnen arbeitslos gemeldet. Ende Januar waren es noch 92. Ihre Erinnerungen bleiben, auch wenn die an vielen Filialen – etwa auch in der Oppenhoffallee – weiter verblassen. Auch hier wird ein neuer Mieter gesucht.

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