Schlagwort Integration erhält hier Seele und Sinn

Von: krü
Letzte Aktualisierung:
12866421.jpg
Öcher Attraktionen hinterm Objektiv: Mit Fotograf Andreas Schmitter machten die Workshop-Teilnehmer eine Tour zum Bend. Foto: Nina Krüsmann

Aachen. „Soul“, „Spirit“ und „Sense“ – Seele, Geist und Sinn, dieser Dreiklang steht in Aachen für ein absolutes Erfolgsprojekt. Seit vier Jahren veranstaltet die Volkshochschule (VHS) in den letzten drei Wochen der Sommerferien ein Kursprogramm für unbegleitete minderjährig Flüchtlinge.

Ein Großteil der Teilnehmenden im Alter zwischen 14 und 18 Jahren kommt aus aus Syrien, Eritrea, dem Iran, Irak und Afghanistan. Vormittags lernen die mehr als 100 Aktiven aus 17 Nationen in Kleingruppen Deutsch. „Aber das ist nur ein Teil des Projekts. Wir haben uns kreativ betätigt und sind vor allem integriert worden“, bringt es Teilnehmerin Rawshan Tamo auf den Punkt. Das große Zauberwort „Integration“ werde nämlich innerhalb von „Sense of the suburbs“, wie das Projekt genau heißt, lebendig, und dies geschehe ganz nebenbei.

Fotografie, Nähen, Musik und Tanz zählen zu den kreativen Kursen am Nachmittag, bei denen die jungen Leute ihre Talente entdecken und ihre Fähigkeiten vertiefen können. Dabei lernen sie vor allem auch einander kennen, was einfach gut tut. Viele sind ganz allein geflohen, haben sehr schwere Zeiten hinter sich. Da hilft es, Gleichaltrige mit einem ähnlichen Schicksal zu treffen. „Und wir haben viele Leute in Aachen kennengelernt, die uns angesprochen haben, gefragt haben, wo wir herkommen“, erzählt Rawshan Tamo, die an einem Fotokurs mit Andreas Schmitter, seines Zeichens auch häufig unterwegs für den Zeitungsverlag, teilgenommen hat. Während der drei Wochen gab es natürlich auch Theorie-Einheiten und Bildbearbeitung im Kursraum. „Aber vor allem unsere Besuche im Rathaus, im Tierpark und der Bummel über den Bend haben meine neun Teilnehmer begeistert für ihre neue Heimat. Sie sind im Laufe der Zeit ein Team geworden, kümmern sich auch über den Kurs hinaus um einander“, erklärt Schmitter.

Pelagie Soulama aus Burkina Faso ist erst für kurze Zeit in Aachen, spricht kaum Deutsch. Aber über die Fotografie hat sie nun schon neue Bekanntschaften geschlossen. Denn ein Bild sagt bekanntlich oft mehr als 1000 Worte.

Zum Abschluss des Projekts, das über den Deutschen Volkshochschul-Verband aus dem Programm „talentcampus – Kultur macht stark“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert wird, präsentierten die jungen Fotografen wie die anderen Gruppen auch ihre Ergebnisse.

Die Fotografien bleiben den Jugendlichen als dauerhafte Erinnerung an die gemeinsame Ferienzeit. Und sie wurden am Abschlusstag im Forum der VHS präsentiert, ebenso wie die tollen Tanzdarbietungen. Für stimmungsvolle folkloristische Musik sorgte bei der Präsentation im Forum die Gruppe von Damian Rojkowski. Auch Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer schaut vorbei, um sich vom Erfolg des Projekts zu überzeugen. „So vielfältig die Lern- und Lebensgeschichte der Teilnehmenden, ihre individuellen Interessen, ihr momentaner Kenntnisstand und ihre Herkunft, so vielfältig waren auch die Kursangebote“, erklärt Organisatorin Izabella Lesczynski-Grottker. Integraler Bestandteil des tagesstrukturierenden Angebots sei zudem das tägliche gemeinsame Mittagessen gewesen. Nachmittags hatten die Jugendlichen dann auch Gelegenheit, sich sportlich auszutoben.

„So viele junge Leute aus 17 Ländern, die mit 25 Dozenten lernen, kreativ sind – und das schon zum dritten Mal. Dieser Erfolg und die große Resonanz waren anfangs unvorstellbar“, ist VHS-Direktorin Dr. Beate Blüggel begeistert. Die Teilnehmenden wurden vorab auf ihre Sprachkenntnisse getestet und dem für sie passenden Deutschkurs zugeteilt. Die Kurse im kreativen Bereich konnten sie nach eigenen Neigungen auswählen. Auch der Graffitikurs von Künstler Senor Schnu konnte tolle Ergebnisse zeigen, und die Teilnehmer vom Nähkurs präsentierten stolz eine Modenschau. Ein fröhliches Miteinander prägte das Bild in der VHS, und die multikulturelle Atmosphäre macht Lust auf eine nächste Auflage der „Suburbs“ 2017. Bis dahin darf man gespannt sein, unter welchem Motto die Reihe fortgesetzt wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert