Aachen - Schlaglöcher: Autofahrer fordern Regress

Schlaglöcher: Autofahrer fordern Regress

Von: Robert Esser
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Neben der Kappe: Abseits der Schlaglochpiste Debyestraße landen die Felgenschoner haufenweise. Im Hintergrund sucht hier ein Autofahrer unter dutzenden Radkappen die eine, die durch heftige Schläge in der Fahrbahn von seinem Fahrzeug gerissen wurde. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es gibt heute Hauptstraßen in Aachen, die müssen den Vergleich mit der Partnerstadt Naumburg nicht scheuen - wohlgemerkt: vor der Wende. Da reiht sich nicht nur Schlagloch an Schlagloch, da schütteln beängstigende Risse und Kraterlandschaften Auto- und Radfahrer durch. Bestenfalls.

„Uns liegen 10 bis 15 Schadensfälle von Autofahrern vor”, erklärt Peter Maier, stellvertretender Leiter des Stadtbetriebs. Die Pkw-Besitzer gaben an, ihre Achse, Frontschürze, Reifen und/oder Felgen seien beim Poltern durch tiefe Schlaglöcher demoliert worden.

„Wir haben diese Fälle an unsere Versicherung weitergeleitet”, sagt Meier. Die Böschung der bis Montag gesperrten Debyestraße in Eilendorf-Süd suchten mehrere Herren nach ihren verlorenen Radkappen ab. Was gar nicht so einfach ist. Weil die individuell verlorene Kappe unter Dutzenden, die dort in den Graben geschleudert wurden, gefunden werden muss. Die Schlaglöcher dort hat der Landesbetrieb indes notdürftig flicken lassen. Denn die Debyestraße (L235) ist eine Landstraße.

Privatfirma flickt mit Heißasphalt

Der Stadtbetrieb jagt unterdessen nicht nur 30 eigene Männer der Reparaturkolonnen, sondern auch eine Privatfirma zu den schlimmsten Asphaltfetzen. „Zum Glück ist es wärmer geworden, wir gießen teils bereits Heißasphalt - was länger als Kaltasphalt hält, trotzdem keine Endlösung ist”, erläutert Maier.

Das Hauptaugenmerk liegt gerade auf dem Innenstadtring, der Eupener, Trierer und Lütticher Straße. Oft sind neben dem uralten Kopfsteinpflaster sogar längst überteerte Straßenbahnschienen zutage getreten. „Es sieht schlimm aus”, sagt auch Polizeisprecherin Sandra Schmitz. „Wir mussten zum Beispiel die Wilhelmstraße zeitweise sperren, weil die Verkehrssicherheit gefährdet war.” Auch ein Riesen-Loch in der Sandkaulstraße rief die Ordnungshüter am Montag auf den Plan.

Sind die Probleme hausgemacht? Dass Aachener Straßen in den vergangenen Jahren nicht genug gepflegt wurden, weil die Mehrheitsfraktionen im Stadtrat zu wenig Geld für den Straßenunterhalt einkalkuliert hätten, bestreitet zumindest der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Roland Jahn (Grüne). „Ich bin sicher, dass auch im aktuellen Etat genug Geld für die Reparaturen zur Verfügung steht”, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. „Wenig zielführend” sei es deshalb, etwa geplante Investitionen in LED-Ampeltechnik in Höhe von fast einer Million Euro angesichts der desolaten Fahrbahnzustände in Frage zu stellen.

Tatsache ist allerdings, dass bereits Mitte der 90er Jahre immer wieder gemahnt worden war: „Was wir heute nicht reparieren, müssen wir später teuer sanieren.” Gleichzeitig verknappte man den finanziellen Spielraum für Straßenreparaturen bis heute. Dies auch, weil vielerorts Generalüberholungen von Straßenzügen geplant wurden - wie am Boxgraben.

Doch die Lütticher Straße ist erst 2013 an der Reihe, und die Brander Marktstraße musste jetzt wegen Schlaglöchern gesperrt werden - obwohl der Umbau erst im Sommer beginnt. Anwalt Dr. Frank Neuß von der Kanzlei Stein & Partner stellt klar: „Trotz angespannter Haushaltslage darf der Autofahrer darauf vertrauen, dass zumindest viel befahrene Straßen keine größeren Schlaglöcher haben.” Aber er warnt vor Leichtsinn. „Das befreit den Autofahrer nicht von seiner Selbstverantwortung, wenn er nicht auf erkennbare Hindernisse achtet und mit unangepasstem Tempo fährt.”

Will sagen: Je größer das Schlagloch, desto eher sollte es der Autofahrer sehen - sonst gibt´s keinen Schadenersatz. Das war in der alten DDR übrigens nicht anders.

Umbau der maroden Lütticher Straße soll erst im Jahr 2013 starten

Beängstigende Schlaglochfelder weist - unter anderem - die Lütticher Straße auf. Unser Bild zeigt den Bereich vor der Einmündung Brüsseler Ring. Die Risse und Krater sind bis zu 25 Zentimeter tief. Nicht mal in Schrittgeschwindigkeit sind sie für Autofahrer gefahrlos zu bewältigen. Die Stadt hat die Erneuerung der Lütticher Straße aber vergangenes Jahr auf 2013 verschoben - 4,3 Millionen Euro soll die Komplettsanierung zwischen Schanz und Brüsseler Ring kosten.

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