Aachen - Schlagerstar Jürgen Drews sagt Prinzengarden-Auftritt ab

Schlagerstar Jürgen Drews sagt Prinzengarden-Auftritt ab

Von: Robert Esser
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Rückzieher: Nach dem gefeierten Auftritt von Jürgen Drews bei der Prinzengarde im Eurogress 2014 musste Kommandant Dirk Trampen jetzt kurzfristig umplanen. Foto: Andreas Steindl
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Rückzieher: Nach dem gefeierten Auftritt von Jürgen Drews bei der Prinzengarde im Eurogress 2014 musste Kommandant Dirk Trampen jetzt kurzfristig umplanen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Dafür kriegt Schlagerstar Jürgen Drews garantiert keinen Orden. Nur wenige Tage bevor der „König von Mallorca“ bei der Prinzengarde der Stadt Aachen als der prominenteste Gast im Aachener Karneval in der „Öcher Fastelovvendshow“ auf der Eurogress-Bühne singen sollte, machte sein Management jetzt einen Rückzieher. Drews kommt am 13. Januar nicht nach Aachen.

Dabei ist die Fastelovvendsschau 2018 – auch dank Drews, der hier im Prinzengarden-Programm 2014 begeistert gefeiert wurde – längst ausverkauft. Die Garde und Kommandant Dirk Trampen sind stinksauer: „Das ist wirklich mehr als eine Unverschämtheit. Offenbar ist das Management zweigleisig gefahren. Es gibt in der Regel eine kurzfristige Ausstiegsklausel in Verträgen mit Prominenten dieses Kalibers: Wenn ein plötzlicher TV-Termin den Liveauftritt woanders terminlich unmöglich macht, kann der Promi sich fürs Fernsehen entscheiden – und die andere Verpflichtung absagen“, erläutert Trampen.

„In unserem Fall sieht die Sache aber etwas anders aus: Obwohl das Drews-Management wusste, dass zum selben Tag eine Einladung in die Live-Fernsehshow ,Schlager Champions – Das große Fest der Besten‘ in Berlin vorlag, hat man den Vertrag mit uns für den Liveauftritt in Aachen unterschrieben. Das ist schon eine Riesen-Sauerei!“, schimpft der Kommandant. Und denkt durchaus über rechtliche Schritte nach.

„Viel wichtiger ist mir aber, dass unser Publikum bei der Prinzengarde einen fantastischen Abend erlebt. Mal eben auf die Schnelle so einen Stargast aus dem Hut zu zaubern – als gleichwertigen Ersatz für Jürgen Drews – ist wirklich ein Problem“, räumt der Prinzengarden-Chef ein. Aber Trampen verfügt über viele Kontakte – nicht nur in den Karneval, sondern eben auch in die Welt der Stars und Sternchen. Quasi über Weihnachten verpflichtete er die „Hermes House Band“.

Deren Tophit „Football‘s Coming Home“ läuft seit Jahren rund um den Globus. Zuletzt war die niederländische Stimmungsband zur Eröffnungsfeier des CHIO in Aachen zu Gast – vor rund 40.000 Zuschauern. Silvester ist sie in der ARD zu sehen – live vor dem Brandenburger Tor. „Ich bin sicher, dass die Band mit ihren Hits, die jeder kennt, auch bei unserer Fastelovvendshow riesig ankommt“, sagt Trampen. Mit der Prinzengarde verfolgt der Kommandant seit Jahren das Konzept, den traditionellen Karneval mit modernen, durchaus prominenten Showacts zu verknüpfen. Ein ziemlich teurer Spaß. Auch wenn man sich offiziell über Gagen in Schweigen hüllt.

Die zehnfache Gage

Es ist ein offenes Geheimnis, dass TV-Stars wie der mittlerweile 72-jährige Jürgen Drews – weil in Deutschland so prominent wie Kanzlerin Angela Merkel – die zehnfache Gage (!) für einen Liveauftritt einfordern wie klassische Karnevalsbands. Nach Medienberichten gibt es Kurzauftritte auf Kölner Sitzungen von „Kasalla“ oder „Cat Ballou“ für 2800 Euro. Die „Räuber“, „Höhner“, „Bläck Fööss“ und „Brings“ sind am Rhein für rund 3000 Euro zu haben.

Bloß: In Köln schaffen die gefragten Bands mehrere Auftritte pro Abend, ein Ausflug über die Autobahn in den Westzipfel nach Aachen kostet mehrere Stunden Zeit – und damit entgangene Gagen in der Karnevalshochburg am Rhein. „Es ist extrem schwierig bis unmöglich, solche karnevalistischen Top-Acts an einem Samstagabend nach Aachen zu lotsen“, erläutert Trampen.

Auch ohne Superstar müssen Vereine in Aachen für ein anspruchsvolles rund vierstündiges Programm zwischen 4500 und 10.000 Euro berappen. Für große Sitzungen im Eurogress vor 1300 Jecken kommt man schnell auf die doppelte Summe – mindestens.

53 Vereine zählt der Festausschuss Aachener Karneval (AAK), etwa 50 Sitzungsprogramme gilt es in der Session 2018 zu füllen. „Die vergangenen Jahre zeigen, welche Probleme – auch finanzieller Natur – dabei auftreten. Wir wollen deswegen langfristig daran arbeiten, besonders populäre Bands für einen ganzen Abend für mehrere Vereine und ihre Sitzungen hintereinander in Aachen zu interessieren – also sogenannte Ringauftritte“, erklärt AAK-Präsident Frank Prömpeler.

So könnten Kurzauftritte auch in der Kaiserstadt wieder erschwinglich werden. Aber noch ist das Zukunftsmusik. In Aachen können vier- und fünfstellige Gagen nicht gegenfinanziert werden – schon gar nicht über Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten. Ohne starke Sponsoren läuft nichts.

„Wir rechnen nach dem Robin-Hood-Prinzip ab“, sagt Uwe Brandt von den 4 Amigos. Deutlich unter 1000 Euro liegen die Spitzenkräfte des Öcher Fastelovvends. Und kriegen deshalb Jahr für Jahr verdientermaßen ihre Orden – natürlich auch von Prinzengarden-Kommandant Dirk Trampen bei der „Öcher Fastelovvendshow 2018“.

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