Schauspielschüler überschreiten die Grenzen

Von: Tim Habicht
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Aachen. Es beginnt alles mit einem großen Sturm. Unter lautem Getöse und Geschreie kentert ein Schiff auf hoher See. Hinter dem Vorhang geht es wild zu.

Auf verschiedenen Sprachen wird durcheinander gerufen und auf Umzugskisten geklopft. Rund eineinhalb Stunden später gleicht sich das Bild. Allerdings stehen die Protagonisten jetzt vor dem Vorhang. Und den Lärm machen nicht sie, sondern die Zuschauerinnen und Zuschauer, die vom Auftritt begeistert sind.

Sichtlich gerührt und begeistert blicken die fünf Frauen und Männer in die Publikumsreihen. Der größte Lohn für jeden Schauspieler. Und hoffentlich erst der Anfang für die fünf Absolventinnen und Absolventen.

Denn nach einer vierjährigen Ausbildung zur Schauspielerin und zum Schauspieler präsentieren Diana Margolina, Belma Turan, Fabio Rocchio, Xenia Wolfgramm und Philip Zeevaert das Gelernte in einer Abschlussarbeit, dem Stück „Der Sturm“ von William Shakespeare.

Das letzte Theaterstück des englischen Dramatikers beginnt eben mit einem Sturm. Antonio, Herzog von Mailand, landet in Folge dessen mit seinem Gefolge auf einer Insel. Auf dieser lebt seit zwölf Jahren Prospero, der Bruder Antonios und ehemals Herzog. Er wurde entmachtet und ausgesetzt.

Die Insel ist inzwischen Prosperos Herrschaftsbereich, der einen Luftgeist, Ariel, und den Autochthonen Caliban unter Kontrolle hat. Seine Tochter Miranda lebt ebenfalls auf der Insel und soll mit dem gestrandeten Herzog verkuppelt werden.

Es ist ein komplexes Stück voller Fantasie, Märchen, Rache und Vergebung. „Hier können die Absolventinnen und Absolventen ihr ganzes schauspielerisches Können zeigen“, sagt Hanfried Schüttler, der Regisseur. Eine große Besonderheit und Herausforderung ist allerdings, dass alle Schauspielerinnen und Schauspieler in mindestens zwei verschiedene Rollen während des Stückes schlüpfen.

Zu fünft werden elf Rollen dargestellt. Oft liegen nur wenige Sekunden hinter dem Vorhang zwischen der einen und der anderen Rolle. „Das führt jeden Schauspieler an seine Grenzen und ist bewusst von uns so gewählt worden. Dabei ist es natürlich das Schönste für einen Schauspieler, verschiedene Rollen zu verkörpern“, beschreibt Schüttler. Er ist mit dem Gezeigten seiner Schützlinge mehr als zufrieden.

Das Stück erfordert durch die Verkörperung der mehrfachen Rollen sowie der komplexen Geschichte die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Das Outfit aller Schauspielerinnen und Schauspieler ist aber ebenso schlicht und uniform gestaltet, wie die Theaterbühne. Damit wird der Fokus ausschließlich auf die Gestik und Mimik der Darstellerinnen und Darsteller gelenkt. Blicke, die sich lohnen.

„Alle haben ihre Qualitäten gezeigt. Jetzt geht es darum, sich auf der Bühne bei diesem Stück zu präsentieren. Und dann wird man sehen, wie ihre Zukunft weitergeht“, sagt Schüttler. Jedenfalls wollen die fünf nicht so schnell wieder auf den tosenden Sturm am Ende der Vorstellung verzichten.

Weitere Vorstellungen in der Theaterschule Aachen, Theaterstraße 77: 9., 10., 16., 17., 23. und 24. Mai. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt für Vollzahler beträgt zehn Euro, Schüler und Studenten zahlen fünf Euro.

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