Schauspiel „Angerichtet“: Was ist in diesen Familien alles schief gelaufen?

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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„Angerichtet“: Unter diesem doppeldeutigen Titel zeigt das Das Da-Theater seine neue Inszenierung an der Liebigstraße. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Dieses Zitat stammt aus dem Schauspiel „Angerichtet“ von Herman Koch, das am Donnerstag, 16. Januar, um 20 Uhr Premiere im Das Da-Theater feiert.

Paul (gespielt von Jo Schmitt) sagt diesen Satz immer wieder. Ein Drama, das sich da auf der schrägen Bühne mit doppeltem Boden abspielt. Nicht nur der Titel des Stücks ist zweideutig.

Pauls Familie mit Frau Claire (Rebecca Selle) und Sohn Michel (Tobias Steffen) ist eng mit der Familie von Serge, Pauls Bruder, verbunden. Die beiden Ehepaare treffen sich in einem Spitzenrestaurant, in dem Serge (Mike Kühne) als designierter Kandidat für das Ministerpräsidentenamt problemlos kurzfristig einen Tisch bekommt. Es ist kein einfaches Treffen – nicht weil die beiden Paare unterschiedlicher Meinung über Woody-Allen-Filme oder latenten Rassismus wären. Ihre Söhne Michel und Rick (Philip Butz) – beide 15 Jahre alt – haben etwas angestellt, das ihr Leben für immer ruinieren kann: Sie haben angetrunken eine Obdachlose vor einem Bankautomaten erst verprügelt und schließlich angezündet.

„Angerichtet“ in doppeltem Sinne: Bei Flusskrebsschwänzen und Kalbsbries versuchen die Familien das von ihren Söhnen Angerichtete in den Griff zu bekommen. „Paul und Claire wollen es als Geheimnis bewahren, Serge und Babette suchen andere Mittel“, erläuterte Gastregisseur Achim Bieler bei einer öffentlichen Probe für Studierende. „Im Kern dreht sich das Stück um die Frage, was eigentlich schief gelaufen ist. Dabei hat die Theaterfassung des Romans eine interessante Dramaturgie auf drei Ebenen: Die Gegenwart im Restaurant, die Zukunftsperspektive in Erzählpassagen von Paul sowie Rückblenden auf das Leben der Familien“, so Bieler weiter.

Bühnenbildner Frank Rommerskirchen, der bereits seit 14 Jahren beim Das Da-Theater ist, hat die alte Fabrikhalle in der Liebigstraße dafür wieder einmal ganz neu gestaltet: Eine schräge Bühne mit fast 20 Grad Neigung lässt den Zuschauer die Restaurantszenen sehr direkt erleben. Die „extreme Schieflage“, in die die Familien geraten, macht Rommerskirchen so eindrucksvoll anschaulich. Spezialsohlen und flache Schuhe auch bei Claire und Babette (Michelle Bray) ermöglichen es den Schauspielern, trotzdem unfallfrei zu agieren. „Man fällt einmal, dann geht’s“, berichtete Butz von den Proben. Für die Rückblenden öffnet sich die 800 Kilogramm schwere Rampe über Gegengewichte.

In Videoeinspielungen von „zärtlichen Berührungen bis zu gewalttätigen Entrückungen“ setzt Bieler, der in Burghausen an der Athanor Akademie als Dozent für Theater, Film und Multimedia tätig ist, seine Kenntnisse aus Kurzfilmen und Musikvideos ein – „konzentriert und ohne abzulenken“, wie er hofft.

In „Angerichtet“ ist also eine andere Regiesprache zu erleben als die von Intendant Tom Hirtz und Maren Dupont, stellvertretende Theaterleiterin. „Wir sind immer auf der Suche nach Gastregisseuren und froh, dass sich Achim Bieler auf die eingeschränkten Probenmöglichkeiten und die geringe Gage eingelassen hat“, sagte Ina Pappert, die die Abendspielleitung innehat.

Termine und Karten

Die Premiere von „Angerichtet“ ist am Donnerstag, 16. Januar, um 20 Uhr im Das Da-Theater, Liebigstraße 9. Die Vorstellung ist bereits ausverkauft. Weitere Vorstellungen gibt es bis 23. Februar immer donnerstags bis samstags um 20 Uhr und sonntags um 18 Uhr.

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