Schatzkammer verprellt die eigenen Spender

Von: Robert Esser
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Kostspielig: 2005 wurde die restaurierte „Karlsbüste“ vor dem Karlsschrein im Dom präsentiert. Der Förderverein übernahm die Finanzierung – und wunderte sich über hohe Rechnungen. Foto: Franz-Peter Tschauner

Aachen. Dubiose Abrechnungen, leere Versprechungen, enttäuschte Spender: Mit dem Domkapitel und dem Leiter der Domschatzkammer, Dr. Georg Minkenberg, geht Ralph Leroy hart ins Gericht. Der Vorsitzende des „Vereins zur Erhaltung des Hohen Doms zu Aachen e.V.“ und dessen kompletter Vorstand „haben deshalb beschlossen, der nächsten Mitgliederversammlung die offizielle Einstellung unserer Aktivitäten für die Erhaltung des Aachener Doms nahezulegen“, wie Leroy mitteilt.

Mehrere hunderttausend Euro hatte der Verein in den vergangenen 28 Jahren für das Münster gesammelt. So konnte unter anderem die kostspielige Restaurierung der „Karlsbüste“ in den Jahren 2004/2005 finanziert werden.

Damit begann allerdings auch der Ärger: Obwohl vorab 35.000 Euro für die Aufarbeitung der Büste vereinbart waren, präsentierte das Domkapitel schließlich Rechnungen über 71.000 Euro. „Das war nicht nur eine hundertprozentige Kostensteigerung. Erstaunlich war, dass man uns während der Arbeiten nicht einmal darüber informiert hatte, dass Kostensteigerungen zu erwarten wären“, erinnert sich Leroy. Noch schlimmer: „Nach kritischer Prüfung sämtlicher Einzelbelege musste das Domkapitel seinerzeit die Abrechnung auf rund 53.000 Euro korrigieren, weil verschiedene Einzelpositionen weder in der Sache noch in der Höhe nachzuvollziehen waren“, erklärt der Vorsitzende. Und nun warte man seit sieben Jahren auf ein Heft, in dem die Aufarbeitung der Büste dokumentiert werden sollte. „Wir wurden immer wieder vertröstet, passiert ist nichts“, klagt Leroy.

Der Vereinsvorstand kritisiert auch die Zahlungsmoral des Domkapitels. Seit 2010 seien Rechnungen aus dem Verkauf von Domkalendern und sogenannten Seifentalern mit dem Konterfei Karls des Großen im Schatzkammerladen nicht beglichen worden. Hier war der Verein in Vorleistung getreten. Dabei habe man letztmals Ende Oktober 2012 bei einem persönlichen Gespräch mit Minkenberg und Dompropst Helmut Poqué die Zusage erhalten, dass diese Angelegenheiten endlich geklärt werden. „Es sind diese Umstände, die uns an der Ernsthaftigkeit und Richtigkeit der Aussagen und Zusagen zweifeln lassen“, erklärt Leroy. Die Arbeit des Fördervereins erfahre weder Anerkennung noch Wertschätzung.

Enttäuschend sei, dass der Dompropst und der Leiter der Domschatzkammer „letztlich auch der Domerhaltung derart zuwiderhandeln“. Leroy: „Es ist uns unverständlich, weshalb man Menschen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren, derart verprellt und deren berechtigte Anliegen ignoriert.“ So droht dem Domkapitel – das mit dem renommierten Karlsverein über einen weiteren, noch finanzstärkeren Dombauverein verfügt – der Ausfall erheblicher Spendensummen. Worunter vor allem die Domschatzkammer leiden würde, die bislang im Fokus der Aktivitäten des „Vereins zur Erhaltung des Hohen Doms zu Aachen e.V.“ stand. Der Vorstand sehe „keine Grundlage mehr für eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit“, teilt Leroy mit.

Auf Anfrage der Aachener Zeitung räumt Minkenberg am Donnerstag Versäumnisse ein. „Ich würde es sehr bedauern, wenn der Förderverein sein Engagement einstellen würde“, sagt der Leiter der Schatzkammer. Die fehlende Dokumentation zur Restaurierung der „Karlsbüste“ will der Museumsleiter schnellstmöglich nachliefern. „23 Seiten habe ich schon fertig, die ist nächste Woche komplett“, erklärt er.

Minkenberg will nun noch einmal das Gespräch mit seinen verprellten Geldgebern suchen. Denn eigentlich braucht er gerade zum Karlsjahr 2014 jede erdenkliche Hilfe. Bis dahin will das Domkapitel den Domschatz, den rund 90.000 Menschen pro Jahr besuchen, mit moderner Lichttechnik neu in Szene setzen. Man hofft auf Fördermittel der öffentlichen Hand. Neben Steuergeldern wären Spenden aber auch willkommen.

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