Aachen - Schadstoffe lassen die Köpfe rauchen

Schadstoffe lassen die Köpfe rauchen

Von: Matthias Hinrichs
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Geringere Messwerte dringend gefordert: Die Station an der Wilhelmstraße zeigt tendenziell noch immer viel zu hohe Schadstoffwerte an. Umweltschützer kritisieren zudem, dass das Durchfahrtverbot für Lkw nicht streng genug überwacht werde. Foto: Michael Jaspers

Aachen. In Sachen Klima ist das Klima auf höchsten Ebenen derzeit schwer gestört – und dicke Luft herrscht nicht nur auf den Aachener Straßen, sondern dieser Tage vermutlich auch in manchen örtlichen Amtsstuben.

Fakt ist: Die EU hat der Bundesregierung jetzt quasi die Pistole auf die Brust gesetzt, Gas zu geben in Sachen Schadstoffreduzierung in den Innenstädten. Und der Rüffel aus Brüssel (siehe auch Seite 1, Politik) dürfte auch im Talkessel viele verantwortliche Köpfe zum Rauchen bringen. Rasche und tiefgreifende Reaktionen sind gefragt.

Zwar weiß sich die Stadt – trotz vielfältiger, tendenziell durchaus erfolgreicher Maßnahmen (Stichwort Luftreinhalteplan) – mit dem brennenden Problem in bester Gesellschaft: In 33 von 57 deutschen Regionen werden die Grenzwerte beim Stickoxid-Ausstoß nach wie vor überschritten – und in allen NRW-Großstädten mit Ausnahme von Krefeld, wie Umweltdezernentin Gisela Nacken betont. Letztlich steht freilich zu befürchten, dass die Kommunen vom Bund zu Strafzahlungen vergattert werden könnten, wenn es ihnen nicht gelingt, das Steuer umgehend und nachhaltig herumzureißen.

Noch nicht exakt

Zwar sind die Daten für das vergangene Jahr noch nicht exakt ermittelt, so Klaus Meiners vom Fachbereich Umwelt; die Messysteme müssten noch abgeglichen und damit konkretisiert werden. Anno 2012 wurde nach bisherigem Stand an der Messstation Wilhelmstraße allerdings ein Durchschnittswert von 52,6 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt registriert – und damit mehr als 2011 (51 Mikrogramm). „Das führen wir vor allem auf die großen Baustellen an der Wilhelmstraße zurück“, sagt Nacken. Mittelfristig sei nach den jüngsten Berichten der städtischen Umweltexperten nämlich ein Rückgang zu verzeichnen. 2009 – im Jahr der Einführung des Luftreinhalteplans mit inzwischen rund 40 Einzelmaßnahmen – und 2010 wurden an der Wilhelmstraße 56 Mikrogramm im Jahresschnitt ermittelt. Das zulässige Maximum liegt aber bei nur 40 Mikrogramm.

Die gesetzlich vorgeschriebene Marge in Sachen Feinstaub wird nach vorläufigen Erkenntnissen für 2012 mit mindestens 32 Tagen angegeben, an denen der Maximalwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten wurde. Erlaubt sind maximal 35 Tage. 2011 wurde das Limit mit 34 Tagen haarscharf unterschritten.

„Wir sind auf einem guten Weg, aber mit dem Luftreinhalteplan allein kriegen wir das bis auf Weiteres nicht hin“, bekennt Nacken. Und: „Knackpunkt ist und bleibt der motorisierte Verkehr.“ Von daher komme der Alarm aus Brüssel und Berlin „wie bestellt“. Er zeige, „dass wir mit dem Campusbahn-Projekt und der nachhaltigen Elektrifizierung des motorisierten Verkehrs die richtigen Entscheidungen vorbereiten“.

Dem würde zwar auch der Aachener Nabu-Vorsitzende Claus Mayr nicht widersprechen. „Allerdings muss die Stadt endlich erkennen, dass an der Einrichtung von Umweltzonen kein Weg vorbeiführt. Wenn – wie in Baden-Württemberg – frühzeitig bereits an den Autobahnausfahrten darauf hingewiesen wird, funktioniert das auch.“

Den Einwand, dass das Konzept in zahlreichen NRW-Städten bis dato ebensowenig funktioniert, lässt Mayr nicht gelten. „Die Zonen müssten eben groß genug und entsprechend stringent überwacht werden – ebenso wie natürlich das wachsweiche Durchfahrverbot für Lkw an der Wilhelmstraße.“ Für dessen Überwachung, wie Axel Costard vom Presseamt unterstreicht, allerdings die Polizei zuständig wäre. Zudem seien strengere Emissionsrichtwerte bei Lkw das Gebot der Stunde, fordert Mayr: „In Berlin zum Beispiel dürfen nur noch Baustellenfahrzeuge mit Rußfiltern zum Einsatz kommen. Das sollte auch in Aachen der Fall sein, wenn demnächst die Kaiserplatz-Galerie in Angriff genommen wird.“

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