Aachen - Sattel reparieren ist noch echte Handarbeit

Sattel reparieren ist noch echte Handarbeit

Von: Jessica Küppers
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Handarbeit gefragt: Der Sattler Niklas Weber aus Aachen näht die Sättel häufig noch von Hand. Die Nähte halten oft besser als maschinelle. Für die Nähte benutzt er Fäden, die auch bei Regenwetter reißfest sind. Foto: Jessica Küppers
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Anfangs taten dem Sattler die Finger nach jedem Arbeitstag weh. Der Schmerz stumpft mit der Zeit ab. Foto: Jessica Küppers

Aachen. Dass Sattel, Reiter und Pferd zueinander passen müssen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Dass das oft nicht so ist, wird anhand der zahlreichen Sättel deutlich, die in der Aachener Werkstatt von Sattler Niklas Weber an der Wand hängen. Seine Aufgabe ist es, sie zu reparieren.

Neue Sättel macht der gelernte Sattler und Feintäschner so gut wie nie. Wenn man die Werkstatt betritt, riecht es leicht nach Leder. Auf der großen Werkbank liegen unterschiedliche Polsterstoffe. Werkzeuge hängen an der Wand. Der junge Mann steht davor und klopft mit einem Hammer auf einen alten Sattel. An der Wand stehen zwei Nähmaschinen - eine feinere, eine für gröberes Leder. Der Sattler wirkt routiniert, jeder Handgriff läuft automatisch. Er hat ein Lächeln auf den Lippen und scheint seinen Job gern zu machen.

Der Beruf des Sattlers ist schon sehr alt. Bereits im 17. Jahrhundert gab es die ersten Sattler. Nach der Erfindung des Autos, wurde der Beruf mit dem des Autosattlers zusammengelegt. Die Verarbeitung von Leder und Stoffen wurde auch für Autositze und Verdecke gebraucht. Vielerorts haben sich diese beiden Berufszweige wieder getrennt und Sattler spezialisieren sich entweder auf die motorisierten oder auf die natürlichen Pferdestärken.

Für Niklas Weber war von Anfang an klar, dass er Pferdesättel herstellen will. „Zum Sattelmachen bin ich gekommen, weil ich selbst seit meinem elften Lebensjahr reite“, sagt er während er zu Nadel und Faden greift, um eine offene Naht am Sitz zu flicken. Anfangs habe er nicht sofort gewusst, was er beruflich machen will, bis ihm ein Bekannter den entscheidenden Hinweis hab. Der junge Mann machte ein zunächst Praktikum, fand Gefallen an der Arbeit und begann mit 16 Jahren seine Ausbildung. Dass es auf Dauer zu wenig Nachwuchs gibt, glaubt der junge Sattler nicht. Es gebe viele junge Menschen, die diesen Beruf machen möchten.

Bis heute muss die Arbeit von Hand erledigt werden. Vor allem bei der Bandbreite der unterschiedlichen Reparaturen - neue Riemen, aufpolstern, Sattel weiten - ist Handarbeit gefragt. Das hat Weber zu Beginn seiner Ausbildung zu spüren bekommen: „Als ich damit angefangen habe, taten mir richtig die Finger weh“, sagt er. Für die Nähte nutzt er reißfeste Fäden, die auch bei Regenwetter noch stabil genug sind. Damit die beim Nähen nicht verrutschen, werden die Fäden vorab gewachst. Eine Tätigkeit, die gleichzeitig Kraft und Fingerspitzengefühl erfordert. Doch die Mühen zahlen sich aus. Wie zum Beweis legt er den fertigen Sattel weg. Weber sagt: „Eine Naht, die von Hand genäht wurde, hält länger als eine maschinelle.“ Die speziellen Sattlernähmaschinen kommen trotzdem bei der täglichen Arbeit häufig zum Einsatz. Gürtel, Stiefel oder Einzelteile wie Riemen werden beispielsweise mit solchen Maschinen genäht.

Pro Tag bearbeitet er in der Regel drei bis vier Sättel. Wenn nur kleine Reparaturarbeiten gemacht werden müssen, kann sich die Zahl auch auf 10-15 erhöhen. Für einen ganz neuen Sattel - vom Zuschnitt, über den Prototypen, bis zum fertigen Sattel - braucht ein Sattel knapp eine Woche. Mittlerweile werden Sattel aus dem Ausland gekauft und vor Ort von einem Sattler angepasst. So ein Sattel kostet meist zwischen 1000 und 3000 Euro. Exklusive Markenmodelle mit aufwändigen Ziernähten können auch 9000 Euro aufwärts kosten. Der außergewöhnlichste Sattel, den er in seiner Karriere bearbeitet hat, war eine Maßanfertigung für einen niederländischen Künstler. Dieser brachte eigenes Leder mit, das mit Graffti versehen war. Seine einzige Bedingung: Die Schriftzüge mussten noch zu im Ganzen zu sehen sein. Eine schwierige Aufgabe, auch für einen geübten Sattler. Solche Sonderwünsche sind aber eher selten.

Egal wie der Sattel ausgestaltet ist und wie viel er kostet: Damit beim Hürdensprung oder im Gelände nichts schief geht, müssen er perfekt auf das Tier und den Reiter abgestimmt sein. Kippelt der Sattel oder sitzt er zu eng auf dem Pferderücken kann es Verletzungen kommen. Um Maß zu nehmen, besucht er Pferd und Reiter vor jeder Reparatur vor Ort. Dort misst er den Rücken millimetergenau aus. Da er das Tier in seiner Werkstatt nicht zur Verfügung hat, stehen dort drei Ersatzböcke mit unterschiedlichen Rückenformen. Hat er den Sattel repariert, kann der Reiter darauf Probe sitzen.

Bevor er zurück zum Reiter geht, reibt er ihn mit Fett ein und bringt ihn auf Hochglanz. Für ihn seine Selbstverständlichkeit und doch drückt es aus, dass er stolz auf sein Handwerk ist – das soll ruhig jeder sehen können.

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