Aachen - Sarkophag kommt im Tierpark zu Ehren

Sarkophag kommt im Tierpark zu Ehren

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
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Sie erzählen die Geschichte des 1500 Jahre alten Sarkophags im Tierpark jetzt neu: Christina Markgraaf, Tierparkleiter Wolfram Graf-Rudolf und Archäologe Dr. Markus Pavlovic (hinten). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ein archäologisches Prachtstück wurde im Tierpark entdeckt – eigentlich wiederentdeckt. Denn der römische Sarkophag oberhalb des Luchsgeheges steht da zumindest schon so lange, wie die heutigen Aachener denken können.

Während er aber früher als Kletter- und Pausenstation von Familien mit kleinen Kindern zweckentfremdet wurde, hat er jetzt neue Aufmerksamkeit erhalten: Als Teil des neu angelegten Gepardengeheges hat der 1500 Jahre alte Steinsarg nicht nur elegant dahinschleichende Bewacher bekommen, sondern auch eine neue Infotafel, die die Geschichte des archäologischen Sammlerstückes nachzeichnet.

Fleischesser passt bestens

„Fleischesser bei Fleischfresser“, könnte man sagen. Denn tatsächlich bedeutet das griechische Wort „sarkophagos“ Fleischesser. „Das kalkhaltige Gestein beschleunigt die Zersetzung des Leichnams“, erläuterte Stadtarchäologe Dr. Markus Pavlovic bei der Vorstellung der neuen Infotafel im Aachener Tierpark. Im Jahr 1793 hat ein Landwirt in Weisweiler beim Pflügen den Sarkophag aus der Römerzeit entdeckt und ausgegraben. Kunstsammler Hermann Isaak von Aussem erwarb das schwere Stück für seine enzyklopädische Sammlung, die er im Drimborner Wäldchen präsentierte. „Römischer Sarkophag“ stand seither recht lapidar an dem rau behauenen Steinungetüm.

Das hat Kristina Markgraf nicht zufriedengestellt. Die Studentin der Archäologie hatte vor ihrem Studium ein freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege bei der Abteilung Denkmalpflege und Archäologie der Stadt Aachen absolviert. „Dort habe ich gelernt, auf schützenswerte Dinge zu achten.“ Bei einem Besuch des Aachener Tierparks war ihr der Steinsarg aufgefallen – und vor allem die fehlende Hinweistafel.

In Absprache mit Denkmalpflege und Tierpark startete sie eine Recherche: In der „Geschichte der ehemaligen Reichabtei Burtscheid“ von Christian Quix wurde sie fündig. Aber vor allem konnte sie einen Zusammenhang herstellen, der Quix noch verborgen war. Ganz in der Nähe des Fundortes des Sarkophags wurden Überreste einer römischen ‚villa rustica‘ ausgegraben. „Zu diesen römischen Gutshöfen gehörten auch immer Grabfelder für die Bewohner. Es ist also wahrscheinlich, dass einer der Bewohner in diesem Sarkophag bestattet wurde“, erklärte Pavlovic und lobte: „Kristina Markgraf hat den Sarkophag für die historische Forschung wieder neu erschlossen.“

Das alles können jetzt auch die Besucher des Tierparks erfahren, denn Markgraf hat ihre Erkenntnisse in einem interessanten Infotafel-Text verpackt und damit der ehemaligen Spielstation angemessenere Aufmerksamkeit verschafft. „Er wird jetzt mehr wahrgenommen – durch die tierischen Aufpasser und die neue Tafel“, freut sich auch Tierpark-Leiter Wolfram Graf-Rudolf.

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