Salvatorkirche: Verborgene Pracht wird bald sichtbar

Von: Matthias Hinrichs
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Der Turm der Salvatorkirche ist bereits aufs Schönste restauriert, bald wird im Innern saniert: Dezernent Werner Wingenfeld (3. von rechts), Isabel Maier vom Denkmalamt und Engelbert Chaumet vom Gebäudemanagement (rechts daneben) freuen sich über die Spende, die Andreas Bentz von „WestLotto“, Roland Tauber und Günther Schorn von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz jetzt überreichten. Foto: Michael Jaspers
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Verborgene Wandmalerei: Die sakralen Motive unterm Giebel des Gotteshauses werden ebenfalls restauriert. Foto: Stadt Aachen
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Blick nach oben: Die hölzerne Kassettendecke unterm Kirchendach wird entfernt. Foto: Michael Jaspers
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Seltene Kunst: Die Ornamentik im Dachstuhl besticht. Foto: Jaspers

Aachen. Nicht wenige Aachener haben den (womöglich) schönsten Augenblick ihres Lebens in seinen Mauern zelebriert. Seit Jahr und Tag gilt das sakrale Kleinod, mitten im lauschigen Grün auf der idyllischen Kuppe des Salvatorbergs gelegen, Spaziergängern und Pilgern als wunderschöner Ort zum Verweilen und Innehalten – oder auch als romantische Kulisse für Gottesdienste und Trauungen.

Jetzt wird auch der „Bund fürs Leben“, den die Stadt und das Sozialwerk Aachener Christen dereinst unter dem Dach der Salvatorkirche geschlossen haben, in gewisser Weise erneuert. Bis zum Jahresende soll das geschichtsträchtige Gotteshaus auf dem zweithöchsten Gipfel des Talkessels rundum restauriert sein.

„Wir sind unglaublich froh, dass wir die Sanierung jetzt mit Hilfe eines großzügigen Sponsors vollenden können“, sagte Baudezernent Werner Wingenfeld in trauter Runde mit Vertretern der Denkmalpflege sowie Simone Pfeiffer-Bohnenkamp vom Sozialwerk und Andreas Bentz von „WestLotto“, das die Fertigstellung der aufwendigen Arbeiten bis zum Jahresende mit einem Förderbeitrag von 50.000 Euro möglich macht.

Den symbolischen Scheck über die Spendensumme aus der „Glücksspirale“ überreichten Roland Tauber und Günther Schorn von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz natürlich nicht, ohne sich selbst ein Bild vom ziemlich maroden Zustand des Kirchendachstuhls zu machen. Denn dank der fetten Finanzspritze soll auch der kunstvoll gestaltete Giebel bald wieder von einer wachsenden Gemeinde bewundert werden können. „Wir hoffen, dass wir dieses schöne Gebäude in absehbarer Zeit auch für kulturelle Aktivitäten nutzen können“, sagte SPD-Ratsfrau Sibylle Reuß beim Ortstermin.

Aber der Reihe nach. Schließlich ist die Geschichte der Salvatorkirche fast so alt wie die des Aachener Doms. Schon Ludwig der Fromme hatte zu Beginn des 9. Jahrhunderts eine Friedhofskapelle an gleicher Stelle errichten lassen, die alsbald mehreren Neubauten und einem Kloster wich. Die französischen Besatzer ließen die – inzwischen weithin verfallenen – Gemäuer 1794 entweihen und übergaben sie in die Obhut der Stadt. 1886 wurde das Gotteshaus von Stadtbaumeister Joseph Laurent neu gestaltet und nach dem Zweiten Weltkrieg nach seinen Plänen wieder aufgebaut.

Orden zog sich 2012 zurück

Doch erst im Jahr 2012 überließen die letzten drei geistlichen Herren der Oblaten der makellosen Jungfrau Maria das ehrwürdige Gebäudeensemble dem Sozialwerk, das Kirche und Klosteranbauten nun seinerseits in Erbpacht von der Stadt übernahm.

Vor rund zwei Jahren begann die Außensanierung des denkmalgeschützten neoromanischen Bauwerks. Bis Ende Juli, berichtete Engelbert Chaumet vom städtischen Gebäudemanagement, soll die Restaurierung abgeschlossen sein. Immerhin eine runde halbe Million Euro wurden dafür aus dem Stadtsäckel bereitgestellt. Im Zuge des Wiederaufbaus jedoch wurde der Dachstuhl 1957 durch eine hölzerne Kassettendecke geschlossen.

Sie soll jetzt entfernt werden, um den Blick auf filigrane Ornamentik und Wandmalereien freizugeben, die im Verborgenen ziemlich gut erhalten geblieben sind. Rund 175.000 Euro werden – nicht zuletzt dank der großzügigen „Westlotto“-Gabe – investiert, um die Innenwände neu zu verputzen und die Kunstwerke zu restaurieren, berichteten Chaumet und Isabel Maier von der städtischen Abteilung Denkmalpflege.

Simone Pfeiffer-Bohnenkamp hofft mit ihnen, dass das Werk bis Weihnachten vollendet werden kann, damit bald neues Leben in die Salvatorkirche einzieht – allerdings vor allem in den wärmeren Jahreszeiten. „Leider ist die Heizung defekt; eine neue zu installieren, würde rund 100.000 Euro kosten, die die Stadt derzeit allerdings nicht hat“, bedauerte Chaumet.

Dennoch: Viele Kulturschaffende engagierten sich bereits dafür, auch das zu ermöglichen, betonte Sibylle Reuß. „Es wäre fantastisch, wenn man diese Kirche auch als Kulturzentrum nutzen könnte, schon wegen ihrer wunderbaren Akustik.“ Das allerdings bleibt vorerst wohl – Zukunftsmusik.

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