Säufer und Drogensüchtige belagern Kinder-Spielpunkt

Von: Robert Esser
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Spielpunkt? Zwischen Hauptbahnhof und Kaiserplatz sorgt die Säufer- und Drogenszene an der Harscampstraße täglich für Ärger. Foto: Michael Jaspers
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Anwohner um Peter Jennes (r.) sammeln nun Unterschriften für ein Alkoholverbot. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Zweimal ist der Rettungswagen am Donnerstag angerückt, um „Alkoholleichen“ abzutransportieren, einige Stunden später ist die Säufer- und Junkie-Truppe am „Spielpunkt“ Harscampstraße wieder komplett. Dann geht vor aller Augen das hässliche Schauspiel weiter, täglich: Saufen bis zum Umfallen, Grölen, Passanten anpöbeln.

Uriniert und gekotet wird in Büschen neben dem Bürgersteig. Drogenbesteck muss keiner mitbringen, das liegt schon in der Telefonzelle nebenan. Das Areal ist in der Szene beliebt. „Trinker und Drogensüchtige machen hier auf direktem Weg zwischen Hauptbahnhof und Kaiserplatz Station, seit Jahren.

Aber es wird immer schlimmer“, klagt Friseur Peter Jennes. Vor seinem Geschäftslokal beobachtet er täglich 15 bis 30 „Klienten“, die sich im naheliegenden Supermarkt mit Alkohol versorgen und den kleinen Platz von morgens bis abends bevölkern. Prügeleien seien an der Tagesordnung, ebenso Drogenverkauf und -konsum in aller Öffentlichkeit.

Das einzige Spielgerät vor Ort, eine simple Kinderwippe, wird höchstens zum Abstellen von Kornflaschen genutzt. „Die Situation ist unerträglich für alle Geschäftsleute, Anwohner und Bürger“, sagt Jennes. „Wir fühlen uns hier total allein gelassen. Niemand unternimmt etwas, damit sich die Lage verbessert.“ Deswegen sammeln Jennes und seine Nachbarn jetzt Unterschriften.

„Wir verlangen, dass der Verzehr von Alkohol und Drogen im Bereich von öffentlichen Plätzen, Spielpunkten und -plätzen und Parkanlagen verboten wird“, so die Forderung. Und weiter: „Von den Ordnungshütern verlangen wir, dass solche Rechtsverstöße (Hinterlassen von Müll, öffentliches Urinieren) stetig und nachhaltig verfolgt und unterbunden werden und immer zur Anzeige gebracht werden.“ Rund 200 Unterschriften liegen Jennes bereits vor. In seinem Salon „Hars-camp 70“ wird weiter gesammelt.

Jennes hat haufenweise Anzeigen erstattet – immer mit der gleichen Standard-Antwort der Staatsanwaltschaft: Verfahren eingestellt, weil „die wegen der Tat zu erwartende Strafe neben einer anderen bereits verhängten oder zu erwartenden Strafe oder Maßregel der Besserung und Sicherung nicht beträchtlich ins Gewicht fällt“. Im Klartext: Die Täter haben nichts zu befürchten, weil sie mittellos sind und schon so viele andere Ordnungswidrigkeiten beziehungsweise Straftaten begangen haben.

Jennes fordert Platzverbote und Anzeigen „auch gegen Personen, die zwar angeblich ihre Strafzettel nicht bezahlen können, wohl seltsamerweise ihren täglichen Alkohol“. Erschwerend komme hinzu, dass hunderte Drogenkranke in Aachen mit Methadon versorgt würden, die den Rest des Tages aber „auf der Straße herumlungern, statt in irgendeiner Beschäftigungsmaßnahme aufgefangen zu werden“.

Jennes: „Der normale Bürger, der sowieso schon alles finanziert, muss sich von solchen Randgruppen alles gefallen lassen und ist machtlos dagegen. Das kann doch wirklich nicht sein!“

Die Aachener Stadtverwaltung kennt das Problem. Ordnungsamt und Polizei patrouillieren verstärkt. Doch den Ordnungshütern scheinen die Hände gebunden: „Da es sich an diesem Platz mit einem einzigen Spielgerät rechtlich nicht um einen Spielplatz, sondern um einen Spielpunkt handelt, dürfen Erwachsene sich dort aufhalten und Alkohol konsumieren. Das ist nicht verboten“, erklärt Björn Gürtler vom städtischen Presseamt. „Wann immer unseren Kräften aber Verstöße – etwa öffentliches Urinieren – auffallen, handeln wir auch“, sagt er.

Bloß: Der Erfolg ist gleich Null. Das wissen auch die Trinker und Junkies, die sich deswegen völlig ungeniert verhalten. Damit sich die festgefahrene Lage endlich ändert, erwartet Jennes ähnliche Unterschriftenaktionen von Anwohnern und Geschäftsleuten am Kaiserplatz, am Bahnhofsvorplatz und anderen „Säufer- und Junkie-Schwerpunkten“.

Die Hoffnung: Aachens politische Parteien mögen sich des Problems annehmen und die Satzung – wie etwa in der Stadt Herne – verschärfen. Im doppelten Sinn: Rettung wagen...

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