Aachen - RWTH will jetzt Tempolimit am Templergraben

RWTH will jetzt Tempolimit am Templergraben

Von: Robert Esser
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Neun neue Platanen anstelle der 33 gefällten Bäume: ( v.l.) Ute Willems (BLB), Gabriele Golubowitsch (RWTH) und Gisela Nacken (Stadt) legten gestern am Templergraben Hand an. Foto: Michael Jaspers

Aachen. So richtig grün ist man sich noch nicht: Nach der umstrittenen Baumfällaktion für den Umbau des Templergrabens zu einem „Shared Space“, der später aber aus rechtlichen Gründen verworfen werden musste, gibt‘s neuen Zündstoff.

Dabei wollten RWTH, Stadt Aachen sowie der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) am Dienstag eigentlich nur neun neue Platanen präsentieren, die man gerade am Rande der Baustelle neben dem Kármán-Auditorium einpflanzt. 

Schatten wirft jetzt ein neuer Vorstoß der Hochschule auf das Straßenbauprojekt, das ursprünglich als gleichberechtigter Verkehrsraum für Fußgänger, Rad- und Autofahrer in Schrittgeschwindigkeit konzipiert war. „Wir hoffen, dass der Platz seine erwünschte Wirkung erzielt“, sagte RWTH-Baudezernentin Gabriele Golubowitsch beim Ortstermin. Die Leiterin des „Facility Managements“ der Hochschule betonte aber: „Es ist schon ein Wermutstropfen, dass der Verkehr hier weiterhin mit ungebremster Geschwindigkeit fließen soll.“ Deswegen habe sich die RWTH bereits offiziell an die Stadt gewandt, um zu erörtern, wie man den Verkehr einbremsen kann.

Die Hochschule hatte jahrelang eine Fußgängerzone und die Unterbrechung des Rings für den motorisierten Verkehr gefordert, dann einigte man sich auf den Kompromiss „Shared Space“ – der so aber nicht realisiert wird. Bislang sind entlang des Templergrabens nach Beendigung der rund 3,5 Millionen Euro teuren Baumaßnahme (inklusive Kanalsanierung) ab Ende September keinerlei Einschränkungen geplant. Demnach gilt Tempo 50 auf der viel befahrenen Straße – genauso wie auf dem restlichen Grabenring. Nach Angaben der Stadt zählte man dort rund 6000 Autofahrer, 1700 Radler und bis zu 20.000 Fußgänger pro Tag. Zum Vergleich: Die RWTH hat rund 38.000 Studierende.

Ute Willems, stellvertretende Leiterin der BLB-Niederlassung Aachen, verteidigte das Umbaukonzept. Es führe dazu, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt seien, sagte sie. Verkehrsexperten der Stadt widersprechen: Auch wenn die frisch gepflasterte Fahrbahn nur durch flache Randsteine von ebenfalls gepflasterten Bürgersteigen getrennt sei, handele es sich straßenverkehrsrechtlich um eine ganz normale Straße. Will sagen: Autos und Radfahrer haben auf dem Bürgersteig nichts zu suchen, genauso wie im Regelfall umgekehrt Fußgänger auf der Fahrbahn.

Trotzdem geht die städtische Baudezernentin Gisela Nacken davon aus, dass der neue Platzcharakter das Verhalten aller Verkehrsteilnehmer beeinflusst – vor allem zu Uni-Stoßzeiten, wenn Tausende gleichzeitig auf das Areal zwischen Hauptgebäude, Super C, Kármán-Auditorium und Eilfschornsteinstraße strömen. „Dann nimmt man automatisch Rücksicht und bremst“, hieß es. Die Stadt will die Verkehrssituation ab Oktober beobachten.

Sollte sich nach dem Millionen-Umbau herausstellen, dass die Verhältnisse entlang der auf sieben Meter Breite verschlankten Fahrtrasse gefährlicher als vorher sind, muss nachgebessert werden. Wie am Büchel und an der Kleinkölnstraße seien die knapp 200 Meter des neuen Templergrabens – bei entsprechenden Beschlüssen des Stadtrats – sogar als Fußgängerzone ausweisbar, hatte die Stadt erklärt. In der Praxis lässt sich der Templergraben jedoch gar nicht so einfach als Tempo-30-Zone oder Spielstraße beschildern – die Verkehrsbelastung ist zu hoch. Nacken schloss aus, dass am Templergraben erhöhte Asphaltkissen angebaut werden, um Autofahrer auf die Bremse zu zwingen.

In den nächsten vier Monaten entstehen weitere Grünflächen: vor der Fassade des RWTH-Hauptgebäudes und auf dem alten Parkplatz Templergraben/Eilfschornsteinstraße. Hier ist man sich einig.

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