RWTH will es wissen: Wie ticken denn nun die Öcher?

Von: Bernd Büttgens
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Sie gehen dem Öcher, seiner Sprache und seinem Verhältnis zum Hochdeutschen wissenschaftlich auf den Grund: Andrea Philipp, Angelika Kutsch, Janika Thielecke und Mathieu Declerck (von links). Foto: Bernd Büttgens

Aachen. Sollte in diesen Tagen an der RWTH Aachen noch einmal das Gespräch auf friedliche und zivile Hochschulforschung kommen, dann könnte das Institut für Psychologie laut „hier“ rufen. Denn dort, genauer am Lehrstuhl für Kognitions- und Experimentalpsychologie von Professor Iring Koch, werden zu Forschungszwecken händeringend Öcher gesucht.

Und die sind in der Regel äußerst friedvolle Menschen.

Richtig gelesen: Aachener gesucht! Und zwar solche, die sowohl Hochdeutsch als auch Öcher Platt fließend sprechend, am besten regelmäßig. Das Alter spielt keine Rolle, redselig sollten sie halt sein und Lust auf Wissenschaft haben. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Forscher am Institut für Psychologie der RWTH haben ein Projekt aufgelegt, das sich mit dem sogenannten Sprachwechsel beschäftigt. „In einer immer internationaler werdenden Welt wechseln wir oft im Gespräch die Sprache“, sagt die Wissenschaftlerin Andrea Philipp (aus Augsburg), die mit dem Doktoranden Mathieu Declerck (aus Brügge) und der studentischen Mitarbeiterin Janika Thielecke (aus Bonn) bei dieser Studie gemeinsame Sache macht. „Wir wollen wissen, wie der Wechsel zwischen den Sprachen vor sich geht.“ Also, welche Kontrolle hat der Sprecher über die Sprachen, die ihm sehr geläufig sind?

Wie setzt er sie ein, wann stockt er, macht Fehler? Das Zauberwort heißt Sprachwechselkosten, die beim Springen von einer in die andere Sprache entstehen.

Wie sich das verhält, wenn es vom Deutschen ins Englische oder vom Türkischen ins Flämische geht, spielt in diesem RWTH-Projekt keine Rolle. Hier soll erforscht worden, was passiert, wenn Menschen einerseits fließend Hochdeutsch und andererseits einen Dialekt fließend sprechen und zwischen diesen Sprachen wechseln. Im Speziellen Hochdeutsch und Öcher Platt. Und solche Forschungsobjekte oder Versuchspersonen leben nur in Aachen - und sie werden gesucht.

16 Probanden sollen einen schönen, harmlosen, durchaus unterhaltsamen, knapp 45-minütigen Labortest im Institut durchlaufen. Vor dem Computer sitzen sie dabei, bekommen Bilder zu sehen, die eindeutig zu benennen sind: Baum, Haus, Tisch, Junge, Straße... Die Anforderung besteht darin, diese Begriffe in der laufenden Diashow auf Ansage entweder auf Hochdeutsch oder in Platt zu sagen: Boum, Huus, Dösch, Jong, Stroeß... Die Forscher zeichnen auf und beobachten - und ziehen am Ende der Untersuchungsreihe ihre Schlüsse.

Was passiert bei Sprachwechsel?

„Wir sind sehr gespannt“, sagt Janika Thielecke. Die Fragen am Institut: Ist das Öcher Platt wie eine eigenständige Sprache zu bewerten? Was passiert beim gebürtigen Öcher, wenn er zwischen dem Hochdeutschen und dem Platt hin- und herwechselt? Ist es wirklich so, dass der Dialekt vor allem dann durchschlägt, wenn es - „Oes noch!“ - emotional wird?

Der Wechsel zwischen Hochsprache und Platt: nicht, dass dem Öcher dieses Phänomen unbekannt wäre! Nur wissenschaftlich begleitet wurde er bei diesem täglichen „Experiment“ noch nicht!

Apropos wissenschaftliche Begleitung: Für den Öcher Hintergrund bei diesem Projekt sorgt ein original Öcher Mäddche. Angelika Kutsch, Vorzeigekabarettistin bei den Öcher Nölde, arbeitet im Nachbarlehrstuhl als Sekretärin. Welch Sege n! „Sie ist unsere wichtigste Beraterin“, sagt Andrea Philipp. Die Ergebnisse des Projekts, das haben die Wissenschaftler versprochen, werden auf alle Fälle ein großes Thema in der Aachener Zeitung sein.

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