RWTH löst U3-Gruppe kurzfristig auf

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Möglicherweise haben die Verantwortlichen den Begriff der Tagespflege etwas zu wörtlich ausgelegt. So jedenfalls könnte man die Kritik der Betroffenen im Kern zusammenfassen.

Fakt ist, dass eine Betreuungseinrichtung der RWTH für vordem neun Unter-Dreijährige in der City im August ziemlich kurzfristig dicht gemacht worden ist.

„Völlig überraschend und für uns nicht nachvollziehbar“ habe die Nachricht die Eltern wenige Wochen vor der Schließung ereilt, zürnt Vera Faust, eine der betroffenen Mütter. „Das Angebot ist über Jahre von dem engagierten Tagesvater Andreas Supper aufgebaut worden. Jetzt hat man ihm praktisch Knall auf Fall den Stuhl vor die Tür gesetzt“, sagt sie.

Keine Nachfolgerin gefunden

In der Tat habe der Familienservice der Hochschule ihn sogar erst im Juli darüber in Kenntnis gesetzt, dass eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich sei und die von der Stadt für die Betreuungsstelle angemieteten Räume im Gebäude der städtischen Kita in der Johanniterstraße gekündigt würden, erklärte Supper, seines Zeichens selbstständiger Tagesvater, auf AZ-Nachfrage.

Der 54-Jährige hatte die Gruppe vor acht Jahren als sogenannte Großtagespflegestelle ins Leben gerufen. Nachdem eine zweite Betreuerin ausgeschieden war, sei es jedoch nicht gelungen, die erforderliche Kraft zu ersetzen, erklärte Dr. Ulrike Brands-Proharam Gonzales, Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule. Damit sei der Standort als eine von vordem vier einschlägigen Anlaufstellen der RWTH für Sprösslinge von Hochschulmitarbeitern schlechterdings nicht mehr aufrechtzuerhalten gewesen.

Leider sei auch der Verein für Familiäre Tagesbetreuung außerstande gewesen, die personelle Lücke angesichts eklatanten Mangels an qualifizierten Kollegen zu füllen. „Der Familienservice des Gleichstellungsbüros hat aber für alle betroffenen Kinder nach individueller Beratung der Eltern alternative Betreuungsplätze vermitteln können, so dass kein Kind unversorgt bleibt“, betonte Brands-Proharam Gonzales. Man sei derzeit intensiv bemüht, in Zusammenarbeit mit dem städtischen Jugendamt weitere Plätze zu schaffen. Im Übrigen seien sowohl die Eltern als auch der Tagesvater „in angemessener Frist persönlich informiert“ worden.

Andreas Supper hilft das momentan freilich nicht. „Ich bin sehr enttäuscht und stehe jetzt praktisch erst mal auf der Straße“, sagte er. Er hoffe, dass er mit Unterstützung der Freien Evangelischen Gemeinde zum Herbst eine neue Betreuungsstelle in der Liebigstraße eröffnen könne, sobald die erforderlichen Genehmigungen vorlägen.

Vera Faust will die Schließung indes nicht einfach so hinnehmen: „Man hätte die Gruppe zumindest noch bis zum Ende des Jahres aufrechterhalten können“, findet sie – Bedarf sei schließlich in höchstem Maße vorhanden, auch wenn nach dem Sommer zunächst nur noch fünf Kinder die Tageseinrichtung hätten besuchen können. „So aber wurde den Eltern – und Herrn Supper – aus meiner Sicht einfach das Messer auf die Brust gesetzt.“ Geplant sei nun, einen gemeinsamen Brief an die Verantwortlichen gegen den „in dieser Radikalität völlig unnötigen Rauswurf“ zu richten.

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