Aachen - RWTH: Besonders leichte Fasern stabilisieren den Baustoff

RWTH: Besonders leichte Fasern stabilisieren den Baustoff

Von: Marie Ludwig
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Neuer Pavillon aus Textilbeton: An der Mies-van-der-Rohe-Straße ist der neue Vorzeigebau der RWTH entstanden. Er ist das Ergebnis von zwölf Jahren Sonderforschung. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es ist geschafft: Nach mehr als zwölf Jahren Sonderforschung im Projekt textilbewehrter Beton präsentiert die RWTH Aachen ihr Abschlusswerk: den neuen T3-Pavillon.

Rektor Prof. Ernst Schmachtenberg lobte bei der Präsentation das außergewöhnliche Engagement und Durchhaltevermögen aller Beteiligten. Denn bereits 1999 setzte sich an der RWTH erstmals das Gremium für textilbewehrten Betonbau zusammen. Bis heute sind die Aachener Hochschule und die Technische Uni in Dresden Pioniere auf diesem Gebiet. „Die Technik wurde hier bei uns entwickelt“, erklärte Josef Hegger, Leiter des Projekts und Prodekan des Lehrstuhls für Massivbau.

Durch eine fächerübergreifende Kooperation mit insgesamt elf Instituten ist es gelungen, das von der deutschen Forschungsgesellschaft finanzierte Projekt zu verwirklichen. Dass dort auch mal unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, wusste auch Projektkoordinatorin Stephanie Mäurer: „Natürlich haben die Architekten andere Schwerpunkte als die Bauingenieure“, erzählt sie.

Dennoch sei die Zusammenarbeit wirklich immer konstruktiv und gut gewesen. Wie auch bei anderen Unigebäuden – zum Beispiel SuperC oder „Toaster“ – wurde auch der Name T3-Pavillon in einem Wettbewerb ausgesucht. Erwählt wurde er vor allem deshalb, weil er mit den drei „T“ – Technologie, Transfer und Textilbeton – die wichtigsten Disziplinen vereint und mit der „3“ auf die Leitung des Projekts von Fakultät 3 verweist.

Die sechs Zentimeter dicken Textilbetonschalen wurden direkt vor Ort in Aachen produziert. Um die zwölf Stunden dauerte es, um eine der Textilbetonschalen anzufertigen. Für den Textilbeton wurde zunächst ein Netz aus Carbonfasern hergestellt, das wiederum mit Spritzbeton überzogen wurde.

Durch die Entdeckung dieses neuen Werkstoffs im Bau konnte der architektonische Entwurf des spanischen Architekten Félix Candelas wiederbelebt und neu verwirklicht werden. Denn ein besonderer Vorteil des Baustoffs ist gegenüber dem herkömmlichen Stahlbeton, dass dieser nicht rostet und auch bei äußeren Einwirkungen flexibel bleibt. So können die angefertigten Textilbetonschalen nun das Dach des Pavillons bilden, ohne dass der Baustoff unter den Wettereinwirkungen leidet.

Doch auch an die Regenwasserableitung wurde bei der Konzeption gedacht: So ist in jede Säule ein Kanal eingebaut, durch welches das Wasser abfließen kann. Nebenbei ermöglicht die textilbewehrte Methode bis zu 40 Prozent CO2-Einsparung gegenüber der herkömmlichen Betonproduktion und benötigt wesentlich weniger Material.

„Schau-am-Bau-Party“

Doch dass Innovation zunächst einmal kostet, ist auch Josef Hegger bewusst. „Die deutsche Forschungsgesellschaft hat das Sonderforschungsprojekt in den ganzen zwölf Jahren mit knapp 22 Millionen Euro unterstützt“, sagt er.

Durch eine weitere Kostenmobilisierung kann der als Forschungsdemonstrator gedachte Pavillon nun auch anderweitig genutzt werden. Denn da sich das Projekt der Verbesserung von Studienbedingungen verschrieben hat, wird der T3 bald ein Lernraum sein. Den Studierenden der Bauingenieurswissenschaften ist er schon seit langem ein alter Bekannter.

Denn da 2012 das Dach bereits stand, wurde der Rohbau von allen als „Draußenlernraum“ genutzt oder diente sogar bei der alljährigen Schau-am-Bau-Party als Cocktailbar. „Welcher Lernraum kann das schon von sich behaupten?“ finden auch die Studierenden und freuen sich auf den neuen T3-Pavillon.

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