Aachen - RWTH Aachen errichtet hochdynamischen Fahrsimulator

RWTH Aachen errichtet hochdynamischen Fahrsimulator

Von: Andreas Cichowski
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Am Haken: In Maßarbeit musste der Simulator durch eine vergleichsweise kleine Öffnung in die neue Halle bugsiert werden. Foto: Andreas Cichowski

Aachen. „Es ist wie beim Fußball“, meint Micha Lesemann, Oberingenieur beim Institut für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH, „das Runde muss ins Eckige“. Und tatsächlich wirkt es so, nur dass in diesem Fall der gigantische hochdynamische Fahrsimulator am ika um einiges größer und schwerer ist als ein üblicher Fußball und noch dazu durch eine gerade einmal 50 Zentimeter breitere Öffnung muss.

 Demensprechend kompliziert waren der Transport und die Montage.

Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) forscht das ika zum Thema Autofahren der Zukunft. „In dem Projekt geht es um die Frage: Wie fahren wir im Jahr 2020 und darüber hinaus?“, so Lesemann. Es gehe darum, die Bedienelemente eines Autos zu untersuchen und die Komplexität des Fahrsystems mit all seinen Fahrassistenten zu erforschen und gegebenenfalls zu vereinfachen.

„Werden wir in einigen Jahren überhaupt noch ein Lenkrad brauchen?“, fragt sich der Oberingenieur. Auch autonomes Fahren spielt eine Rolle, in erster Linie jedoch die Interaktion zwischen Mensch und Technik, auch um neue Fahrzeugkonzepte entwickeln zu können.

Seit 2013 wird diese Art „Zeitmaschine“ geplant und gebaut, welche interdisziplinären Forscherteams einen Blick in die Zukunft ermöglichen soll. Insgesamt rund zehn Millionen Euro werden in die Anlagen und das Gebäude investiert.

Um Beschleunigungen von zehn Metern pro Quadratsekunde standzuhalten, mussten zunächst beim Bau der Halle Betonpfähle mehrere Meter tief in den Boden getrieben werden, auf welchen das Maschinenfundament ruht. Nach einem Jahr Bauzeit war die Halle, ein hochschuleigenes und überwiegend selbstfinanziertes Gebäude, bereits fertig. Seit einem Jahr wurden tonnenweise Komponenten eingebaut, wie beispielsweise die Gussschienen.

„Von außen sah man wenig, aber es ging stetig voran“, berichtete Lesemann. Beispielsweise mussten die Schienen tagelang akklimatisieren, ehe sie auf Tausendstel Millimeter genau ausgerichtet werden konnten. Allein das hat zwei Wochen gedauert.

Bereits in der Nacht vor der Anlieferung machte sich dann der überbreite Transport beladen mit dem „Dom“ des Simulators auf den Weg vom Hersteller Hahlbrock bei Hannover auf den Weg nach Aachen. Als Sondertransport durfte dieser nur nachts fahren, begleitet von Polizei, denn bei 7,5 Metern Breite konnte dieser nicht einfach mal eben überholt werden.

Am eigentlichen Anlieferungstag wurde die 3,4 Tonnen schwere Kanzel mit einem Kran durch die eigens dafür angelegte Öffnung in der demontierten Fassade an ihren Platz gehoben und zunächst auf einem Montagegerüst abgelegt. Im Anschluss kann der Dom nun durch das sogenannte „Hexapod“ mit dem Querschlitten, der sich auf den Gussschienen bewegt, verbunden werden. Das Hexapod besteht aus sechs großen Zylindern, so dass der Simulatordom in alle Richtungen beweglich ist. „Dadurch sind wir in der Lage, Wechsel über drei Fahrspuren realistisch zu simulieren“, erläuterte Lesemann. Weltweit gäbe es dann nur zwei Simulatoren dieser Art und nur eine Hand voll Vergleichbarer.

Auch die elektrische Leistung ist beeindruckend: Ein Megawatt muss im Zweifelsfall zur Verfügung stehen. Zwar verbraucht der Simulator später gemittelt nur einen Bruchteil davon, in der Spitze braucht es aber die hohe Leistung. „Wir ziehen Strom beim Beschleunigen, speisen ihn beim Bremsen aber wieder ein“, erklärte der Oberingenieur.

Mit 25 Jahren Erfahrung in der Entwicklung und Realisierung von Speziallösungen ist IMTEC engineering maßgeblich für die Konstruktion und Realisierung des neuen Fahrsimulators des ika – wie zuvor schon einer ähnlichen Anlage bei der Daimler AG in Sindelfingen – verantwortlich. Am ehemaligen Fahrsimulator von Daimler in Berlin konnte im Übrigen auch Institutsleiter Prof. Dr. Lutz Eckstein während seiner damaligen Zeit als Mitarbeiter viele Erfahrungen sammeln.

Schon jetzt sei das ganze Team heiß drauf, den neuen Simulator endlich testen zu dürfen, „uns eingeschlossen“, so Lesemann. Doch bis es soweit ist muss noch jede Menge getan werden. Um Ostern nächsten Jahres soll der Fahrsimulator seinen Betrieb aufnehmen. Durch das große Fenster kann dann jeder zuschauen. „Ein echtes Schaufenster in Sachen Forschung“, freut sich Lesemann.

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