RWTH Aachen: 147 Millionen Euro werden investiert

Von: Thorsten Karbach
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Überragend: Gegen die Kräne, die auf der Baustelle für das neue Hörsaalzentrum Schwerstarbeit leisten, sieht das Riesenrad auf dem Bend wie ein Spielzeug aus. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wasser marsch! Unglaubliche 1200 Liter pro Sekunde werden im Mai in die neue Halle rauschen. Dafür wurden Stahl, Beton, Glas und Steine bewegt. Das klingt berauschend – vor allem für die Wissenschaftler, die dann an der Mies-van-der-Rohe-Straße einziehen werden. Für 13 Millionen Euro ist hier der Neubau für das Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft (IWW) und das Lehr- und Forschungsgebiet Ingenieurhydrologie gebaut worden.

70 Mitarbeiter werden dann rund 5000 Qua-dratmeter Nutzfläche erschließen dürfen. Der Blick der Forscher wird vor allem in die Versuchshalle führen: 35 Meter Spannweite misst diese und wurde ohne Stützten errichtet. „Hier werden Wasserläufe nachgebaut, kann die Natur simuliert werden“, erklärt Ute Willems, stellvertretende Niederlassungsleiterin des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) NRW in Aachen.

Alles im Fluss, könnten die Verantwortlichen beim BLB sagen. Als Bauherr des Landes und damit für die RWTH Aachen hat er in den vergangenen Jahren immer wieder Millionenprojekte gestemmt. Und auch jetzt sind es – neben den beiden prestigeträchtigen Campusprojekten in Melaten und am Westbahnhof – allein sieben große Baustellen im eigentlichen Kerngebiet der Hochschule rund um den Templergraben und im Bereich Mies-van-der-Rohe- und Kopernikusstraße. 147 Millionen Euro werden in Um-, Aus- und Neubauten investiert. Der IWW-Neubau (in der nebenstehenden Grafik die „5“) ist fast fertig, an der Claßenstraße werden im Juni zumindest die Rohbauarbeiten abgeschlossen. Dort entsteht laut BLB Deutschlands größtes Hörsaalzentrum (1), möglicherweise ist es auch das größte Europas.

Die Zahlen sind jedenfalls beeindruckend: 4000 Studierende werden hier Platz finden. Es gibt elf Hörsäle, einen mit 1000 und einen mit 800 Plätzen. Hinzu kommen 16 Seminarräume, Lager und Arbeitsbereiche für die Physiksammlung, Pausenhalle und ein Café in einer transparenten Mittelhalle – und das alles auf 14 000 Quadratmetern Fläche. Beeindruckend ist auch, wie die Pläne des dänischen Büros „schmidt hammer lassen architects“ für 45 Millionen Euro Wirklichkeit werden: 55 Tonnen schwere Fachwerkträger werden von einem 400-Tonnen-Autokran in Position gebracht. Bis zu 24 Meter sind diese Trägerteile lang. „Das ist außerordentlich spannend“, beschreibt Bernd Klass, Sprecher des BLB Aachen, die Arbeiten.

Es hängt viel an dieser Baustelle, auf der die Kräne Schwerstarbeit verrichten. Die RWTH braucht dringend Hörsäle. Die Studentenzahlen werden steigen, und ein paar Meter weiter wartet ein Traditionshaus der Hochschule auf die ausstehende Sanierung: das Audimax. „Wenn das Hörsaalzentrum fertig ist, können wir das Audimax außer Betrieb nehmen und sanieren“, erklärt Willems. Und nach dem Audimax wartet das Kármán-Auditorium auf die Bauleute. Einen Zeitplan gibt es aber nicht.

Am Templergraben ist ein anderes Gebäude dagegen fertig. Ende April wird die „Bibliothek 2“ (2) neben der Hochschulbibliothek eingeweiht. Einst unterhielt die physikalische Chemie in dem Haus Labore. Die Formel für die Architekten war klar: aus alt mach neu. Nach Plänen des Aachener Büros Mescherowsky wurden seit Ende 2011 für sechs Millionen Euro Decken entfernt und großzügige Lesesäle geschaffen.

Ein neues Gesicht erhält die RWTH Aachen insbesondere in dem Viereck Eilfornschornsteinstraße, Augustinerbach, Pont-straße, Templergraben. Es besteht aus dunklen Laborhallen und transparenten Büros, wurde vom Bochumer Büro „SchürmannSpannel“ entworfen und hört auf den Namen „Technikum“ (3). Seit Dezember 2009 laufen die Bauarbeiten, im Mai werden die neuen Bürotrakte bezogen – von Wissenschaftlern aus dem benachbarten Sammelbau Maschinenbau. Denn das 13.000-Quadratmeter-Hochhaus wird nach dem Umzug komplett saniert. Ein Abriss war angedacht, hätte aber den Kostenrahmen gesprengt. Stattdessen wird erneuert und sogar die Fassade erhalten. „Sie ist in schlechtem Zustand, aber schön für ihre Zeit, und wir halten sie auch in ihrer Farbgebung für erhaltenswert“, erklärt Willems. Mitte 2015 soll dann alles an Ort und Stelle fertig sein – 44 Millionen Euro werden investiert.

An der Ecke Turmstraße/Professor-Pirlet-Straße finanziert die Hochschule für zwölf Millionen Euro das Chemiepraktikum (4). 1500 Quadratmeter Nutzfläche warten auf die Fachgruppe Chemie der Fakultät 1 – bis 2014. Bereits im September wird auch mit dem Abschluss der Sanierung des Betonhauses an der Kopernikus-straße gerechnet. Das Rechenzentrum wird für sieben Millionen Euro instand gesetzt. „Auch hier erkennt nicht jeder den architektonischen Wert. Aber es ist ein typisches Gebäude der 1960er Jahre“, erläutert Willems. Auf eine Dämmung von außen wird deswegen verzichtet, die Betonoptik bleibt damit in Stein gemeißelt – und gedämmt wird von innen.

Einmalige Optik

Absolut einmalig wird die Optik ein paar Meter weiter. Im März war Spatenstich für die ICT (Information and Communication Technology) Cubes (also Würfel), in denen sechs Institute der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik der RWTH untergebracht werden. 9000 Quadratmeter Fläche, 20 Millionen Euro Kosten, Fertigstellung Ende 2014. Das sind die Eckdaten. Unvergleichlich wird aber die Fassade des Hauses nach Plänen des Aachener Büros „kadawittfeld“. Der Sonnenschutz wird zum Informationsträger, drei Varianten bilden einen digitalen Zahlencode. Auch das klingt berauschend.

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