Aachen - „Rundes“ Fest für den wahren Herrn der Ringe

„Rundes“ Fest für den wahren Herrn der Ringe

Von: Manfred Kutsch
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Vor der Kulisse des Aachener Doms und flankiert von den wichtigsten Damen seines Lebens: Prosper Brüderlin mit Ehefrau Gerda und Tochter Anne Common. Heute feiert der bekannte und engagierte Goldschmied seinen 80. Geburtstag. Foto: Manfred Kutsch

Aachen. Ein wahrer „Herr der Ringe“, nicht nur als Goldschmied: Was er anpackt, hat sich immer zu einer abgerundeten Einheit geschlossen. Die Familie allen voran. Aber auch seine ungezählten Initiativen und Impulse für Aachen, das Handwerk und „sein“ Domviertel.

Am Mittwoch schließt sich ein weiterer Ring seines Lebens – Prosper Brüderlin, Ehrenobermeister der Goldschmiedeinnung und eine meinungsstarke Säule der Stadt, wird 80 Jahre alt.

„Acht Jahrzehnte. Das ist ein langes Leben“, lächelt der Jubilar erkennbar demütig. Und seine hellwachen Augen funkeln dabei wie Edelsteine, die er mit seinem Werkstattteam seit 1958 ausschließlich zu Unikaten verarbeitet und die ihn weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt machten – bei einer Kundschaft, die auch aus Luxemburg oder vom Bodensee, aus Paris, Brüssel oder Amsterdam anreist.

Wer den Grandseigneur des filigranen Handwerks erlebt, sein Lächeln, seine kurzen, aber trefflichen Kommentare, kann die lateinische Wurzel seines Vornamens leicht ableiten: glücklich, erwünscht. Ebenso die englische Herkunft „to prosper“: gedeihen, blühen. Nach 80-jährigem Prosperieren darf die Frage also erlaubt sein: Was ragt aus diesem Lebensglück heraus?

Ohne Zweifel: „Meine Familie“, sagt er, also Ehefrau Gerda, mit der er im kommenden Jahr die Goldene Hochzeit feiert, und Tochter Anne Common, die an der immer noch aktiven Seite des Vaters nicht nur die 176 Jahre alte „Goldschmiede Brüderlin am Dom“ übernahm, sondern ihm mit Frederic (13) und Justus (10) auch zwei Enkel schenkte.

Wir sitzen in etwa 15 Meter Höhe auf der Dachterrasse seines Jugendstil-Baus von 1899, in rund 50 Meter Luftlinie zum Oktogon des Aachener Münsters. Den faszinierenden Blick teilen wir mit einem gut gelaunten Gartenzwerg, der gleich neben der Hollywood-Schaukel platziert ist. Der Kaffee dampft. 78 Stufen musste er hinauf balanciert werden. Ein Gipfelgespräch über 80 Jahre Leben. Über Brüderlins Spuren in der Innung, deren Obermeister er 16 Jahre war, über die im Rathausverein, in der IHK, der Erholungsgesellschaft, in der Pfarre St. Foillan und der Stiftung, die das vernichtete Ratssilber neu beschaffte. Ganz zu schweigen von seiner Leidenschaft für die IG-Domviertel.

Kein Wunder, dass ein Netzwerker wie Prosper Brüderlin über ein Phänomen unseres Zeitgeistes die Schultern zuckt: „Es ist schade, dass der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft so schrumpft. Immer weniger Menschen, vor allem junge, engagieren sich in Gemeinschaften, Vereinen, Parteien.“ Er versucht sich das zu erklären: „Unser Leben, auch das familiäre, wird immer ich-bezogener und dezentraler.“ Dabei wandert seine linke Hand im Halbkreis durch die Luft.

Sorgen macht sich das Mitglied der deutsch-griechischen Gesellschaft auch um „dieses stolze, tolle und gastfreundliche Volk“, dessen Regierung „viel früher eins vor den Bug hätte bekommen müssen“. Ansonsten aber pflegt der Bundesverdienstkreuzträger auch in unserem Geburtstagsplausch seine Lebenskunst – die des positiven Denkens. „Ich weiß jeden Tag zu schätzen, freue mich über die Begegnungen mit Freunden oder Nachbarn beim frühmorgendlichen Brötchen holen“, sagt er.

Gegen die Bedenkenträger

Eine ganze Schublade voll von Argumenten hat der Goldschmied gegen Bedenkenträger. Etwa im Spannungsfeld des Einzelhandels mit dem digitalen Geschäft. Kaufmann Brüderlin hat ein Rezept für den Reiz des analogen Shoppens: „Mein Credo ist: schicke Auslagen, fantasievolle Dekoration, Freundlichkeit und nochmal Freundlichkeit, und natürlich qualifizierte Beratung.“ Ein Alltagsangebot, „das Menschen in ihrer Stadt zusammen führt“ – weit weg von Amazon & Co.

Stichwort Aquis Plaza. Auch hier kein Wort des Jammerns. Im Gegenteil: „Dieses Projekt hat bewirkt, dass wir alle in der Altstadt näher zusammengerückt sind“, meint Brüderlin mit Blick auf die IG‘s Dom, Markt, Kockerell- und Großkölnstraße: „Da ist viel Gemeinschaftsgefühl entstanden, da guckt nicht jeder auf den Euro, wenn es darum geht, etwas zu verbessern oder weiterzuentwickeln.“ Und fügt hinzu: „Aquis Plaza war für viele wie ein Weckruf.“

Und im Übrigen finde er es besser, dass sich eine solche Mega-Galerie „am Kaiserplatz, also im Zentrum, ansiedelt und nicht auf der grünen Wiese – wie in anderen deutschen Städten“, sagt Prosper Brüderlin. Eine Wespe weicht seiner neuerlich beherzten Gestik aus.

Der Blick fällt wieder auf das Oktogon, über dem sich Schäfchenwolken gruppieren, die mühelos die Mittagssonne durchlassen. Was bedeutet ihm dieses Leben im unmittelbaren Schatten des Unesco-Kulturerbes, wie hat das diesen Freigeist geprägt? Die Antwort kommt prompt: „Ich bin ein zutiefst gläubiger Katholik und habe ein Herz für alle anderen Religionen.“ Feste Überzeugung und zugewandte Toleranz – auch diese Merkmale schließt Prosper Brüderlin zu einem Ring.

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