Aachen - „Rund um Dom und Rathaus“: Der Pflasterstein bleibt in Aachen

„Rund um Dom und Rathaus“: Der Pflasterstein bleibt in Aachen

Von: Wilhelm Peters
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Verschärfte Bedingungen auf nassem Pflaster: Das Wetter war der größte Feind der Sportler. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Seine Augen verdrehten sich leicht, ein doch ziemlich heftiges Kopfnicken kam hinzu, und eine Menge Respekt war im Tonfall unüberhörbar, als Heiko Homrighausen die Frage beantwortete, ob er Christian Grasmann denn kenne? „Oh jaaaa, aus dem Fernsehen“, sagte der 20-jährige Radrennfahrer des RC Zugvogel 09 Aachen.

 Homrighausen hatte gerade das Traditionsrennen „Rund um Dom und Rathaus“, das der RC Zugvogel zum 42. Mal ausrichtete, im Aachener Schmuddelwetter vor Grasmann und dem drittplatzierten Tschechen Jan Ryba (Sparta Prag) gewonnen. Was Vereinschef Guido Diefenthal „sportlich super“ fand, „weil Heiko der erste Fahrer im Zugvogel-Trikot ist, der ganz oben auf dem Treppchen steht. Als unser Klubmitglied Michael Schweizer 2011 siegte, fuhr der damals mit einer Lizenz und im Trikot seiner Mannschaft Nutrixxion.“

Jener Christian Grasmann, den Homrighausen im finalen Sprint auf Platz zwei verwiesen hatte, und den er vorher also nur aus dem Fernsehen kannte, flimmerte zum Beispiel 2016 via TV in die Wohnzimmer, als er mit Rennpartner Kenny De Ketele das Sechstagerennen in Bremen gewann. Im Januar 2017 war der 36-jährige Bahnspezialist aus München vom RV Irschenberg im Velodrom von Rotterdam nach sechs Tagen wieder der Schnellste. Diesmal an der Seite von Mike Kluge. „Ich bin nicht so gut im Sprint“, sagte Grasmann bei der Siegerehrung mit einem Schmunzeln, „und Heiko ist ein extrem guter Rennfahrer. Aachen ist ein tolles Pflaster, die Atmosphäre, das Publikum waren großartig“, machte Grasmann Komplimente und erntete viel Applaus.

Der wurde noch einige Dezibel lauter, als der Lokalmatador aus Herzogenrath auf das oberste Podest mit der mit der Nummer 1 sprang. „Das Regenwetter spielte mir in die Karten“, gab der Sieger zu Protokoll. Er, der in der Rad-Bundesliga für das Team „Embrace The World Cycling“ fährt, kam mit den hohen technischen Anforderungen des auf 50 Runden (45 Kilometer) verkürzten Kriteriums auf dem regennassen Kopfsteinpflaster am besten zurecht.

Der glitschige Untergrund war für manche Teilnehmer zu schwierig. „Es gab eine Reihe Stürze, aber für die höchsten Amateurklassen und Halbprofis war das Risiko nicht so groß, die kennen das. In den Vorrennen gab es leider zwei Stürze, die nicht so glimpflich ausgegangen sind. Ein junger Fahrer musste mit Verdacht auf Beckenfraktur ins Krankenhaus, ein anderer mit Verdacht auf Daumenbruch aussteigen“, sagte Diefenthal.

Als kämpferischster Fahrer wurde Zugvogel-Mitglied Christoph Schweizer aus Aachen vom Bundesliga-Team „Sauerland NRW“ geehrt. Er wurde undankbarer Vierter, musste sich aber, als er schon in der ersten Runde „ausgebremst“ worden war, alleine wieder zurückkämpfen auf die vorderen Plätze. „Das war mein Bruder Michael schuld“, sagte er schmunzelnd.

Der Sieger von 2011, der diesmal mangels Rennpraxis wegen seines Karriereendes nach sechs Runden ausstieg, startete das Rennen in einem Höllentempo. In einer Kurve zum Büchel hinauf stürzten einige seiner Verfolger. Christoph Schweizer kam nicht an ihnen vorbei, musste anhalten. Eine Gruppe aus sechs Pedaleuren, darunter die drei, die später auf dem Podium standen, hatten die Kurve noch bekommen, waren weg. Im Verlauf des Rennen fuhren dann Homrighausen und Grasmann aus dem Sextett heraus und machten den Sieg unter sich aus, während Ryba und Christoph Schweizer dann um Platz drei kämpften – mit dem besseren Ende für den Tschechen.

Homrighausens Leistung ist unabhängig von den widrigen Wetterverhältnissen umso höher einzuschätzen, als dass er nach einem Sturz in der dritten Runde mit einem defekten Schuh weiterfahren musste. Der Klickverschluss für die Pedale war gebrochen. Da aber Technik mehr gefordert war als Kraft, störte ihn das Missgeschick weniger. „Ich war am Ende um ein paar Körner besser“, freute er sich. So bleibt die Siegtrophäe, ein Pflasterstein auf Plexiglas, in Aachen, statt nach München oder Prag zu „radeln“.

Ergebnisse, Klasse KT/AB (45 km):
1. Heiko Homrighausen (Zugvogel Aachen) 1:11:48 Std.;
2. Christian Grasmann (RV Irschenberg) gleiche Zeit;
3. Jan Ryba (Sparta Prag);
4. Christoph Schweizer (Team Sauerland/Aachen);
5. Jan-Niklas Jünger (Team Embrace The World Cycling);
6. Dennis Klemme (Stevens Racing Team), alle eine Runde zurück.

Klasse C (31,5 km):
1. Martin Neffgen (RSV Düren);
2. Daniel Rummler (RSV Aachen);
3. Florian Vickis (Rheinbach)

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