Rund 600 Menschen demonstrieren auf dem Katschhof

Von: Mischa Wyboris
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Fahnen hoch für bessere Arbeitsbedingungen: In der City versammelten sich 600 Erzieherinnen und Eltern zum Protestzug.

Aachen. Martina Reiners hat vieles mit ihren Kindern gemeinsam - und dazu zählt seit kurzem auch der Bewegungsdrang. „Nur still sitzen kann ich nicht”, sagt die Mutter und wäre längst bei der lautstarken Demonstration in der Innenstadt, um auch die Interessen ihrer Kinder zu vertreten - wenn sie da nicht ein Problem hätte: ihre Kinder.

Während sich am Kugelbrunnen rund 600 Erzieherinnen und Eltern zusammenfinden, um den gemeinsamen Demonstrationszug in Richtung Katschhof anzutreten, muss Reiners auf ihre drei Töchter aufpassen, denn in den Kindertagesstätten wird weiter gestreikt. Es ist schon der elfte Tag seit dem 6. Mai, an dem die Beschäftigten der Kita Auf Überhaaren ihre Arbeit eingestellt haben und so für bessere Arbeitsbedingungen - größerer Gesundheitsschutz, mehr Personal, höhere Löhne - protestieren.

„Die Eltern verlieren die Geduld”, bringt es Uli Weber, Elternratsvorsitzender des Montessori-Kinderhauses, auf den Punkt und ist überzeugt: „Wären wir in der freien Marktwirtschaft, hätten wir bessere Druckmittel.” Viele Eltern würden „doppelt zahlen, weil sie in eine Tagesmutter investieren müssen”, erklärt Rauke Bornefeld vom Elternbeirat die derzeit „katastrophale Lage, in der die Kinder die Konstanz in der Betreuung verlieren”.

Dem kürzlich gestellten Antrag auf Erstattung von Elternbeiträgen hat der Beirat deshalb nun Unterschriftenaktionen an alle im NRW-Landtag vertretenen Parteien sowie an den städtischen Fachbereich Kinder und Jugend folgen lassen, in der die Betroffenen die Kommunen und Gewerkschaften auffordern, den Streik zu beenden. Weber geht von „mehr als tausend E-Mails” von mit den Erzieherinnen meist solidarischer, aber ratloser Eltern aus.

Protest innerhalb der eigenen vier Wände, während sich draußen in der Stadt ein endlos erscheinender Menschenzug formiert - Pädagogen und Eltern ziehen dabei buchstäblich an einem „Strang” aus 300 Meter langer Silberfolie in ihrer Mitte. „Hopp, hopp, hopp - Kibiz ist ein Flop!”, skandiert die Gruppe am Kugelbrunnen und singt: „Wir fordern es auch heute, wir brauchen viel mehr Leute!” Erzieherinnen sämtlicher Kitas fordern vehement das Ende der „Bahnhofspädagogik” und mahnen: „Gesundes Fachpersonal bedeutet effektiver Kinderschutz!”

„Viele junge Kräfte glauben nicht mehr, ihr Rentenalter als Erzieherin zu erreichen”, erklärt Achim Hillmann, Vorsitzender der Fachkommission Kitas in Aachen und Leiter der städtischen Kita In den Küpperbenden, auf dem Weg zum Katschhof, der nach der Ankunft des Demonstrationszuges um ein Konzert reicher ist - eines mit Klappern und Trillerpfeifen.

„Gebühren zurück!”

„Wir haben uns als Aachener Eltern gefragt, ob wir in der falschen Stadt leben”, trifft Sabine Schlömer im Namen der protestierenden Eltern die Kaiserstadt im Mark ihrer selbsternannten Familienfreundlichkeit und fordert nach dem Vorbild anderer Städte die gezahlten Gebühren zurück. „Das ist Tag für Tag Chaos-Management”, beschreibt die Betroffene Ursula Eschweiler ihre momentane Situation, und so hofft die Streikende auf ein baldiges Streikende.

Als der stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiter Uli Dettmann im Fernduell CDU-Minister Armin Laschet auffordert, „Kibiz auf den Müll der Geschichte” zu befördern, geht es im Verwaltungsgebäude gemäßigter zu: Dort nimmt Bürgermeisterin Hilde Scheidt eine Einladung der Kita Franz-Wallraff-Straße entgegen, wo sie sich in den nächsten Tagen vom Erzieherinnen-Alltag überzeugen will. „Der Streik ist Ausdruck dessen, was wir alle wissen”, sagt die Grünen-Frau und will Eltern wie Erzieher motivieren: „Machen Sie weiter - es lohnt sich!”
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