Aachen - Ruhe bewahren ist im Ernstfall die erste Schülerpflicht

Ruhe bewahren ist im Ernstfall die erste Schülerpflicht

Von: Martina Stöhr
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Auf eine nukleare Katastrophe vorbereitet: Die Eltern haben auf Listen vermerkt, welche Maßnahmen Lehrer bei den Kindern ergreifen sollen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Was tun, wenn es zu einer Katastrophe kommt? Diese Frage haben sich Eltern und Lehrer am St. Leonhard-Gymnasium gestellt und dann entsprechend reagiert. In einer „Handreichung“ haben sie all die Dinge aufgelistet, die im Ernstfall wichtig sind. Dabei denken sie nicht allein an einen möglichen Störfall im Pannenreaktor Tihange, sondern auch an Naturkatastrophen oder längere Stromausfälle.

Die Ruhe bewahren und besonnen handeln: Das ist der erste Rat, den die „Handreichung“ Lehrern, Schülern und Eltern für den Ernstfall mit auf den Weg gibt. „Es bringt gar nichts, wenn die Schüler die Schule überstürzt verlassen“, betont Nina Trogus-Liegmann, stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende des St. Leonhard. Ganz im Gegenteil: Wichtig sei, die Kontrolle über den Aufenthalt der Schüler zu behalten.

So soll in entsprechenden Listen vermerkt werden, was die Eltern für ihre Kinder im Ernstfall wünschen. Sollen sie beispielsweise bei einem Reaktorunfall in der Schule mit Jodtabletten versorgt werden oder lieber nicht? Wer ist im Ernstfall berechtigt, sie abzuholen oder sollen sie zunächst in der Schule bleiben? Oder dürfen sie alleine nach Hause gehen? All diese Fragen sollen im Vorfeld geklärt werden, um im Ernstfall zu wissen, was zu tun ist. „Auf die Lehrer kommen in einem solchen Fall große Herausforderungen zu“, meint Dr. Carmen Reque, Schulpflegschaft. Sie sollen in jedem Fall im Auge behalten, welche Schüler den Heimweg selbstständig antreten dürfen, und wer in der Schule bleibt, bis er abgeholt wird.

Das Notfallteam gibt in den Handreichungen konkrete Anweisungen über die Vorgehensweise bei verschiedenen Katastrophen-Szenarien. So sollen beispielsweise die Außentüren bis auf eine sogenannte Schleuse verschlossen werden, um kontrollieren zu können, welche Schüler die Schule verlassen. „Alle angenommenen Situationen wie nuklearer Störfall, längerer Stromausfall, Erdbeben oder starker Sturm haben Gemeinsamkeiten“, meint das Team.

„Der Verkehr auf den Straßen wird zusammenbrechen, das Abholen der Schüler durch Eltern wird nur bedingt oder gar nicht möglich sein“, heißt es in der Broschüre. Die Schule sollte den Schülern also unbedingt so lange wie erforderlich Sicherheit bieten.

Für die Klassen soll es Notfallboxen geben, die unter anderem Jodtabletten, Staubschutzmasken für den Fall einer atomaren Wolke, Schokoriegel, Trinkbecher und Infos zum individuellen Heimweg der Schüler enthalten. All diese Maßnahmen dienen dem Ziel, Panik zu vermeiden. „Die Schüler sollen sich in aller Ruhe in ihrem Klassenraum sammeln und vielleicht etwas essen und trinken. Dort warten sie, bis sie nach Hause gehen können oder abgeholt werden“, meint Dr. Carmen Reque.

Die Notfallbroschüre wird demnächst am St. Leonhard-Gymnasium verteilt. Außerdem wünschen sich Eltern und Lehrer, dass andere Schulen ihre „Handreichungen“ übernehmen.

Denn die behördlichen Informationsbroschüren gehen nach Meinung des Notfallteams nicht weit genug. „Viele praktische Fragen bleiben unbeantwortet und die Umsetzung ist nicht organisiert“, meint das Team. Deshalb präsentiert es jetzt diese detaillierten Handlungsempfehlungen, und dies in der Hoffnung, möglichst viele Nachahmer zu finden. Denn die Auseinandersetzung mit möglichen Ernstfällen nehme Schülern und auch Eltern bis zu einem gewissen Grad die Angst davor, meint das Team.

 

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