Rüttgers sieht sich an der Spitze angelangt

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
Elisengalerie
Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Dr. Jürgen Rüttgers ist ganz oben angekommen. Nicht nur weil der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens den Orden wider den tierischen Ernst, den „Nobelpreis des Humors”, wie in der verleihende Aachener Karnevalsvereine (AKV) seit neuestem tituliert, sein Eigen nennen kann. Nein, Rüttgers sieht sich auch rein geographisch an der Spitze angelangt.

Schließlich sei Aachen die höchstgelegene Stadt Deutschlands. Das glaubte der Ministerpräsident zumindest nach seiner Anreise über die Autobahn. Viele Gefährte mit durchdrehenden Reifen habe er gesehen und das müsse ja wohl daran liegen, dass es Richtung Aachen stets steil bergauf gehe.

Ein humorvoller und schlagfertiger Rüttgers präsentierte sich auf der Bühne in der Elisengalerie. Da war er noch ein designierter Ordensritter. Und dem Landesvater war nicht ein Wörtchen zu entlocken, worauf sich das Publikum bei seinem abendlichen AKV-Auftritt einstellen kann. Das wohl derzeit bestgehütetste der Staatskanzlei konnten auch AZ-Redakteur Manfred Kutsch und AKV-Elferrat Rolf Gerrards, die die Veranstaltung moderierten, nicht ansatzweise lüften.

Zugeknöpft gab sich der Ministerpräsident nur bei diesem Thema. Über die Verteilung von Entscheidungskompetenzen im Hause Rüttgers gab er dagegen bereitwillig Auskunft: „Meine Frau ist für die normalen Sachen - Haus bauen, Auto kaufen, Kinder kriegen - zuständig. Ich entscheide dann die wichtigen Sachen. Ob China in die Uno kommt zum Beispiel.” Und die Gründung des Karnevalsvereins „Brauweiler Freunde 1978”, an der der Ministerpräsident damals maßgeblich beteiligt gewesen war, sieht er im Rückblick als eine Aktion friedlichen Widerstandes: „Wir waren ja damals eingemeindet worden.”

Einreihen wird sich Rüttgers in die Reihe der AKV-Ordensritter. Sein Auftritt wird begleitet von viel Prominenz und Millionen Fernsehzuschauern. Wie er sich mit Blick auf den bevorstehenden Auftritt fühle, wollte Kutsch wissen. „Jut”, sagte der Ministerpräsident „mit drei J.” Okay, die Nervosität steige stündlich, schließlich säßen im Publikum ja alle, „die in Aachen Rang und Schulden haben.”

Apropos: Seine Pflicht gegenüber den Aachenern dürfe der AKV keinesfalls schuldig bleiben. Das sagte dessen Ordenkanzler Constantin Freiherr von Heeremann: „Wir dürfen nicht vergessen: Wir sind für die Öcher da!” Dafür gab es den lautesten Applaus. Und mit der 60. Ordensverleihung vor der Brust blickte von Heeremann auf die positive Entwicklung der Veranstaltung zurück. Moderner, aufgeschlossener und verbindlicher sei das Ganze heute. „Früher war ja der Elferrat da oben aufgebahrt und Präsident Crous haben wir ab und an zum Lachen in den Keller geschickt.”

Das Lachen des damaligen US-Botschafters John C. Kornblum war dagegen 1999 in der ganzen Welt zu sehen. Denn als dem ihm die Ritterwürde verliehen wurde, nahm das die „London Times” zum Anlass für ein riesiges Titelbild. Kornblum bekam am Folgetag Anrufe aus der Heimat: „Die wollten wissen: Was machst du da eigentlich?”. Er habe dann etwas von kultureller Verständigung erzählt. Bei ihnen, den Leserinnen und Lesern unserer Zeitung, kam Kornblums Auftritt jedenfalls bestens an. Mit 1,86 wurde die Festsitzung 1999 bewertet, nach wie vor die beste Note, die die Leserjury je vergeben hat. Und bald dürfen Sie entscheiden, ob Ritter Rüttgers auch in dieser Kategorie ganz oben landet.
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