Aachen - Rudolf Henke: „Über die Liste bin ich nicht zu haben“

Rudolf Henke: „Über die Liste bin ich nicht zu haben“

Von: Robert Esser
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Will sich zum dritten Mal als Aachener Direktkandidat durchsetzen: Rudolf Henke (CDU). Foto: Michael Jaspers

Aachen. Überraschung ausgeschlossen? Damit beim Klinkenputzen im Wahlkampf nichts schiefläuft, hat die CDU gerade „elektronische Haustüren“ angeschafft. Die sehen fast so aus wie echte, sind ähnlich groß. Und wenn man an der computergesteuerten LED-Wand klingelt, meldet sich im parteieigenen Trainingslager ein imaginärer Bewohner – zustimmend, fluchend, ablehnend, interessiert...

„Die Varianten sind vielfältig, so haben wir unsere Teams optimal für den echten Haustürwahlkampf geschult“, erzählt Rudolf Henke. Berührungsängste darf man sich da nicht leisten. Der Aachener Christdemokrat will wieder ins Berliner Parlament. Seit 2009 gehört er der CDU-Fraktion im Bundestag an. Zuletzt hat er seine Konkurrentin Ulla Schmidt (SPD) 2013 klar geschlagen.

Mit 40,7 Prozentpunkten lag er 5,4 Prozentpunkte vor seiner Rivalin. Schon vier Jahre zuvor hatte sich der Vorsitzende des Marburger Bundes gegen die damals amtierende Gesundheitsministerin durchgesetzt. Und auch diesmal setzt er vehement auf die Erststimmen. Nur wenn am 24. September in Aachen genügend Kreuzchen hinter seinem Namen landen und er das Direktmandat erneut holt, bleibt Henke Bundestagsabgeordneter. Dass er von seinem Platz 30 auf der Reserveliste „nachrutscht“, ist nahezu ausgeschlossen.

„Jedem in Aachen muss daran gelegen sein, dass möglichst viele Aachener im Bundestag vertreten sind, das ist enorm wichtig“, sagt der Arzt, der 1972 zum Medizinstudium nach Aachen gekommen war. „Noch wichtiger ist, dass ein Aachener in der stärksten Fraktion des neuen Bundestages sitzt, das wird aller Voraussicht nach die CDU – deswegen kämpfe ich“, fügt er hinzu. Wenn Henke das Direktmandat nicht gewinnt, wird kein Aachener an der Spree an Bord der Union sein. Für den CDU-Mann und sein Team ist das natürlich keine Option.

Wir treffen Henke zum Gespräch an der Hochschule, am Super C. Mit seinem eigenen Wahlkampfmobil, auf dessen Türen und Fenstern sein Konterfei riesengroß lächelt, fährt er selbst vor. Womit das erste Thema, das auch beim Klinkenputzen der CDU-Teams eine Hauptrolle spielt, feststeht: drohendes Dieselfahrverbot. Henke ist strikt dagegen. „Ein Verbot wäre vorschnell und falsch“, sagt er – trotz Stickoxid-Grenzwertüberschreitungen auch in Aachen. Er fordert die Nachrüstung dieselnder Autos. „Technisch geht das.“

Er will Flottenverkehre – also etwa Busse und Paketdienste – elektrifizieren und zeigt sich ausdrücklich offen für andere emissionsarme oder bestenfalls -freie Technologien. „Die Japaner fahren hervorragend mit der Entwicklung neuer Brennstoffzellen-Technik für Autos“, sagt Henke. Da sei man schon bei Reichweiten von 600 Kilometern, berichtet er von seiner letzten Asien-Reise.

Überhaupt: Bildung, Forschung, Innovation – das treibt den 63-Jährigen um. „Aachen profitiert extrem von der Hochschulförderung“, sagt der gebürtige Birkesdorfer. „Für die vergangene Legislaturperiode zählen wir hier 429 geförderte Projekte mit einem Volumen von 248 Millionen Euro; inklusive FH und Forschungsinstituten sogar 336 Millionen – das sind enorme Summen.“ Auch dies trage zum Wirtschaftswachstum insgesamt bei.

Henke gilt als versierter Gesundheits- und Arbeitsmarktexperte, zeigt zudem in Sachen Innere Sicherheit klare Kante. Stichwort Terrorismus. Henke plädiert dafür, Gefährder so lange in Abschiebehaft zu nehmen, „wie es eben notwendig ist bis zur Abschiebung“. Algerien, Tunesien und Marokko müssten zu sicheren Herkunftsländern erklärt werden, stellt der CDU-Mann in punkto Flüchtlingspolitik fest. „Aber das blockiert Rot-Grün im Bundesrat.“ Vor dem politischen Gegner warnt der Christdemokrat. „Um die SPD und Martin Schulz an die Macht zu bringen, würden die Sozialdemokraten mit Linken und Grünen koalieren“, ist Henke überzeugt. Mit vielen negativen Folgen für Deutschland und auch transatlantische Bündnisse wie die Nato.

Auffällig scharf verurteilt Henke die AfD. „Am rechten Rand erhebt eine Brut den Kopf, auf die wir höllisch aufpassen müssen“, sagt er. Ziel sei es, Extremisten unter der Fünf-Prozent-Hürde und damit aus dem Bundestag herauszuhalten. „Ich erwarte, dass sich die Menschen auch am Wahltag klar von Positionen völkischer Verhetzung distanzieren.“ Sonst drohe der Einzug „pöbelnder Hooligans“ in den Bundestag.

Stattdessen müsse man sich den entscheidenden Zukunftsthemen widmen – etwa der Energiewende. „Kanzlerin Angela Merkel – die ja angeblich nicht entscheidungsfreudig ist – hat Deutschland mit der Entscheidung, bis 2022 alle Kernkraftwerke stillzulegen, in eine europäische Vorreiterrolle geführt“, erinnert Henke. Gerade in Aachen spiele dies – wegen der Gefahren aus den belgischen Kernkraftwerken Tihange und Doel – auch bei vielen Gesprächen im Wahlkampf eine große Rolle. Deshalb müsse dringend eine leistungsstarke Stromtrasse zwischen Deutschland und Belgien her.

„Ohne absolute Versorgungssicherheit werden die Belgier niemals von der Atomenergie abrücken“, gibt Henke zu bedenken. Auch in diesem Punkt erfahre er mit den Argumenten der CDU viel Zustimmung, sagt er. Goutiert würde auch, dass sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren um 45 Prozent verringert habe. „Deutschland geht es besser denn je“, konstatiert Henke. „Nie hatten die Menschen bessere Chancen in Deutschland als jetzt.“

Verantwortlich dafür sei die Politik von Kanzlerin Merkel, versichert Henke. Und ergänzt, dass die Regierungschefin gerade inmitten einer immer komplizierteren Welt und globaler Unsicherheiten – „wir sind von Leuten wie Donald Trump, Wladimir Putin und Kim Jong Un umgeben, die als einzige maßgebliche Instanz sich selbst kennen“ – für Verlässlichkeit stehe. Der CDU-Kandidat erläutert, dass auch dies bei über 1000 Gesprächen an Aachener Haustüren immer wieder thematisiert werde.

Dann wiederholt er hier wie dort seine Kernaussage. „Wenn man mich haben will, muss man mich direkt wählen – über die Liste bin ich nicht zu haben.“ Zwei Mal hat’s geklappt. Überraschungen unerwünscht.

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