Rotstift kreist im Klinikum: „Die Stimmung ist gereizt”

Von: Stephan Mohne
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Finanzielle Schieflage: Das Klinikum musste 2009 einen Verlust von zehn Millionen Euro hinnehmen. Es muss gespart werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist ein eher unscheinbarer Zettel, der da im Klinikum an der Wand hängt. Der Inhalt allerdings hat es in sich. „Wo sind die Millionen geblieben?” lautet eine Überschrift, die man da lesen kann.

Von „dauerhaftem, verkapptem Stellenabbau” in Form einer „Stellenbesetzungssperre” ist außerdem die Rede.

Zündstoff für die Veranstaltung, zu der besagter Zettel einlädt: eine „außerordentliche Personalversammlung” am 14. Juli. Außerordentlich ist auch eine Zahl, die da für jedermann lesbar genannt wird: zehn Millionen Euro. Soviel Verlust soll das Klinikum 2009 geschrieben haben. Und das, obwohl der damalige Verwaltungschef Detlef Klimpe Mitte vergangenen Jahres noch gesagt habe, es werde gar keine Verluste geben, heißt es seitens des Personalrats auf der Einladung weiter.

Während der neue Kaufmännische Direktor Peter Asché die Höhe des Verlustes gegenüber der AZ bestätigt, macht sich mancher der fast 6000 Beschäftigten des Uniklinikums Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Mal wieder. Schon seit mehreren Jahren gibt es immer wieder heftige Diskussionen um Sparmaßnahmen - zum Beispiel über Privatisierungen. Am Widerstand der Belegschaft scheiterte zuletzt das „Outsourcing” der Mikrobiologie.

Jetzt ist im Aachener Westen erneut Feuer unter dem Dach. „Die Stimmung ist gereizt”, sagt eine Mitarbeiterin. Insbesondere gelte das für den Pflegebereich, wo viele Überstunden geleistet würden. Für diesen Bereich macht Peter Asché dann auch eine Einschränkung, wenn es um die Wiederbesetzungssperre für frei werdende Stellen geht, die er ebenfalls bestätigt. Schließlich sei im Pflegebereich gerade erst draufgesattelt worden. Alle anderen Abteilungen seien prinzipiell aber mit im Boot - abhängig davon, wie es um die Leistungsfähigkeit bestellt ist.

„Völlig überraschend” sei diese Sperre gekommen, sagen Beschäftigte. Allerdings hatte Asché schon bei seinem Antritt erklärt, jeden frei werdenden Posten auf den Prüfstand stellen zu wollen. Insofern bekundet er, dass die Maßnahmen keineswegs neu, zudem mit dem Personalrat besprochen seien und die „außerordentliche Personalversammlung” deshalb auch ziemlich unnötig sei. Außerdem sei er dann in Urlaub. „Das weiß der Personalrat auch”, ärgert sich Asché.

Dass gespart werden muss, daran lässt der Verwaltungschef indes keinen Zweifel und spricht von ein „paar Millionen”. Die Kosten - insbesondere die Personalkosten - seien gegenüber den Einnahmen einfach zu hoch. Ziel für alle Abteilungen: die Kosten um fünf Prozent senken. Auch mit Blick auf das laufende Jahr bekundet er: „Es ist einiges zu tun.”

Wobei Asché auch unterstreicht, dass man investiert habe, um neue Einnahmen zu generieren. Ein Generationenwechsel mit einer ganzen Reihe Neubesetzungen auf den Stühlen der Klinikdirektoren habe erst einmal Ausgaben nach sich gezogen. Weil es sich um Spezialisten handelt, die Spezialistenteams und Spezialistengeräte brauchen. Man habe „hervorragende Leute, die für eine hohe Qualität stehen”, so Asché. So blicke man positiv in die Zukunft, auch seien die Fallzahlen steigend.

Freuen werden die Beschäftigten Aussagen des Chefs, dass derzeit keine betriebsbedingten Kündigungen geplant seien und dass er weitere Privatisierungen ausschließe. Ob das die Gemüter beruhigt, wird sich am 14. Juli zeigen. Bei der „außerordentlichen Personalversammlung”.
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