Aachen - Rotlichtviertel: Beginnt am Büchel das große Umdenken?

Rotlichtviertel: Beginnt am Büchel das große Umdenken?

Von: Oliver Schmetz
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Seit Jahren im Fokus politischer Diskussionen: das Altstadtquartier Büchel rund um die Antoniusstraße (Bildmitte) zwischen ehemaligem Hortenhaus (links), Parkhaus Büchel (oben) und Nikolausstraße (rechts). Kann dort Stadtentwicklung gelingen, wenn die Bordelle vor Ort bleiben? Foto: Andreas Steindl

Aachen. Auch wenn aktuell rund um das Altstadtquartier Büchel wieder einiges in der Schwebe scheint, dürfte eines wohl sicher sein: An der Stellungnahme der Aachener Polizei zu den städtebaulichen Plänen für das heruntergekommene Viertel zwischen Büchel, Mefferdatisstraße, Groß- und Kleinkölnstraße sowie Nikolaus-straße haben die städtischen Planer offenbar ganz schön zu knabbern.

In der Stadtverwaltung wird man nun darüber grübeln, wie man mit diesen unmissverständlichen Worten umgeht. Und womöglich hat in Sachen Büchel sogar schon das große Umdenken begonnen, für das Oberbürgermeister Marcel Philipp gegen den erklärten Willen einer großen Mehrheit des Stadtrats schon seit Monaten plädiert – nämlich dass man von dem bislang unverrückbaren Grundgedanken abweicht, dass die Bordelle an Ort und Stelle bleiben müssen.

Darauf deutet jedenfalls die aktuelle Verwaltungsvorlage für die nächste Sitzung des Planungsausschusses am 9. November hin. In dem Papier informiert die Verwaltung über den Stand der Dinge des Planverfahrens und teilt der Politik mit, dass sich das Ganze erheblich verzögern wird. Denn insbesondere die Stellungnahme der Polizei berühre „eine Vielzahl von Themen und Teilaspekten“, von denen einige überdies „ein hohes Maß an Komplexität“ aufwiesen.

Dies erfordere einen „im Vergleich zu anderen Verfahren erhöhten Zeitaufwand“, weshalb man der Politik erst Anfang 2018 eine fundierte Einschätzung vorlegen könne. Und diese könnte durchaus einiges über den Haufen werfen: „In Abhängigkeit vom Ergebnis der Prüfung ist gegebenenfalls eine Beratung und Beschlussfassung über konzeptionelle Änderungen erforderlich“, heißt es in der Vorlage. Fast schon entschuldigend klingt da der folgende Satz: „Denkbar ist natürlich auch, dass das städtebauliche Konzept in der jetzigen Form beibehalten werden kann.“ Was der Stadtrat gleich in zwei Beschlüssen bekräftigt hat, ist nur noch „natürlich denkbar“?

Natürlich geht es bei den besagten „konzeptionellen Änderungen“ darum, ob die Bordelle raus müssen aus der City, um die Entwicklung des Quartiers möglich zu machen – eine Frage, die am 23. November beim großen AZ-Forum zum Thema (siehe Infobox unten) im Mittelpunkt stehen wird und über die sich die städtischen Planer wohl gerade die Köpfe zerbrechen. Aber auch andere Deutungen sind möglich: Will die Fachverwaltung vielleicht ihrem obersten Chef etwas mehr zeitlichen Spielraum verschaffen? Schließlich hat der OB eine Liste mit knapp zehn Alternativstandorten für ein Laufhaus außerhalb der City erstellt, aus der er bislang aber noch ein Geheimnis macht.

Oder will man mehr Zeit gewinnen, um mit den Hauptinvestoren Gerd Sauren und Norbert Hermanns wieder an einen Tisch zu kommen? Diese hatten im Spätsommer einen Termin abgesagt, auf dem die Büchelplanung vertraglich fixiert werden sollte. Grund war, wie Sauren später erklärte, dass die Polizei die von den Investoren verlangte bauliche Abschottung des Laufhauses aus Sicherheitsgründen ablehnt. Danach herrschte Funkstille, was sich nun aber ändern soll. „Wir versuchen, einen Termin zu vereinbaren, um den Dialog wieder aufzunehmen“, erklärt Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt.

Einiges zu besprechen dürfte es auch am 9. November im Planungsausschuss geben. Man kann gespannt sein, wie die Politik dort reagiert. Zumal ein wichtiger Aspekt fehlt: Denn zuletzt hatten die Planungspolitiker, die ohnehin verärgert sind über den Alleingang des OB, ultimativ Einblick in dessen Liste mit Alternativstandorten fürs Laufhaus verlangt. Aber vermutlich wird diese am 9. November, wenn überhaupt, erst hinter verschlossenen Türen – in nicht-öffentlicher Sitzung – präsentiert. Damit die Bürger nicht zu früh verschreckt werden, wenn sie erfahren, wo die Bordelle hinkommen sollen, falls sie tatsächlich aus der Antoniusstraße verschwinden.

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