Rollstuhlfahrer rabiat aus dem Dom geworfen

Von: Robert Esser
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Zweite Klingel: Rollstuhlfahrer sollen künftig von der Krämerstraße (oben rechts) in den Dom kommen, weil die mobile Rampe am Vordereingang der Belastung von Elektrorollstühlen kaum standhält. Foto: Michael Jaspers
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Zweite Klingel: Rollstuhlfahrer sollen künftig von der Krämerstraße (oben rechts) in den Dom kommen, weil die mobile Rampe am Vordereingang der Belastung von Elektrorollstühlen kaum standhält. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Warum die Domschweizer einen Rollstuhlfahrer samt Begleitung vor einigen Tagen rüde aus dem Aachener Münster geworfen haben, bleibt unklar. Karl Nacken, der seit Jahren auf den Rollstuhl angewiesen, ist jedenfalls fassungslos: „Es ist eine Unverschämtheit, so mit behinderten Menschen umzugehen“, schreibt er der Aachener Zeitung.

Was ist passiert? Am Samstag vor einer Woche wollte Nacken mit seiner Familie und Freunden aus Stuttgart den Dom besuchen. „Wir betätigten die Klingel, die für Schwerbehinderte vorgesehen ist“, schildert der Familienvater die Situation am Haupteingang. Als kein Domschweizer – die sowohl Wach- als auch Servicepersonal sein sollen – erscheint, klingelt Nacken erneut. Denn im Foyer versperren drei Stufen Rollstuhlfahrern den Weg Richtung Oktogon.

Doch kein Domschweizer rückt an – zunächst. Nacken erinnert sich: „Freundliche Passanten wollten uns behilflich sein und zeigten uns die Rampen.“ Diese sind im Dom zusammengeklappt für Rollstuhlfahrer quasi um die Ecke an der Wand geparkt. „Als mein Sohn diese holte, erschien plötzlich jemand vom Dompersonal und wies uns sehr rabiat darauf hin, dass wir diese nicht benutzen dürften.“

Dann habe man die gesamte Gruppe „gebeten, die heiligen Hallen zu verlassen“. Seine Freunde aus Stuttgart seien geschockt gewesen. „Für uns hat sich das Bild einer verkorksten Kirche damit wieder mal bestätigt, Behinderte passen nunmal nicht ins Bild“, ärgert sich Nacken. Dem Rauswurf folgte eine schriftliche Beschwerde, die Nackens Ehefrau an das Domkapitel adressierte – sie blieb bis Montag unbeantwortet.

Franz Kretschmann, der Sprecher des Aachener Domkapitels, beschönigt den Vorfall im Gespräch mit unserer Zeitung nicht. „Das ist sehr unglücklich gelaufen, wir bedauern das sehr“, entschuldigt er sich. Man bemühe sich um einen Kontakt zu Familie Nacken, um sich offiziell und persönlich für den Vorfall zu entschuldigen.

„Wir möchten der ganzen Familie eine persönliche Domführung anbieten“, erklärt Kretschmann. Gleichwohl führe der Vorfall dazu, dass man sich nun noch intensiver mit dem barrierefreien Zugang zum Dom beschäftigen werde. Im Frühjahr soll eine Info-Stele auf den barrierefreien Zugang für Rollstuhlfahrer von der Krämerstraße ins Münster aufmerksam machen.

Auch dort ist bereits eine Extraklingel für Schwerbehinderte angebracht. Wer dort klingelt, soll direkt mit dem Diensthandy eines wachhabenden Domschweizers verbunden werden, der dann schnellstmöglich zu Hilfe eilen soll. In der Praxis funktioniert das System jedoch nicht zuverlässig. „Das liegt auch daran, dass wir hinter der ein oder anderen dicken Säule im Dom keinen Empfang haben“, erläutert ein Schweizer.

Die Domtüre zur Krämerstraße soll nun als „Haupteingang“ für Rollstuhlfahrer etabliert werden – zumal die mobile Klapprampe am Vordereingang der Belastung von Elektrorollstühlen kaum gewachsen ist. Ein Grundproblem ist damit aber nicht gelöst: Der rüde Umgangston von einzelnen der insgesamt 17 Domschweizer führt regelmäßig zu Kritik. Kretschmann betont, dass sich umgekehrt auch der Ton mancher Gäste gegenüber den Domschweizern in jüngster Zeit verschärft habe – völlig unabhängig vom aktuellen Fall.

Warum? Auch das bleibt unklar. Seine Bitte an alle Mitarbeiter und die rund 1,3 Millionen Dom-Besucher pro Jahr: auch bei Konflikten etwas mehr Fassung bewahren.

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