„Rollator-Führerschein“: Auf die Tücken des Alltags vorbereiten

Von: Tim Habicht
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Sicher mit dem Rollator unterwegs: Das Uniklinikum bietet erstmals einen „Führerschein“-Kurs dazu an. Jährlich werden dort 300 Verletzte nach Stürzen mit dem Rollator eingeliefert. Foto: Kurt Bauer

Aachen. Für viele ältere Frauen und Männer ist die alltägliche Fortbewegung innerhalb und außerhalb der eigenen vier Wände nicht immer leicht. Deswegen ist der Rollator als Hilfsmittel immer beliebter geworden.

„Aber der Rollator hat auch seine Tücken“, weiß Professor Dr. Hans-Christoph Pape, Direktor der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie. Über 300 Menschen werden jährlich ins Aachener Uniklinikum mit schweren Verletzungen, die aus Stürzen mit dem Rollator resultieren, eingeliefert. „Und da zählen die Brüche der Handgelenke nicht dazu“, so Pape weiter.

Um sicher und gesund mit dem Rollator unterwegs zu sein, ist es wichtig, dass der Rollatornutzer sein Gefährt richtig benutzt. „Man kann das mit einem Motorrad vergleichen. Denn sowohl beim Motorrad als auch beim Rollator muss man ein Gefühl für sein Gefährt entwickeln. Man kann sich ja auch nicht einfach auf ein Motorrad setzen und losfahren. Dafür benötigt man einen Führerschein“, führt Pape aus.

Den gibt es nun auch für Rollatornutzer. Denn zum ersten Mal in Aachen findet ein zweistündiger Rollator-Kurs für etwa 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Uniklinikum statt. Nach einer kostenlosen Anmeldung lernt man dort alle Tricks, Kniffe und die richtige Bedienung. „Dabei simulieren wir in einem Parcours Situationen aus dem Alltag, die teilweise besonders tückisch sind. Beispielsweise eine Bordstein- oder Teppichkante. Aber auch das Öffnen von Türen oder Transportieren von Tassen und Geschirr ist nicht immer leicht – vor allem ohne die richtige Übung“, beschreibt es Jürgen Förster, Leiter der Physiotherapieschule im Uniklinikum.

Einer, der den Kurs absolviert und bestanden hat, ist Hubert Nievelstein aus Herzogenrath. Der 83-Jährige freut sich über den angebotenen Kurs: „Ich habe zwar schon einmal die Grundlagen zum Führen eines Rollators kennengelernt, aber so ein intensiver Kurs beruhigt dann doch schon. Ich fühle mich jetzt sicherer. Selber gestürzt bin ich zum Glück noch nicht.“ Und das soll nach dem absolvierten Führerschein, den es als Zertifikat und als Aufkleber für den Rollator gibt, auch so bleiben.

Der Rollator-Führerschein ist dabei nur eine von vielen Aktionen und Initiativen. Denn im Alter lasse die Koordinationsfähigkeit ebenso nach wie die Muskelmasse. Deswegen sei es umso wichtiger, dass man sich richtig ernähre und eben wisse, wie man sich Alltag bewege – mit oder ohne Rollator. „Denn der Rollator hat auch seine Schattenseiten. Er schränkt nämlich die Selbstständigkeit ein“, so Förster. Dennoch: Der Rollator-Führerschein sei der richtige Schritt. Man wolle dadurch das Problem der Verletzungen durch Stürze mit einem Rollator vorbeugen. Pape fasst zusammen: „Es gibt viele Menschen mit Hüft- oder Knieproblemen, die auf eine Gehhilfe angewiesen sind, aber nicht richtig damit umgehen können. Darum bieten wir dieses Training an.“

Informationen zum nächsten Rollator-Training, das im Herbst stattfindet, gibt es unter Telefon 80-88123. Unter dieser Nummer kann man sich auch anmelden.

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