Rokoko-Schau im Couven-Museum macht Forschung zur Kunst

Von: Peter Motz
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Genaues Hinsehen nötig: die Ausstellung im Coven-Museum als Uberraschungspaket. Foto: Steindl

Aachen. Auf beachtliches Interesse ist am Freitagabend die Eröffnung der kleinen, aber feinen Ausstellung Rokokorelevanz im Couven-Museum gestoßen. Fast 100 Vernissagegäste sorgten für eine Szenerie, die etwas von Ostereiersuche in Großmutters wohlig kitschiger Wohnstube hatte.

Viele Ausstellungsstücke wirken auf den schnellen Blick quasi versteckt. Diese Präsentation ist effektvoll: Der Besucher geht zwischen den originalen Rokoko-Schätzen des Museums auf Entdeckungsreise, erhält beim Aufspüren der zeitgenössischen Variationen ein Gefühl für Sichtweisen im Wandel der Zeit.

Die verspielte Ornamentik des Rokoko ruft beim heutigen Betrachter mitunter Befremden hervor. Hiermit spielen das Architektenquartett Luc Merx, Holmer Schleyerbach, Haiko Tabillion und Sven Walter sowie zehn Künstler - und das mit wissenschaftlichem Hintergrund.

Rokokorelevanz ist ein an der TU Kaiserslautern gestartetes Forschungsprojekt. Die architektonischen Forschungsobjekte werden erst im musealen Kontext zu Kunstwerken.

Zu sehen sind Drucke, Porzellanglasuren und Skulpturen, deren historisch inspirierte Formgestaltung direkt aus der Moderne kommt: durch kreative Computer-Anwendung.

Der häufige Einsatz von architekturmodelltypischen kleinen Menschenfiguren entfaltet verblüffende Effekte, etwa bei Exponaten, die von fern wie zerknüddelte Tapetenreste aussehen und bei näherer Betrachtung wie eine zerklüftete Landschaft.

Die Modellfiguren setzen die Maßstäbe und ändern die Wahrnehmung - ein Spiel mit Schein und Sein. Inwiefern die ausgestellten Objekte im Einzelnen den hochtheoretischen, architektur- und kunstgeschichtlichen Ansprüchen der Macher gerecht werden, die Professor Bernd Knies von der HafenCity Universität Hamburg bei der Einführung zu erklären bemüht war, muss hier gar nicht geklärt werden.

Sehenswert ist die Ausstellung so oder so. Denn die Wirkung hängt nicht von wissenschaftlichem Vorwissen ab, sondern von Neugier: auf einen alten Kunststil in moderner Interpretation.

Couven-Museumsleiterin Dr. Dagmar Preising braucht dann auch nur ein Wort, um es auf den Punkt zu bringen: faszinierend.

Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 8. November. Das Couven-Museum am Hühnermarkt 17 ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am kommenden Kunstrouten-Samstag bis 19 Uhr.

Am 5. November, 18.30 Uhr, wird das Forschungsprojekt Rokokorelevanz genauer vorgestellt, zu dem die Lousberg-Gesellschaft vom 1. bis 14. November eine weitere Schau im Kerstenschen Pavillon präsentiert.

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