Aachen - Rohrreiniger auf Grill- und Spielplätzen: Jeder Hinweis zählt

Rohrreiniger auf Grill- und Spielplätzen: Jeder Hinweis zählt

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Wachsames Auge: Die Polizei – hier Jörg Reill (l.) und Sebastian Bock – zeigt nach den jüngsten Chemieattacken, bei denen mehrere Kinder verletzt wurden, verstärkt Präsenz an und auf Spielplätzen.
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Derweil kontrolliert Marius Wolter vom Stadtbetrieb einen der Tatorte vom Wochenende im Westpark. Die Spielplätze dort bleiben gesperrt.

Aachen. Marius Wolter und seine Kollegen haben eigentlich genug zu tun. „Eigentlich bin ich für die Grünpflege zuständig“, sagt der Mitarbeiter des Stadtbetriebs. Rasen mähen, Beete pflegen, den Westpark in Schuss halten – das wäre eigentlich das Programm. Doch an diesem Montagmorgen geht Marius Wolter zusätzlich wachen Blickes Schritt für Schritt den Kleinkinderspielplatz im Westpark ab.

Hat vielleicht wieder jemand gefährliche Chemikalien dort verteilt? Das muss geklärt werden. Schließlich war erst am Wochenende dort ätzender Rohrreiniger verteilt worden. Ebenso auf dem wenige Meter entfernt gelegenen Spielplatz Lochnerstraße. Dort hatten sich prompt zwei Kinder Verätzungen der Haut zugezogen. „Unglaublich, dass es solche Menschen gibt“, sagt einer der Kollegen von Marius Wolter.

Mehrere verletzte Kinder und ein Sachschaden, der nach Schätzungen der Polizei mittlerweile im fünfstelligen Eurobereich liegt: Das sind bisher die Folgen davon, dass Täter Rohrreiniger auf zwei Grill- und zwei Spielplätzen verteilt haben. Die Ermittlungen, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, laufen laut Polizeisprecher Paul Kemen auf Hochtouren. Aber: „Bisher ist nicht ein einziger Hinweis aus der Bevölkerung dazu eingegangen“, bedauert er. Deswegen appelliert die Polizei dringend an die Bevölkerung, „jeden Hinweis sofort unter der 110 zu melden“, so Kemen, der hinzufügt: „Jede kleinste Beobachtung, die vielleicht zunächst wie eine Nebensächlichkeit aussieht, kann hilfreich sein.“

Neben den verletzten Kindern sind die Materialien der Spielgeräte selbst laut Kemen von der Chemikalie – handelsüblicher Rohrreiniger besteht zum Großteil aus stark alkalischem Natriumhydroxid, auch „Ätznatron“ genannt – angegriffen worden. Das gilt auch für die Bänke am großen Teich im Westpark.

Bereits in der Woche zuvor war Rohrreiniger großflächig auf den beiden Grillplätzen Adamshäuschen und Karlshöher Hochweg im Aachener Wald verteilt worden. Auf ersterem hatte eine Kindergartengruppe bei einem Ausflug Rast gemacht. Dabei nahmen zwei Kinder die Kügelchen in den Mund und erlitten daraufhin so schwere Verätzungen, dass sie ins Krankenhaus mussten und dort stationär behandelt wurden. Weitere Kinder erlitten Hautreizungen.

Für die Polizei stellt sich naturgemäß die Frage, ob es sich um ein und denselben Täter handelt. „Auch wenn wir davon ausgehen, dass es sich in beiden Fällen um Rohrreiniger handelt, so lassen wir die Substanz aus dem Westpark dennoch untersuchen, um es genau zu wissen“, sagt Paul Kemen. Eine Option der Ermittler ist jedoch auch, dass es sich bei dem Täter oder der Täterin im Westpark um jene Person handelt, die in den vergangenen zwei Jahren mehrfach just diese beiden Spielplätze und die Bänke im Park mit Fäkalien beschmiert hat.

Bei der Vielzahl an Spielplätzen im Aachener Stadtgebiet wäre es schon ein enormer Zufall, wenn sich der „Chemie-Täter“ nun ausgerechnet dieselben beiden Areale für seine Attacken auf die Gesundheit der Kinder ausgesucht hätte wie zuvor der Täter mit den Kotschmierereien. Diese ekelhafte Sauerei mussten die Mitarbeiter des Stadtbetriebs übrigens schon mehrfach beseitigen. „Einfach unfassbar“, sagt einer.

Allein: Den Täter hat die Polizei in den vergangenen Jahren nicht ermitteln können. Mit Blick auf die Verteilung des Rohrreinigers soll das nach Möglichkeit nicht auch so sein. Die Polizei nimmt jetzt jedenfalls im Rahmen ihrer Streifenfahrten verstärkt Spielplätze ins Visier. So inspizieren die Oberkommissare Jörg Reill und Sebastian Bock an diesem Mittag „zwischendurch“ den großen Spielplatz an der Brabantstraße. „Die ganze Breite aller Spiel- und Freizeitflächen in Aachen kann man natürlich nicht kontrollieren“, macht sich Reill keine Illusionen. Und dass man jemanden auf frischer Tat ertappt, ist wohl eher als unrealistisch zu bezeichnen. Aber es geht eben auch darum, Präsenz zu zeigen und das Sicherheitsgefühl zu stärken. Dieser Spielplatz ist jedenfalls „sauber“.

Die Spielplätze im Westpark sind an diesem Tag weiterhin gesperrt. Und sie werden es auch vorerst bleiben. Wie lange, das steht laut Björn Gürtler vom Presseamt noch nicht fest. Zunächst wolle man die Plätze und natürlich auch die Spielgeräte und den Sand „auf Herz und Nieren“ prüfen. Wie groß der Schaden tatsächlich ist und ob Geräte ausgetauscht werden müssen, sei deswegen derzeit noch unklar. Der Fachbereich Kinder und Jugend habe indes alle Kitas angeschrieben, damit bei Ausflügen auf Spielplätze und andere Freizeitareale wachsam nach derlei Chemikalien und mithin Gefahren Ausschau gehalten wird. Natürlich sollen auch die Mitarbeiter des Ordnungsamts ein wachsames Auge darauf haben.

Angesichts von 217 Spielplätzen, elf Spielpunkten und 17 Grillplätzen ist aber eine umfassende Kontrolle auch für die Stadt nicht hinzubekommen. Was bleibt, ist eine Hoffnung, die Björn Gürtler äußert: „Dass man bald den Täter, der offenkundig mit voller Absicht Kindern schaden will, erwischt“.

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