„rohestheater“ zeigt uralte Konfliktstrukturen auf

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
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Eindrucksvolles Schauspiel: Die Schüler vom „rohestheater“ beleuchten im Stück „Weltenbrand – Geschlechterkampf – Kassandra“ in der Aula an der Neuköllner Straße männliches Konfliktpotenzial über Jahrtausende. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Krieg bedeutet Krieg. Es ist ein nicht enden wollender Kreislauf, in dem vor allem eines unter geht: Wann begegnen wir uns nochmal von Mensch zu Mensch? Und was ist die Lösung, wenn das Patriarchat inmitten des Krieges Gewalt und Sexualität als Mittel nutzt, um die eigenen Machttriebe zu befriedigen?

Die Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe „rohestheater“ zeigen in ihrer neuesten Produktion „Weltenbrand – Geschlechterkampf – Kassandra“ vereinzelte Puzzleteile, die zusammen das Schreckensbild des Krieges ergeben.

Christa Wolfs Erzählung „Kassandra“, in welcher die Autorin die Ereignisse des Trojanischen Krieges aus der Perspektive der trojanischen Königstochter und Seherin Kassandra kommentiert, diente dem Ensemble der Mies-van-der-Rohe-Schule als Grundlage. Kassandra wird alleine und ausschließlich aufgrund ihres Geschlechtes aus allen Entscheidungsprozessen herausgehalten. Das Resultat ist eine kalte Kriegslogik, maßgeblich durchgesetzt von Eumelos.

Dass diese Strukturen jedoch keinesfalls veraltet sind, veranschaulichten die Schauspieler auf der Bühne. Um die Separation der Geschlechter zu unterstreichen, wurden vor Beginn des Stückes Männer und Frauen getrennt und als Gruppe zusammengesetzt. Neben den Szenen auf der Bühne wurden im Hintergrund Kriegsbilder gezeigt, die um die Welt gingen. Explodierende Bomben und ein Appell eines Mädchens, das die Welt anklagte, machten unmissverständlich deutlich: Krieg ist Ehre. Und zwar Ehre der Männer. Und Frauen wissen nichts von Krieg.

„Wenn er mich belehrte, nannte er mich Mädchen. Also hör‘ mal Mädchen.“ Sätze, die die patriarchischen Strukturen unverkennbar machen. Zeitlos sind sie leider immer noch.

Egal ob im alten Griechenland oder im Jahr 2017: Von der absoluten Geschlechtergleichstellung ist diese Welt so weit entfernt wie von dem absoluten Ende der Kriege. Was dabei auf der Strecke bleibt? Das Leben. Denn „zwischen Töten und Sterben gibt es noch etwas. Das Leben“, betonte eine Schauspielerin.

„Weltenbrand – Geschlechterkampf – Kassandra“ ist in der Darstellungsweise brutal ehrlich und schnörkellos. Das 29-köpfige Ensemble thematisiert die Ursachen der derzeitigen Kriegskonflikte im Nahen Osten mit besonderem Blick auf die Geschlechterrollen. Unter der Leitung von Eckhard Debour veranschaulichen die Jugendlichen, dass die Demokratie keinesfalls selbstverständlich ist und immer wieder neu erkämpft beziehungsweise bewahrt werden muss. Das gilt auch für die Gleichberechtigung der Geschlechter.

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