Rocker dürfen ihre Kutten wieder anziehen

Von: Oliver Schmetz
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Brennpunkt Elsassplatz: Immer wieder kommt es dort – wie auf diesem Bild im September – vor einem „Hells Angels“-Treffpunkt zu Polizeieinsätzen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Während für die Karnevalsjecken am Aschermittwoch alles vorbei ist, dürfen Aachens Rocker ihre „Kostüme“ just an diesem Tag wieder anziehen. Denn das städtische Kuttenverbot für diverse Rockergangs an bestimmten Orten der Stadt läuft am Mittwoch aus.

Und es wird, wie Dezernentin Annekathrin Grehling auf AZ-Anfrage bestätigt, erst einmal nicht fortgesetzt. Zumindest vorerst.

„Wir werden jetzt Bilanz ziehen und unsere Erfahrungen mit der Polizei abgleichen“, kündigt Grehling an. Ähnlich hört sich das bei der Polizei an, deren Sprecherin Sandra Schmitz den „engen Austausch mit Stadt und Staatsanwaltschaft“ betont und ebenfalls intensive Gespräche ankündigt.

Dass die städtische Allgemeinverfügung, die Mitte Dezember in Kraft trat, eine erfolgreiche Maßnahme war, darüber herrscht in den beteiligten Behörden allerdings kein Zweifel. In klar begrenzten Bereichen der Stadt war den Rockergangs Bandidos und Hells Angels, die sich in Aachen brutale Revierkämpfe um kriminelle Pfründe wie Drogenhandel und Prostitution liefern, sowie einigen anderen Gruppierungen das Tragen ihrer Kutten und diverser Abzeichen und Parolen untersagt worden.

Zu den Verbotszonen gehörten Elsassstraße, Elsassplatz und Kennedypark, Teile der Pontstraße, der Holzgraben, die Heinrichsallee und die Jülicher Straße vom Hansemannplatz bis zur Hein-Janssen-Straße. Diese Orte waren zuletzt als Treffpunkte von Rockern und teils auch als Schauplätze gewalttätiger Auseinandersetzungen aufgefallen. Und siehe da: Mit dem Kuttenverbot nahm die für viele Bürger bedrohliche Präsenz der Rocker rapide ab.

Keine einzige dieser gemeinhin als „Schaulaufen“ bezeichneten Machtdemonstrationen ist von der Polizei seit Beginn des Kuttenverbots verzeichnet worden. „Ein großer Erfolg“, sagt Schmitz – der aber auch von großen Erfolgen der Ermittler begünstigt wurde. Denn nicht weniger als 17 Straftäter – zehn Hells Angels und sieben Bandidos – konnte die bei der Aachener Polizei eigens gegründete Ermittlungskommission zur Bekämpfung der Rockerkriminalität binnen kurzer Zeit hinter Schloss und Riegel bringen.

„Es war richtig, es war gut, und ich freue mich, dass wir unsere Ziele mit der Verfügung erreicht haben“, zieht auch Annekathrin Grehling für die Stadt ein rundum positives Fazit. Allerdings erliegt man nun – auch wenn es auf den ersten Blick paradox wirkt – dem Fluch des eigenen Erfolgs. Denn eine solche Ausnahmeverfügung wie das „Kuttenverbot“ unterliegt strengen rechtlichen Auflagen. Unter anderem muss eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bestehen – die ja nun abgenommen hat. Und außerdem sind laut Grehling wegen der Verfügung zwei Klagen aus Rockerkreisen anhängig, mit denen die Stadt sich auseinandersetzen muss.

Als probates Mittel sieht man das „Kuttenverbot“ aber nach wie vor an – ob nun in dieser Form oder rein „anlassbezogen“, so Grehling. „Wir werden das prüfen“, sagt die Dezernentin und hat schon einen konkreten Anlass im Blick. Gut möglich ist es jedenfalls, dass die Rocker beim Besuch des Frühjahrsbends in Aachen die Kutten wieder im Schrank lassen müssen.

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