Ritter Chorus: Ein Modernisierer Aachens im späten Mittelalter

Von: Peter Schopp
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So oder so ähnlich sah er aus: ein Abbild des Ritters am Arkschen Treppenturm des Rathauses.
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Der Einfluss von Ritter Chorus auf den Bau von Dom und Rathaus ist nicht ganz klar, aber doch recht wahrscheinlich. Als Bürgermeister war ihm sehr an der baulichen Entwicklung Aachens gelegen. Foto: Stadtarchiv Aachen

Aachen. Wohl jeder Aachener ist in seinem Leben schon einmal durch die Ritter-Chorus-Straße gegangen. Möglicherweise gedankenlos, was die Namensherkunft dieser Straße angeht. Das weist durchaus auf eine Parallele zu ihrem Namensgeber.

Denn über das Schaffen von Gerhard Chorus wissen ebenfalls viele Bürger der Stadt nicht wirklich Bescheid. Und diejenigen, die bisher glaubten, mitsprechen zu können, müssen sich wohl umorientieren. Denn das war Tenor eines Vortrags von Ingo Deloie im Aachener Rathaus.

Deloie unterrichtet am Lehrstuhl für Mittlere Geschichte der RWTH, ist gebürtiger Aachener und zeichnet sich durch „große Kompetenz für die mittlere und jüngere Geschichte Aachens bis hin zur Alemannia“ aus. So jedenfalls stellten Prof. Dr. Harald Müller vom Aachener Geschichtsverein und Georg Helg vom Aachener Rathausverein den Redner vor. Gemeinsam mit dem Centre Charlemagne hatte man den 650. Todestag des mehrmaligen Aachener Bürgermeisters Chorus zum Anlass genommen, sein Wirken in Aachen einer neuerlichen wissenschaftlichen Betrachtung zu unterziehen.

Die letzte eingehende Untersuchung zu Ritter Chorus von Martin Birmanns stammt aus dem Jahre 1913 und bedurfte einer Auffrischung. Diese vollzog Deloie in fundierter und interessanter Weise. Chorus Geburtsjahr wird 1285 vermutet, gestorben ist er am 20. April 1367 in Aachen. Schon die Tatsache, dass sein Geburtsdatum unbekannt ist, umgibt ihn mit einem leicht mystischen Mantel.

Ebenso ungeklärt ist die Frage, ob er Geschwister hatte. Chorus galt bisher im Aachener Bewusstsein vornehmlich als Bauherr beziehungsweise Architekt bekannter Aachener Bauten wie des gotischen Chorschiffes am Aachener Dom oder des Rathauses. Mit dieser Meinung musste Deloie allerdings aufräumen. „Es ist durch keine überlieferte Schrift zu belegen, dass Chorus aktiv an der Schaffung dieser Gebäude mitgewirkt hat“, ist er sich sicher. Gleichwohl räumte er ein, dass Chorus kraft seines Amtes natürlich Befürworter und Unterstützer der Bauvorhaben war.

Vielmehr richtete Deloie in seiner Arbeit den Fokus auf dessen politisches Wirken. Chorus war belegbar vier Mal Bürgermeister in Aachen, möglich sind aber auch sieben Amtsperioden. Die vielen dunklen Flecken in seiner Vita sind dem großen Stadtbrand 1656 geschuldet, bei dem zahlreiche Unterlagen verbrannten und entsprechende historische Belege zerstört wurden.

So stützte sich Deloie bei seinen Nachforschungen auf die verbliebenen Stadtrechnungen, auf denen die Spesenabrechnungen der damaligen Würdenträger belegt wurden. Er beschrieb einen augenscheinlich sehr beliebten Menschen, der es verstand, die Geschicke des spätmittelalterlichen Aachens in besonnener und auf Ausgleich ausgerichtete Art und Weise zu führen. So gab es Verbindungen zum Grafen von Jülich, außerdem stand Chorus Zeit seines Lebens vorbehaltlos hinter Kaiser Ludwig IV., was ihm auch politische Türen öffnete. In Aachen selbst verstand er sich als Mittler zwischen den Räten und Zünften, womit er es schaffte, dass Aachen ohne die in anderen Städten üblichen großen Unruhen auskam.

Auffällig ist vor allem sein unkonventionelles Vorgehen im Bekleiden verschiedener Ämter. So war Chorus, der 1331 in Frankfurt am Main zum Ritter geschlagen wurde, der erste Bürgermeister, der auch Mitglied des Schöffenkollegiums wurde. Dies war bis dato ein geschlossener Kreis, dessen Nachfolger sich stets aus dem eigenen Nachwuchs rekrutierten. Chorus wechselte zwischen diesen Posten, sorgte somit erstens für eine Aufwertung des Bürgermeisteramtes und schuf zweitens eine neue Führungsschicht.

Er war beim Klerus sehr beliebt und konnte sich ein besonderes Vertrauen in höheren Kreisen erarbeiten, was ihm die Berufung zu mehreren schwierigen Gesandtschaften einbrachte. Durch sein Schaffen wurde Chorus zu einem wohlhabenden Mann, der nach seinem Tod als Zeichen der Wertschätzung in einer Gruft in der Vorhalle des Aachener Domes beerdigt wurde, was bis dahin nur wenigen Menschen von höchstem Rang gewährt wurde.

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