Ringen um ICE-Halt ist ein Millionenspiel

Von: Oliver Schmetz
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Der erste Brückenkopf: So ski
Der erste Brückenkopf: So skizziert die Planergemeinschaft Kempen/König in ihrer Machbarkeitsstudie den neuen ICE-Halt nebst Anbindung nach Burtscheid. Im Vergleich zur heutigen Situation (kleines Bild) würde der Hauptbahnhof enorm aufgewertet. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Dass ein Haltepunkt für den künftigen ICE nach London nebst einer Anbindung Burtscheids an den Hauptbahnhof einiges kosten dürfte, schwante vielen schon länger. Bloß fehlten bislang konkrete Zahlen.

Die liegen aber jetzt auf dem Tisch - und offenbaren gleich zweierlei: Denn zum einen werden wohl einige Millionen fließen müssen, damit der Schnellzug von Frankfurt in die englische Metropole auch in Aachen Station macht. Und zum anderen liegt zwischen den ersten Kostenberechnungen, die die Stadt anstellt, und einer sogenannten „Grobkostenplanung” nach den Vorstellungen der Deutschen Bahn (DB) noch einiges - nämlich ebenfalls Millionen.

Happige „Grobkostenplanung”

Markantes Beispiel dafür: Die Baukosten für ein Abfertigungsterminal auf Gleis 9, das aus Sicherheitsgründen für den Bahn-Trip nach London unerlässlich ist und dem ähnelt, was Reisende von Flughäfen kennen. Die Bahn kalkulierte demnach bislang laut dieser „Grobkostenplanung” alleine für Terminal, Ausstattung, Glasabtrennung, Zäune und Überdachung Gesamtkosten von knapp 4,2 Millionen Euro ein - und das ohne Anbindung an die Burtscheider Südseite des Hauptbahnhofs. Da die DB nach Abzug von Zuschüssen davon gut 3,4 Millionen hätte alleine aufbringen müssen, hätte das dem Aachener ICE-Halt wohl das Genick gebrochen.

In einer ersten Machbarkeitsstudie kommt dagegen die Planergemeinschaft Kempen/König im Auftrag der Stadt auf deutlich geringere Kosten. Lediglich 2,6 Millionen Euro werden darin für den ICE-Halt veranschlagt, und das gar inklusive erstem „Brückenkopf”, also der Überquerung des Gleises 9 von der Rückseite der Burtscheider Kasinostraße aus.

Zwischen diesen beiden Summen werde man sich nun wohl annähern, zeigte sich Planungsdezernentin Gisela Nacken gestern auf AZ-Anfrage hin zuversichtlich. Die Bahn arbeite derzeit an einer preiswerteren Kostenkalkulation und wolle dabei jetzt auf ein festes Abfertigungsgebäude verzichten und stattdessen auf Schleusentüren setzen. Auch bestehe Einvernehmen darüber, dass der ICE-Halt weiter-hin für eine Anbindung an die Kasinostraße per Brücke geeignet sein müsse. Bereits in den nächsten Wochen werden die neuen Zahlen auf dem Tisch liegen, schätzt Nacken, denn die Zeit drängt. „Unser gemeinsames Ziel ist, dass wir vor den Sommerferien Klarheit haben”, sagt Nacken.

Schließlich soll der erste ICE nach London 2013 in Aachen Station machen. Bis dann muss der Bahnsteig umgebaut sein, bis dann sollte auch das erste Brückenmodul von der Kasinostraße aus den Zugang zu Gleis 8/9 ermöglichen. Die Planungsgemeinschaft Kempen/König hat auch schon einmal berechnet, was eine komplette Erschließung des Hauptbahnhofs mit dieser neuen Burtscheider Brücke kosten würde, und kommt dabei auf knapp sechs Millionen Euro. Auch das liest sich in der ursprünglichen „Grobkostenplanung” der Bahn etwas anders, kam man dort doch für Terminal und Brückenbau zusammen auf satte 10,4 Millionen Euro.

Die komplette Überbrückung aller Gleise ist zwar noch Zukunftsmusik, ein Konzept für den Anschluss an die Kasinostraße ist bei der Verwaltung aber bereits in Arbeit. Bis 2013 soll der Zugang zumindest für Fußgänger und Radfahrer möglich sein sein, mittelfristig soll es aber auch eine Pkw-Erschließung geben.

Ursprünglich war einmal vorgesehen, dafür den Bunker an der Kasinostraße abzureißen, doch steht der mittlerweile unter Denkmalschutz. Jetzt sucht die Verwaltung nach Lösungen, um eine „angemessene Durchfahrt” zu schaffen. Was das kostet, ist noch nicht klar. Erste Schätzungen sollen am kommenden Donnerstag im Planungsausschuss auf den Tisch kommen.
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