Richterich - Richtericher Dell: Ortsumgehung kostet 16 Millionen Euro

Richtericher Dell: Ortsumgehung kostet 16 Millionen Euro

Von: Stephan Mohne
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Umgehung für Richtericher Dell: Von der Horbacher bis zur Roermonder Straße soll die neue Straße führen. Die „grobe Kostenschätzung“ für Bau und Planung beträgt 12,58 Millionen Euro. Hinzu kommen eine „Ablösezahlung“ an die Bahn sowie eine kalkulierte Kostensteigerung von 2,5 Prozent pro Jahr. Foto: Michael Jaspers

Richterich. 370.000 Quadratmeter, 900 Wohneinheiten, 2500 Bewohner – das sind die Dimensionen des Neubaugebietes Richtericher Dell. Die Bevölkerung von Richterich wird damit um fast ein Drittel – heute leben dort rund 8700 Einwohner – anwachsen. Und damit natürlich auch der Autoverkehr.

Das heutige Straßennetz im Ort – insbesondere die Horbacher Straße in „Alt-Richterich“ – wäre damit völlig überfordert. Eine neue Straße muss her, eine Umgehung des alten Ortskerns. Um diese Straße wurde lange gestritten. Schon vor zehn Jahren gab es erste Planungen, ein Trassenverlauf wurde aber politisch erst im vergangenen November festgelegt. Seinerzeit wurde noch nichts zu den Kosten gesagt. Jetzt aber legt die Verwaltung eine „grobe Kostenschätzung“ vor, auf deren Basis die Politik in wenigen Tagen endlich den Planungsbeschluss für die Straße fassen soll.

Am 29. März berät die Bezirksvertretung, dann der Planungsausschuss, bevor der Mobilitätsausschuss im April entscheidet. Der Kalkulation ist zu entnehmen: Die Kosten für die Ortsumgehung sind enorm. Rechnet man alles zusammen, kommt man auf sage und schreibe rund 16 Millionen Euro. Und da es sich eben nur um eine „grobe“ Schätzung handelt, könnte es erfahrungsgemäß auch noch ein Stück teurer statt preiswerter werden.

Bau und Planung: 12,58 Millionen

Für Planung und Bau rechnet die Verwaltung mit 12,58 Millionen Euro. Enorme „Kostentreiber“ sind dabei die Tücken, die diese Ortsumgehung „meistern“ muss. Sie führt von der Horbacher Straße rund 500 Meter in Richtung Osten innerhalb des Neubaugebiets und knickt dann im 90-Grad-Winkel nach Süden ab, kreuzt die Banker-Feld-Straße und verläuft dann am Rande des Gewerbegebiets Roder Weg bis zur Roermonder Straße.

Dabei müssen aber die Bahnlinie Aachen-Mönchengladbach und der Amstelbach gequert werden. Nach langwierigen Prüfungen kam man zu dem Schluss, dass die Bahnlinie mit einem etwa sechs Meter unter den Gleisen liegenden Tunnel unterquert werden soll. Dieses Bauwerk, für das die Ortsumgehung in ihrem Verlauf „abgesenkt“ werden muss, wird mit Kosten von 1,7 Millionen Euro angegeben. Noch teurer wird die Brücke über den kleinen, 13,5 Kilometer langen und am Nierstein in Richterich entspringenden Amstelbach.

Dort war zunächst ein einfaches „Kastenbauwerk“ vorgesehen. Doch daraus wird nichts, weil die Randbereiche des Bachs dem Hochwasserschutz dienen. Um diese „Überschwemmungsbereiche“ unbehelligt zu lassen, muss die neue Brücke mindestens 30 Meter lang sein. Dabei beträgt der Abstand zur Bahnlinie nur 85 Meter. Um von deren Unterquerung hin zur Brücke keine enorme Steigung zu haben, soll die Brücke möglichst flach über dem Bach verlaufen.

Die Verwaltung rechnet für dieses Bauwerk mit Kosten in Höhe von 2,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Vorzeige-„CHIO-Brücke“ an der Krefelder Straße kostete in etwa genauso viel. Hohe Kosten entstehen außerdem bei der nicht unkomplizierten Entwässerung im Verlauf der Trasse.

Zu den kalkulierten Planungs- und Baukosten kommt noch eine „Ablöse“, die an die Bahn gezahlt werden muss, die das Unterquerungsbauwerk später übernimmt und für dessen Wartung zuständig sein wird. In der Regel liege die Höhe dieser „Ablösekosten“ in etwa bei der Nettobausumme – womit der Kalkulation entsprechend nochmals rund 1,5 Millionen Euro obendrauf kämen.

Zudem müsse laut Verwaltung die allgemeine Kostensteigerung bedacht werden. Diese wird mit 2,5 Prozent pro Jahr ab dem Kalkulationszeitpunkt 2016 angesetzt. Da der Großteil der Kosten in den Jahren 2020 bis 2022 anfällt, könnten hier nochmals fast zwei Millionen Euro zusätzlich fällig werden. Summiert kommt man somit auf besagte „grobe“ 16 Millionen.

Ende 2022 vorläufig fertig

Der Zeitplan sieht derzeit wie folgt aus: Bis 2019 soll geplant und vorbereitet werden. 2020 sollen dann die Bautrupps anrücken. Bis Ende 2022 soll die Ortsumgehung inklusive der Sonderbauwerke und der Entwässerungsanlagen beziehungsweise Kanäle fertig sein – allerdings größtenteils noch ohne endgültige Asphaltdecke.

Schließlich werden tausende Laster und andere Baufahrzeuge jahrelang dort entlang rollen, wenn das Neubaugebiet hochgezogen wird. Die Vermarktung der Grundstücke für den ersten Bauabschnitt soll 2021 beginnen. Die endgültige Asphaltierung nimmt in der Gesamtbetrachtung mit 240.000 Euro dann aber nur noch einen kleinen Teil ein.

Im Sommer 2015 hatte Planungsdezernent Werner Wingenfeld die Kosten für die neue Ortsumgehung, die nach politischem Willen unabdingbare Voraussetzung für Richtericher Dell ist, über den Daumen auf „zehn plus x“ Millionen Euro geschätzt. Angesichts der jetzigen Zahlen kann man wohl froh sein, wenn es am Ende nicht „zehn plus xx“ Millionen werden.

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