Richterich: Ortsumgehung frühestens 2022

Von: Oliver Schmetz
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Heute noch weites Feld, aber irgendwann einmal ein Wohnviertel: Blick von der Banker-Feld-Straße aus auf einen Teil des riesigen Neubaugebiets Richtericher Dell. Foto: Michael Jaspers
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Anknüpfungspunkt: An dieser Stelle direkt neben dem Gewerbegebiet Roder Weg soll die Ortsumgehung auf die Roermonder Straße treffen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit Zeitplänen ist das so eine Sache, zumal sie sich meist mit der schwer kalkulierbaren Zukunft befassen. Bei Bauvorhaben beispielsweise sind sie oft das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. So auch beim Großprojekt Richtericher Dell.

Hieß es dort noch Anfang vorigen Jahres, das Planverfahren für den ersten Bauabschnitt des riesigen Wohnungsbauvorhabens könne Ende 2016 abgeschlossen und mit der Vermarktung der ersten Häuser Anfang 2017 begonnen werden, war dies im Sommer vorigen Jahres schon wieder überholt.

Der Grund: Nach heftigen Protesten in Richterich hatte die Politik dann doch beschlossen, das Wohngebiet und die dringend nötige Umgehungsstraße parallel zu planen. Zu groß war die Sorge vor Ort, dass irgendwann die ersten Häuser stehen und man noch jahrelang auf die Straße warten muss, während sich die Blechlawinen mitten durchs ohnehin schon verkehrlich stark belastete Alt-Richterich wälzen.

Allerdings bedeutet dies, dass man nun auf die Straße warten muss, bevor man die ersten Häuser bauen kann. Und so eine Straße zu planen und zu bauen, das kann dauern. Damit werde man vermutlich erst Ende 2020 fertig sein, erklärte Planungsdezernent Werner Wingenfeld im August 2015.

Mittlerweile, gut 14 Monate später, geht man bei der Verwaltung allerdings davon aus, dass es doch eher Mitte 2022 wird, bis die Rich-tericher Ortsumgehung befahren werden kann. Und dass man deswegen auch mit der Vermarktung der ersten Häuser erst in gut fünf Jahren beginnen kann. Das geht aus einer Vorlage der Verwaltung für die Sitzung der Richtericher Bezirksvertretung am Mittwoch, 16. November, hervor.

Ursache für die Verzögerung sei, dass sich die Planungen als wesentlich aufwendiger und schwieriger entpuppt hätten, als man zunächst erwartet habe, erklärt Axel Costard vom städtischen Presseamt dazu auf Anfrage: „Vor allem die Untersuchungen zu den verschiedenen Varianten der Umgehungsstraße und die Entwässerungsplanung haben viel Zeit gekostet.“

So habe man zum Beispiel sehr ausführlich überlegt, ob man die Bahnlinie Aachen-Mönchengladbach zwischen der Banker-Feld-Straße und der Roermonder Straße mit der Straße besser überquert oder unterquert. Da jedoch die Kosten für eine Brücke über die Bahntrasse hinweg höher wären und ein solches Bauwerk dem Landschaftsbild eher abträglich sei, plädiere man nun dafür, den Umgehungsverkehr unter den Gleisen hindurchzuführen.

Apropos Kosten: Für den Bau der Umgehung hatte Wingenfeld diese vor Jahresfrist vage auf „zehn Millionen Euro plus x“ taxiert. In der aktuellen Vorlage hält sich die Verwaltung mit weiteren Prognosen zurück. Details über das weitere Vorgehen und über die Finanzierung wolle man der Politik im Januar oder Februar nächsten Jahres vorlegen, heißt es.

Jetzt soll die Politik – außer der Bezirksvertretung beraten in den nächsten Wochen auch Mobilitäts- und Planungsausschuss das Thema – erst einmal der von der Verwaltung favorisierten Variante für die Ortsumgehung zustimmen (siehe große Grafik oben). Von der Horbacher Straße aus würde die Straße etwa 500 Meter in Richtung Osten innerhalb des Neubaugebiets verlaufen und dann nach Süden abknicken, die Banker-Feld-Straße kreuzen und unter der Bahnlinie hindurch, über den Amstelbach hinweg und am Rande des Gewerbegebiets Roder Weg entlang bis zur Roermonder Straße führen.

Dieser Verlauf ist nach Ansicht der Verwaltung gleich aus mehreren Gründen wesentlich günstiger als eine zweite Variante, die rund 170 Meter weiter in Richtung Kohlscheid versetzt auf die Roermonder Straße treffen würde. Denn neben der Bahnlinie und dem Amstelbach verlaufen im Plangebiet auch noch drei internationale Gasfernleitungen, denen man mit der favorisierten Streckenführung aus dem Weg gehen könnte. Und auch für die Querung des Amstelbachs – der der Wasserverband Eifel-Rur im Übrigen alles andere als begeistert gegenübersteht – sei der jetzt empfohlene Verlauf der beste, weil der Eingriff an einer schmalen Stelle des Gewässers erfolge.

Läuft ab sofort alles glatt, könnte die Umgehungsstraße sogar „schon“ Ende 2021 fertig sein. In Sachen Bahnquerung dürfte dies aber erst Mitte 2022 der Fall sein, kalkuliert die Verwaltung – wobei dieser Zeitplan schon einen recht weiten Blick in eine schwer kalkulierbare Zukunft riskiert.

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