„Remember the Boyne“: Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller

Von: Lee Beck
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Wenn Terror und Hass auch von der Jugend Besitz ergreifen: Das Ensemble des "Teens"-Kurses im Das Da Theater zeigte mit "Remember the Boyne?" eine packende politische Parabel am Beispiel Nordirland. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Nordirland im Jahr 1969. Die Gesellschaft ist tief gespalten zwischen Katholiken und Protestanten, auf den Straßen fliegen Molotow-Cocktails, es herrschen Gewalt, Terror und Chaos. Die Protestanten sind besser gestellt, die katholischen Republikaner wollen unabhängig von den Briten sein. Dafür greifen sie zu radikalen Mitteln.

Ebenso radikal gehen die britischen Behörden und das Militär gegen den Widerstand vor.

Genau diesen Konflikt hat der Nachwuchskurs „Teens II“ des Theaterpädagogischen Zentrums des Das Da Theaters mit dem Stück „Remember the Boyne?“ (Deutsch: Erinnert ihr euch an die Schlacht von Boyne?) auf die Bühne geholt. In der Schlacht von Boyne im Juli 1690 siegte der englische und protestantische König Wilhelm III. über den katholischen, ehemaligen englischen König Jakob II.

Die Hauptfigur des Stücks, Sarah, ist katholisch aber eher unpolitisch, doch fast alle Menschen in ihrem Umfeld werden in den Konflikt mit hineingezogen, haben Angst, werden radikalisiert und gewaltbereit. Ihre Schwester Jean wird gefoltert, weil sie mit einem britischen Soldaten zusammen ist. Ihre Freunde werden verprügelt und mit dem Tod bedroht, andere dürfen nicht heiraten, weil sie nicht der gleichen Religion angehören. Brandon schließt sich der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) an. Als sich der Konflikt zuspitzt, wird auch Sarah unter Druck gesetzt und muss sich schließlich für eine Seite entscheiden, um ihr eigenes Leben zu retten.

Das Stück bringt auf drastische Weise nahe, dass gesellschaftliche Konflikte auch nicht vor Kindern halt machen. So bewegen sich die Protagonisten zwischen Albernheit, Naivität und politischem Extremismus, Gewalt und Hass. So zeigt sich, wie gesellschaftlicher und sozialer Druck Freundschaften und Moral zerstören kann. In packenden, oft auch gewalttätigen Szenen transportieren die jungen Schauspieler zwischen 16 und 18 Jahren diese Botschaft sehr klar und spannend. Sie selbst ziehen die Lehre: Gewalt bekämpft man nicht mit Gewalt.

Mehrere Monate haben die jungen Schauspieler wöchentlich mit Regisseur Tobias Steffen und Theaterpädagogin Tanja Meurers geprobt. Das junge Ensemble hatte sich für „Remember the Boyne?“ entschieden, weil ihm das Thema eher fremd war. Doch dann setzten sie sich intensiv mit dem Nordirlandkonflikt auseinander. Für Jungschauspielerin Daphne Bieletzki, die Sarah spielt, ist es eine Herausforderung sich in die Rolle hineinzuversetzen. „Eigentlich ist sie ja neutral, und dann steckt sie plötzlich in der Klemme“, sagt die 16-Jährige.

Gelernt haben die Theaterschüler vor allem, wie man Gewalt auf der Bühne realistisch darstellt. „Da gab es einige Lacher, aber auch blaue Flecken“, sagt sie. Auch Daphne Bieletzki selbst ist durch ihre Rolle in der Aufführung noch einmal deutlich geworden: „Jede Form von Extremismus ist falsch.“

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