Aachen - Rektorin fährt zur See, der Neue geht an Bord

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Rektorin fährt zur See, der Neue geht an Bord

Von: Thorsten Karbach
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Reibungsloser Übergang: Patrick Biemans folgt auf Brigitte Marsden an der Spitze des Gymnasiums St. Leonhard. Dank Musicality-AG hat sein Name einen hervorragenden Klang. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nein, Mann muss es erzählen. Wenn Patrick Biemans am 16. Juli als neuer Schulleiter offiziell Willkommen geheißen wird, dann ist der Studiendirektor der erste Mann, der im Rektorenzimmer des Mädchengymnasiums St. Ursula sitzt.

 „Ich weiß, dass ich darauf angesprochen werde“, sagt Biemans dazu nur. Lieber will er über andere Geschichten sprechen. Und es gibt tatsächlich so viel Anderes über den neuen Schulleiter von Aachens einzigem Mädchengymnasium und den denkbar reibungslosen Wechsel an der Spitze der Schule zu berichten.

Josefine Marsden sagt, sie gehe ruhigen Gewissens. Sie kennt ihren Nachfolger seit Jahren, denn Biemans, am 22. Juni wird er 40 Jahre alt, hat sein gesamtes Lehrerleben an dem Gymnasium am Bergdriesch verbracht. Er kommt aus dem Kreis Viersen und ist nach dem Studium in Aachen hängen geblieben. Er unterrichtet Mathematik, Physik und Informatik. Und er ist der kreative Kopf der Musicality-AG. Wer würde bei einem Mathelehrer damit schon rechnen? Biemans sagt: „Die meisten, die solche Späße betreiben, sind keine Musiklehrer.“

Marsden nennt ihn „jung, dynamisch und belastbar“. Das Kollegium sei schier begeistert, dass die neue Schulleitung aus den eignen Reihen kommt. Zuletzt gingen längst nicht alle Schulleitungswechsel in Aachen so harmonisch von statten, wie von Marsden zu Musicalschöpfer Biemans. Sein Name hat einen guten Klang bei Kollegen, Schülerinnen wie auch Eltern.

Ein Übergang, keine Zensur

Wer ist für einen Schulleiter wirklich ungewöhnlich jung. Und er steckt voller Tatendrang. „Man muss der Tatsache ins Auge sehen, dass Schule anders ist als früher. Schule muss Lebensraum sein“, betont er. Seit Monaten arbeitet er auch daran mit der bald scheidenden Rektorin Hand in Hand zusammen. Der Übergang ist kein Bruch, keine Wende, auch keine Zensur in der Schule. Die gemeinsame Feier zu Abschied und Begrüßung war im Sinne beider.

Marsden wird am 26. Juni 65 Jahre alt. Der 19. Juli ist ihr letzter Schultag. „Das ist auch gut so“, sagt sie. Dann liegen fast 53 Jahre Schule hinter ihr. 40 Jahre am Bergdriesch. Die letzten zehn Jahre war sie die Schulleiterin. Und was waren das für Jahre! „Was haben wir in den letzten Jahren nicht alles vom Schulministerium aufs Auge gedrückt bekommen“, sagt sie. „Es ist nicht weniger Arbeit geworden.“ Und dann galt es im bald endenden Schuljahr auch noch den doppelten Abiturjahrgang sicher ans Ziel zu bringen.

Mit diesen Abiturientinnen endet Marsdens (Schul-)Weg und die große Reise kann starten. Die Elternpflegschaft hat sie bereits rührend verabschiedet. „Eigentlich war bislang keine Zeit für Wehmut. Aber da sind mir schon ein paar Tränchen gekommen“, erzählt sie. Marsden wird noch den Sommer im eigenen Garten genießen und dann auf große Fahrt gehen – mit einem Frachter durch Kanadas Fjorde. „Ich werde nicht Langeweile sterben“, sagt sie.

Patrick Biemans wird dann – um das Bild der seefahrenden Josefine Marsden aufzugreifen – auf der Kommandobrücke des Gymnasiums St. Ursula stehen.

„Mir ist ganz wichtig, dass hier eine Übergabe und kein Neubeginn stattfindet. Laufende Entwicklungsprozesse will ich fortführen“, sagt er. Als Schulleiter gilt es, das Mädchengymnasium in Aachens Schullandschaft zu positionieren. Es gibt eine Menge, auf dem er aufbauen kann: Das neue Forum, Gütesiegel, das Andenken an die jüdischen Schülerinnen wird er hochhalten.

Aus Lücken sollen Türen werden

Biemans will die Schule noch weiter nach außen öffnen. „Ich suche Lücken, die zu offenen Türen werden“, formuliert er es. Die kulturelle Förderung der Schülerinnen mag dabei helfen. Literatur als Unterrichtsfach ist Standard, Orchester, Theater und Gesang werden gefördert. Und derart kulturell haben sich bislang nicht viele Schulen in Aachen positioniert. Und Marsden und Biemans stellen unisono fest: „Wir sind stolz auf unsere Mädchen.“

Die Schülerinnen wiederum können sicher sein: Die Musicality-AG wird mit Biemans weiterlaufen. Nachdem zuletzt 100 Schülerinnen am Zauberer von Oz mitwirkten, wird als nächsten die Stunde des „Glöckner von Notre Dame“ schlagen. Januar 2015 soll Premiere sein, es ist die Geburtstagsproduktion, seit zehn Jahren werden dann Musicals auf die Bühne gebracht. Auch als Schulleiter will er sich dieses Hobby nicht nehmen lassen. Im Gegenteil: Er hat Pläne, die nicht in Notre Dame enden. Hamlet soll folgen. „Es macht halt sehr viel Spaß“, sagt er.

Klingt doch gut, was dieser neue Schulleiter da verspricht. „Musik ist neben der Familie und dem Beruf meine drittes Leben“, sagt der Vater von drei Kindern (fünf, acht und elf Jahre alt). „Es ist ein privates Vergnügen, was ich in der Schule umsetzen kann. Und die Schülerinnen kommen nicht, weil sie mir bei meinem Hobby helfen wollen, sondern weil es ihnen Spaß bereitet. Noten gibt es dafür keine.“

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