Rektoren wollen Abi-Exzesse stoppen

Von: Thorsten Karbach
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AFG-Leiter Berthold Winterlich
AFG-Leiter Berthold Winterlich: „Man muss auch mal Maß halten.

Aachen. So ein Abitur hat seinen Preis. Jedenfalls werden die Feiern, die den Schulabschluss begleiten, immer teurer. Und sie dauern länger, werden exzessiver und ausufernder. Deswegen haben die Schulleiter der Aachener Gymnasien bei ihrem letzten Treffen beschlossen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Zumindest dort, wo sie Einfluss haben - nämlich in ihren Schulen. So verständigten sich die Rektoren, die finale Mottowoche vor dem letzten eigentlichen Schultag zu verkürzen. Statt fünf Tagen dürfen die angehenden Abiturienten 2012 nur noch von Mittwoch bis Freitag Remmidemmi machen.

„Die Intensität wurde einfach zu groß. Ich kann verstehen, dass Schüler nach neun Jahren des Hoffens, vielleicht auch Leidens, ein bisschen feiern wollen, aber es darf nicht ausarten”, erklärt der Leiter des Couven-Gymnasiums Günther Sonnen. „Es läuft zunehmend aus dem Ruder”, sagt Jochen Geradts vom Rhein-Maas-Gymnasium.

Dabei ist es kaum zehn Jahre her, dass sich die Schüler auf einen Tag mit dem sogenannten Abi-Gag beschränkten. Aus einem Tag wurden zwei „Feier”-Tage, und irgendwann machten die Abschlussklassen je nach Schule bis zu eine Woche lang Party in Kostümen wie an Karneval - auch in der eigenen Schule oder mit Besuchen in anderen Gymnasien. Das störte zwangsläufig die, die ganz normal im Unterricht saßen. „Eine Polonaise nach der ersten Stunde belastet nun einmal den Unterricht - vor allem, wenn dann auch noch Klassenarbeiten geschrieben werden”, sagt Berthold Winterlich, Leiter des Anne-Frank-Gymnasiums.

„Wir haben nun eine klare Vereinbarung getroffen”, berichtet Sonnen. Die hat er seinen Schülern dann auch so mitgeteilt. „Sie haben das nicht gerne gehört, aber sie haben es akzeptiert.” Anne-Frank-Direktor Winterlich erzählt, die Schüler seien seiner Meinung gewesen. Am Anne-Frank-Gymnasium wird dabei auch an den drei Mottotagen Unterricht stattfinden. Im Vorfeld hatten die Schulleiter übrigens auch die Bezirksschülervertretung zum Thema eingeladen, doch ein Treffen kam nicht zustande.

An anderer Stelle ist der Handlungsspielraum der Schulleiter aber begrenzt - wenn die Schüler außerhalb der Schulen feiern. Längst gehen die ersten Vorabi-Partys über die Bühne. Schüler organisieren sie, um den eigentlichen Abiball auf die Beine stellen zu können. Und auch hier übertrumpfen sich die Abschlussjahrgänge zunehmend mit exklusiverem Rahmen, größerem Buffet, feinerem Ambiente. Und all das kostet. Die Abiturienten des Einhard-Gymnasiums aus dem vergangenen Jahr feierten beispielsweise im Kasteel Vaalsbroek, sie engagierten einen Catering-Service, der ein Drei-Gänge-Buffet servierte. Und bezahlt haben sie auch noch eine Live-Band für den Abi-Gag. Um all das zu finanzieren, wurden drei Vorabi-Partys veranstaltet, Brötchen in den Unterrichtspausen verkauft und in eine Abikasse eingezahlt.

Die Karte für den Abiball kostete am Ende immer noch 35 Euro. „Dieser finanzielle Aufwand ist nicht mehr in Ordnung”, findet Rhein-Maas-Direktor Geradts. „Ich sehe das mit großen Bedenken. Für die Schüler ist der Abiball nach der Hochzeit und der Geburt eigener Kinder eines der größten Ereignisse. Aber man muss auch mal Maß halten”, sagt Winterlich. Dem entgegen stehen die Vorstellungen der Schüler - denen theoretisch auch viele Schulaulas offen stehen würden. „Wir würden sehr gerne exklusiv feiern”, sagen Andrea Häfner und Amélie Becker vom Rhein-Maas-Gymnasium, aber allein Deko, Security und Catering würden enorm teuer sein. Sie machen 2013 ihr Abitur. Aktuelle Abiturienten sind nach AZ-Informationen bereit, Summen von bis zu 25.000 Euro für einen geeigneten Rahmen zu investieren. Für Schlösser, Säle oder auch die Businessbereich des Tivoli. „Wir sind sehr begehrt - eben eine tolle Location”, sagt Krieger, berichtet von reihenweise Anfragen für dieses Jahr und die nächsten beiden Jahre. Letztlich müssen die Vorabi-Partys aber schon ein Hit werden, damit es ausreichend in der Abikasse klingelt.

Und genau hier sehen die Schulleiter das Problem. „Mit einer Vorabi-Party Geld zu verdienen, ist okay. Aber weil so viel Geld verdient werden muss, ist sie doch auf Alkohol-Exzess ausgelegt. Damit sind diese Partys als Problemveranstaltung prädestiniert”, findet Sonnen. Im Anne-Frank-Gymnasium hängen deswegen keine Plakate mehr aus, in denen für Alkohol („Ein Bier, ein Euro”) geworben wird.

Immerhin: Wegstecken würden seine Schüler den Partymarathon sehr gut. „Die sehen nicht anders aus, als nach einer normalen Party-Nacht”, sagt Sonnen. Und: „Sie sollen ja auch ihr Abitur feiern - aber bitte nicht so heftig.”
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