Rektor hat konkrete Vorstellungen von der Schule der Zukunft

Von: Thorsten Karbach
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Haut mit der Faust auf den Tisch: Berthold Winterlich sieht keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Schulträger. Dabei gebe es viele gute Ideen, wie die des Schulpalastes. Foto: Andreas Steindl

Laurensberg. Im Glaubenskampf Schule sieht Berthold Winterlich nur Verlierer. Deswegen lässt der Direktor des Anne-Frank-Gymnasiums die sprichwörtlichen Boxhandschuhe ruhen. Mit der Faust auf den Tisch haut er dennoch.

„So kann es nicht weitergehen”, sagt er. Während die neue rot-grüne Landesregierung mit Ideen wie Gemeinschafts- und Verbundschulen die Angebotsseite weiter aufbläht, sorgen sich überall in der Stadt Schulleiter um die Zukunft ihres Standortes. Denn längst ist es kein Geheimnis mehr, dass die Schülerzahlen fehlen, um alle Schulen in ihrer aktuellen Form zu erhalten.

Berthold Winterlich hätte schon längst Ideen und Konzepte erwartet - oder Gespräche zwischen Schulträger und Schulen. Doch bei einem ersten Runden Tisch waren die Gymnasien außen vor. Und die Ergebnisse einer Umfrage - wir berichteten - werden mangels Resonanz der Schulen laut Verwaltung nicht weiter ausgewertet. „Wenn ich auf der Suche nach Ideen bin, muss ich mit diesen Ideen arbeiten. Auch wenn es nur fünf von 120 Rückmeldungen gibt”, kommentiert dies Winterlich. Und: „Ich muss im pädagogischen Bereich erwarten, dass pädagogisch gearbeitet wird. Doch das wird es nicht. Es gibt keine vertrauensvolle Zusammenarbeit.”

Immerhin, am 28. September wird es einen weiteren Runden Tisch für die weiterführenden Schulen geben. Mit den Gymnasien. Vorher gibt es allerdings schon eine Sitzung des Schulausschusses, bei der von Politik und Verwaltung erste Impulse erwartet werden. Doch Berthold Winterlich ist keiner, der sich bequem zurücklehnt und wartet. Seine Ideen unter dem Titel „Schulpalast” hat er der Verwaltung nicht nur schriftlich mitgeteilt. Er hat sie dort auch persönlich vorgestellt.

Darin verarbeitet er die Erfahrungen aus über 30 Jahren Schulleitung und zwölf Jahren am Schulzentrum Laurensberg, in dem Gymnasium, Gesamtschule, Abendrealschule und Förderschulen Seite an Seite arbeiten - aber eben selten miteinander. „Unsere Kinder sind gemeinsam in Sportvereinen, besuchen die gleiche Musikschule, spielen im gleichen Orchester und gehen gemeinsam zum Kommunions- oder Konfirmationsunterricht. Da fragt keiner, ob sie zur Haupt- oder Realschule gehen”, erzählt er. Genau dies greift sein „Schulpalast” auf. „Warum müssen wir immer alles differenzieren?”, fragt er. „Oder gibt es eine Geographie für Realschüler und eine für Gymnasium?” Natürlich nicht. Laurensberg liegt an allen Schulen gleich. Sport, Kunst, Musik, Geschichte, Erdkunde, auch in den Naturwissenschaften - Winterlich könnte sich gemeinsamen Unterricht vorstellen. Das klingt nach Gesamtschule. Doch eben dort wird innerhalb der Fächer wieder differenziert. Und das will Winterlich nicht.

„Längeres gemeinsames Lernen ist möglich, wenn wir uns davon verabschieden, es in allen Fächern zu fordern”, lautet seine These. In Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen würde er differenzieren. Und bei besonderen Begabungen. „Aber es ist doch Blödsinn, dass Chemie an der Realschule anders gelehrt wird als am Gymnasium”, sagt er. Das Schulzentrum in Laurensberg bietet mit dem Gebäude und den angesiedelten Schulen den idealen Rahmen für einen „Schulpalast”. „Wenn man die Chancen eines solchen Schulzentrums nicht nutzt, dann verstehe ich das nicht.”

Noch drei Jahre bleibt er im Schuldienst, bevor er in den Ruhestand geht. „Schule muss sich ändern”, erklärt er. Und er meint sofort. „Ich bedauere sehr, dass wir in den letzten 30 Jahren nicht weitergekommen sind. Ich habe Schule immer für Schüler gemacht, aber mein Traum von Schule hat sich nicht erfüllt.” Wegen der Glaubenskämpfe...
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