Reiterverein bringt Kinder aufs Pferd

Von: Sebastian Dreher
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Aachen. Welcher Schüler kann schon von sich behaupten, dass er als Unterrichtsfach Reiten hat? Die Gemeinschaftshauptschule (GHS) Eilendorf betreibt seit fast fünf Jahren in Kooperation mit der Reitergemeinschaft Reinartzkehl 1975. e.V. Aachen ein derartiges Projekt.

Initiatorin der ungewöhnlichen Zusammenarbeit ist Anja Müller-Grünkemeier, Lehrerin an der GHS und Vorsitzende der Reitergemeinschaft. „Als ich meine Idee der Schulleitung vorschlug, dachten alle an einen Scherz”, beschreibt sie die ersten Schritte des Projekts. „Doch in der Stimmung vor den Weltreiterspielen 2006 hatte ich gute Karten.” In Aachen standen damals alle Zeichen auf Reitsport, die geeignete Zeit für den Startschuss der Kooperation.

Jährlich fangen rund 20 Schüler mit dem Reiten an. Im Laufe des Schuljahrs kristallisiert sich eine Gruppe von zehn bis zwölf interessierten Kindern heraus, die in der Regel zwei Jahre lang dabei bleiben. Die Kosten für die Eltern belaufen sich auf 40 Euro pro Schulhalbjahr, die eigentlichen Kosten werden durch eine Mischfinanzierung von Schule, Förderverein, Stadt und privaten Spenden gedeckt.

Migrationshintergrund

Unter die vielen Mädchen mischen sich immer wieder auch ein paar Jungen. „Das Reiten macht mir viel Spaß”, sagt der kleine Ridvan vom Rücken seines Ponys. „Anfangs hatte ich ein bisschen Angst, doch dann war es kein Problem mehr.” Dass viele der Reitschüler schulformbedingt einen Migrationshintergrund aufweisen, hat sich im Nachhinein als nützlich erwiesen. Das Projekt passte exakt in die Statuten des von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN und der Deutschen Sportjugend (DSJ) ausgeschriebenen Wettbewerbs „Migration im Pferdesport”. Der erreichte dritte Platz brachte 1000 Euro in die Vereinskasse und wird für Unterrichtsmaterial genutzt.

Doch der Unterricht hat auch einen pädagogischen Effekt. „Viele der Kinder werden durch den Umgang mit den Pferden ruhiger und ausgeglichener”, sagt Müller-Grünkemeier. „Schüchterne Schüler entwickeln ein größeres Selbstbewusstsein.” Neben dem Reiten lernen die Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit Tieren und Material, denn Stallputzen und Sattelpflege gehört ebenso zum Unterricht wie Traben und Galoppieren.

„Es ist einfach schön, wie die Kinder sich freuen, wenn sie auf dem Rücken der Pferde sitzen”, sagt Müller-Grünkemeier. „Vielleicht können einige von ihnen privat weiter reiten. Das Wissen haben sie - jetzt brauchen sie nur noch das Geld dazu.”
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