Reißt der neue Kita-Bedarfsplan Geschwisterkinder auseinander?

Von: Robert Esser
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Ausgesperrt? Nicht alle Geschwisterkinder sollen ihre zugesicherten Plätze in der Kita Johanniterstraße 4a bekommen. Foto: Robert Esser
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Empörung: Ob Linda Sips‘ Sohn Quinten mit Schwester Franka spielen darf, entscheidet die Stadt.

Aachen. Ob der bald einjährige Quinten mit seiner fünfjährigen Schwester Franka in deren Kindertagesstätte an der Johanniterstraße 4a spielen darf, ist „nur“ eine Frage des Geldes. Denn die RWTH will sich mit Belegplätzen quasi in die Kita „einkaufen“, weil sie neben der städtischen Kita ihre eigene „RWTH-Großtagespflegestelle“ nicht am Leben erhalten konnte.

Das führt derzeit dazu, dass nicht mehr genug U3-Betreuungsplätze für Geschwisterkinder anderer Eltern zur Verfügung stehen. Linda Sips, die Mutter von Franka und Quinten, ist entsetzt: „Hier sollten 14 Geschwisterkinder Mitte dieses Jahres einen Platz bekommen, im November 2016 erhielten wir eine vorläufige Zusage“, berichtet sie. „Doch jetzt fehlen einige Plätze. Es heißt sogar: Schlimmstenfalls wird gelost“, sagt sie.

Für Eltern ohne Losglück bedeutet das, dass sie den Wiedereinstieg in ihren Job erstmal vergessen könnten. Denn andere U3-Betreuungsplätze oder gar Plätze bei Tagesmüttern existieren kaum, Anmeldefristen sind bereits verstrichen. Am gestrigen Mittwochnachmittag stand im Stadtrat das Thema „Kindertagesstättenbedarfsplanung 2017/2018“ auf der Tagesordnung. Eltern machten ihrem Ärger im Rathaus Luft. „Wenn man Geschwisterkinder nicht in derselben Kita unterbringen kann, funktioniert die gesamte Familienlogistik nicht mehr“, erklärt Sips. „Der höhere Zeitaufwand für den Transport in unterschiedliche Einrichtungen ist einfach nicht praktikabel“, sagt sie. Ganz abgesehen davon, dass Geschwister einer Familie gemeinsam spielen sollten.

Der Fachbereich Kinder, Jugend und Schule – zuständig für die Bedarfsplanung – bemüht sich laut Stadt um eine Lösung des Problems. „Wir reißen uns gerade Arme und Beine aus“, bestätigt Björn Gürtler vom Presseamt. Er erläutert: Die zusätzlichen U3-Plätze in der Kita Johanniterstraße habe man erst durch die Aufgabe der RWTH-Großtagespflegestelle nebenan einrichten können.

Im U3-Bereich seien sieben der zehn zusätzlichen Plätze für die RWTH vorgesehen. Wie viel die RWTH dafür zahlt, wollten am Mittwoch weder das Gleichstellungsbüro der Hochschule noch die Stadt preisgeben. Letztlich fehlen nun vier U3-Plätze, um sämtliche Geschwisterkinder von RWTH-fremden Eltern unterzubringen, die bereits mindestens einen Sprössling an der Johanniterstraße untergebracht haben. Das Problem: Platz ist genug in der Kita, aber der Betreuungsschlüssel passt nicht mehr.

Will sagen: Um die vier zusätzlichen U3-Plätze bis zum Sommer realisieren zu dürfen, müsste eine weitere Stelle geschaffen und bezahlt werden. Hinter den Kulissen der Stadtverwaltung zerbricht man sich nun die Köpfe, wie man dies bewerkstelligen kann. Inoffiziell verlautet, dass man „auf einem guten Weg“ sei. Dies würde nämlich ganz nebenbei dazu führen, dass die Stadt ihrer angepeilten Quote von 50 Prozent in der U3-Betreuung ein gutes Stück näher rückt. Diese liegt derzeit bei rund 44 Prozent.

Sips stellt klar: „Diese U3-Plätze sind ungeheuer wichtig für alle.“ Ob die Eltern nun von der RWTH kommen oder nicht. Nach dem Stadtrat entscheidet am 14. März der Kinder- und Jugendausschuss der Stadt. Erst danach würde der Vertrag mit der RWTH unterzeichnet. Dass der Fall letztlich am Geld für eine einzige Personalstelle scheitern könnte, mag die Mutter einfach nicht glauben.

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